Tetmajer, Ludwig von

Tetmajer Ludwig von (Tetmajer von Przerwa), Techniker. Geb. Krompach, Ungarn (Krompachy, SK), 14. 7. 1850; gest. Wien, 31. 1. 1905 (beigesetzt in Zürich, CH; später Ehrengrab auf dem Wr. Zentralfriedhof).

Sohn des Dir. der Hütte Marienthal Wladyslaw v. T. und seiner Frau Luise v. T., geb. Elsner, Cousin von →Kazimierz T. und →Wlodzimierz T.(-Przerwa), Vater von Elsa T. (1878–1969), der Frau von Prof. Josef Cornelius Breinl, sowie von August Helmar Rudolf T. (1880–1946) und Bruno Friedrich T. (1887–1973); ab 1877 mit der Münchener Opernsängerin Maria Luise Kindermann (1852–1912) verheiratet. – Nach Abschluss der Realschule in Kaschau (Košice) 1867 stud. T. 1868–72 Bauing.wesen am Eidgenöss. Polytechnikum in Zürich. Nach einem Praxisjahr bei der Schweizer. Nordostbahn kehrte er 1873 als Ass. des Statikers Karl Culmann an die ETH Zürich zurück, wo er sich 1875 habil. Nach Ableistung seines Einjährig-Freiwilligen-Jahrs in Österr. erwarb er 1877 das Schweizer Bürgerrecht in der Gmd. Wipkingen (Zürich). 1878 wurde er zum ao. Prof. berufen, im Folgejahr wurde ihm die prov. Leitung der Eidgenöss. Festigkeitsprüfanstalt übertragen. 1881 erfolgte T.s Ernennung zum o. Prof. für Baumechanik und Technol. der Baumaterialien an der ETH Zürich und zugleich zum def. Leiter der Eidgenöss. Material-Prüfanstalt (EMPA). Ihrer Ausgestaltung und der systemat. Entwicklung experimenteller Materialprüfverfahren widmete er i. d. F. seine wiss. Tätigkeit. Insbes. stellte er zahlreiche Knickversuche an und entwickelte eine Vielzahl von empir. Formeln zur Festigkeitsprüfung (u. a. T.-Gleichung). 1884 gründete er die „Mittheilungen der Anstalt zur Prüfung von Baumaterialien am eidg. Polytechnikum in Zürich“ als Fachorgan für Materialprüfung, in dem er auch die Methoden und Ergebnisse seiner Untersuchungen verschiedenster Baumaterialien (Bauhölzer, Bausteine, Eisen und andere Metalle) veröff. 1895 initiierte er den Internationalen Verband für Materialprüfungen der Technik, dessen erster Präs. er 1895–1901 war. 1891 wurde unter seiner Leitung der damals allg. als mustergültig gelobte Neubau des Labors der EMPA in Zürich errichtet. T. wies aber auch immer wieder auf die Notwendigkeit einer staatl. Autorisierung von Versuchsanstalten zum Zweck der Qualitätssicherung hin. 1901 wurde er zum o. Prof. für Techn. Mechanik und Baumaterialienkde. an der TH in Wien berufen und mit dem Titel eines HR ausgez. Verbunden mit seiner Berufung war der Auftrag, in Wien eine Materialprüfstelle nach dem Vorbild der EMPA zu errichten. T. nahm sich dieser Aufgabe mit großer Energie an, erlebte jedoch die Eröffnung einer techn. Versuchsanstalt (TVA) an der TH Wien nicht mehr. Er starb wenige Monate, nachdem er das Amt des Rektors dieser Hochschule für das Stud.jahr 1904/05 angetreten hatte.


Werke: Weitere W.: Methoden und Resultate der Prüfung natürl. und künstl. Bausteine, 1884; Methoden und Resultate der Prüfung der schweiz. Bauhölzer, 1884; Methoden und Resultate der Prüfung von Eisen und Stahl und anderer Metalle, 1886; Die angewandte Elastizitäts- und Festigkeitslehre, 1889, 3. Aufl. 1905; Ber. über Methoden und Resultate der Prüfung von Draht und Drahtseilen, 1890; Ber. über den Neubau, die Einrichtung und die Betriebsverhältnisse der schweizer. Materialprüfungs-Anstalt, 1893, 2. umgearb. Aufl. 1896; Die Gesetze der Knickungs- und der zusammengesetzten Druckfestigkeit der techn. wichtigsten Baustoffe, 1901, 3. Aufl. 1903; etc.
Literatur: NFP, 6. 2. (A.), FB, NWT, 22. 2. 1905; HLS; ZÖIAV 57, 1905, S. 85ff. (m. B., auch als Sonderdruck); J. Zielinski, L. v. T. Przerwa, 1850–1905, 1995 (m. B.); F. Eggimann, in: FS zum 100. Jahrestag der Gründung des Internationalen Verbandes für Materialprüfungen der Technik durch L. v. T., Prof. der TH Wien, 1997, S. 11ff. (m. B., auch von Wladyslaw und Luise T.); TU, UA, beide Wien.
Autor: (J. Mikoletzky)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 65, 2014), S. 263f.

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  • gestorben in > Wien