persons Čupr, František

General Info

Name Čupr, František
Alternative Names
  • Name laut ÖBL XML: Čupr, František (Franz)
  • alternative Namensform: Franz
  • ID 92599
    Gender male
    Notes
    References
    Lifespan 11.4.1821 - 29.6.1882
    Professions Geisteswissenschaft, Unterrichtswesen, Philosoph, Pädagoge und Politiker
    Collection(s)
  • ÖBL additional import 4online 2.9.16
  • Mittelalter 7.9.2016
  • 300 selec names
  • DHA Innsbruck Model Trainingsdata
  • Lyon export test data
  • Geisteswissenschaftler 6-19
  • ÖBL Biographie
  • Uri(s) http://d-nb.info/gnd/142468118

    Relations

    Person

    Start End Relation type Related person
    war Kind Čupr, František
    war verheiratet Čupr, Ludmilla
    war im Dienst von Nostitz-Rieneck, Erwein Felix Maria Gf. von
    war Schüler von Exner, Franz Serafin
    rezipierte Volkmann von Volkmar, Wilhelm Fridolin
    rezipierte Schopenhauer, Arthur
    rezipierte Hegel, Georg Wilhelm Friedrich
    rezipierte Herbart, Johann Michael

    Place

    Start End relation type Related place
    Geburtsort Chrast
    Sterbeort Prag
    1861 1865 wirkte in Wien
    wirkte in Prag

    Label

    Label Label type ISO Code
    Čupr, František (Franz) Name laut ÖBL XML deu
    Franz alternative Namensform deu

    Texts

    Texts

    ÖBL Haupttext

    Sohn des Schmieds František Čupr; ab 1849 mit Ludmila, geb. Hlasivcová, verheiratet. – Nach dem Gymnasialbesuch in Leitomischl (1835–39) und Prag absolvierte Č. ab 1841 die philosophischen Jahrgänge und studierte 1843–46 Jus an der Prager Universität; 1846 Dr. phil. Nach Studienabschluss bewarb er sich vergeblich um ein Lehramt am Gymnasium oder an der Universität, da er als entschiedener tschechischer Patriot und Anhänger des Föderalismus bekannt war. Erst 1848 konnte er die Stelle eines Erziehers im Haus von Erwin Graf Nostitz verlassen und wurde supplierender Professor am Kleinseitner Gymnasium sowie Privatdozent an der Prager Universität, an der er in der Folge Logik, Hodegetik und Enzyklopädie der Wissenschaften in tschechischer Sprache vortrug. Ab 1850 unterrichtete er auch am Akademischen Gymnasium. Unter dem Einfluss seines Lehrers, des Herbartianers →Franz Exner, schrieb er einen „Grundriß der empirischen Psychologie“ (1852), in dem er die Bedeutung der Psychologie im Rahmen nicht nur der Herbart’schen Philosophie betonte. Später näherte er sich stark dem Herbartianer Wilhelm Volkmann an. Im Zuge der weiteren politischen Entwicklung in Böhmen wurde Č. 1853 aus der Universität und aus dem Gymnasium entlassen. Er gründete daher auf seinem Gut Kolčavka bei Prag eine private Lehr- und Erziehungsanstalt, die er 1854–72 leitete und in der er seine pädagogischen Reformideen in die Praxis umsetzte. Sein Vorhaben und ein ausgearbeitetes Konzept eines liberalistischen Schulwesens, in dem er sich um die Hebung des Bildungsniveaus der Lehrer bemühte, erläuterte er in der Broschüre „Plan und Einrichtung der in der Nähe von Prag neu begründeten Lehr- und Erziehungsanstalt für Knaben und Jünglinge“ (1854). In den 1860er-Jahren war Č. auch politisch aktiv: 1861–66 saß er im böhmischen Landtag, 1861–65 für die Alttschechen im Abgeordnetenhaus des Reichsrats. Als Politiker und Pädagoge setzte er sich für eine Reform des österreichischen Schulwesens und eine Erhöhung der Lehrergehälter ein („Zur Revision des dermaligen Unterrichtswesens unserer Mittelschulen“, 1863). Mit den tschechischen Abgeordneten geriet er in Konflikt, als er als einer der wenigen 1863 für eine weitere Mitarbeit im Reichsrat stimmte. Anschließende öffentliche Attacken bewogen ihn nach Ablauf seines Mandats zum Rückzug aus der Politik. Nach dem Tod seiner Frau (1872) stellte Č. die Tätigkeit seiner Bildungsanstalten ein, zog sich völlig ins Privatleben zurück und vertiefte sich in das Studium der Philosophie Schopenhauers und des östlichen, altindischen Denkens. Bei der Beschäftigung mit der indischen Weisheit entdeckte er eine gewisse Verwandtschaft zur Philosophie Herbarts. Die Resultate seiner Studien fasste er im dreibändigen Werk „Učení staroindické …“ (1874–81) zusammen, das in das Fach der vergleichenden Religionsgeschichte (Religionswissenschaft) und der Religionsphilosophie fällt. Außerdem führte er jene Gedanken fort, die er schon in seinem ersten Buch „Sein oder Nichtsein der deutschen Philosophie in Böhmen 1847“ (1847) zum Ausdruck gebracht hatte. Darin kommentierte er Beiträge, deren Verfasser sich zur Bedeutung der deutschen Philosophie, konkret jener Hegels und Herbarts, für die tschechische Literatur geäußert hatten. Č. propagierte die Ausrichtung des tschechischen Denkens am Herbartianismus, in dem er ein Vorbild für die Ausformung einer tschechischen Nationalphilosophie sah. Er vertrat die Ansicht, dass die Philosophie, auch die spekulative und die metaphysische, ein wichtiger und unersetzbarer Bestandteil jeder gebildeten Nation sei, obgleich sie die Vertreter des „gesunden Menschenverstands“ für nutzlos hielten.

    ÖBL Kurzinfo

    Čupr František (Franz), Philosoph, Pädagoge und Politiker. Geb. Chrast, Böhmen (CZ), 11. 4. 1821; gest. Lieben, Böhmen (Praha, CZ), 29. 6. 1882; röm.-kath.