Thaler, Karl von

Thaler Karl von, Journalist und Schriftsteller. Geb. Wien, 30. 9. 1836; gest. ebd., 19. 10. 1916; röm.-kath., ab 1881 evang. AB.

Die Familie stammte väterlicherseits aus dem Schwäb. Sohn des Gubernialrats Karl v. T. (1796–1878) und der Schriftstellerin Anna Antonie v. T. (1814–1875); ab 1881 mit Adamine v. der Becke, geb. Baumgartner, verheiratet. – Die Familie übersiedelte Anfang der 1840er-Jahre nach Tirol. Nach Besuch der Gymn. in Innsbruck (1847–50, 1851–54) und Brixen (1850–51) stud. T. ab 1854 zunächst Rechtswiss. an der Univ. Innsbruck, wechselte aber bereits 1855 zum Stud. der Phil., Geschichte und Philol. an die Univ. Heidelberg (1857 Dr. phil.). Anschließend hörte er in Bonn Vorlesungen u. a. bei →Anton Heinrich Springer. Nach dem Scheitern eines Habil.projekts an der Univ. Wien im Frühjahr 1858 begann er die journalist. Laufbahn bei der Z. „Stimmen der Zeit“. Im April 1862 trat er in die Red. des Tagbl. „Der Botschafter“ ein, das die Politik von Staatsminister →Anton v. Schmerling unterstützen sollte. Dort red. er den Auslandsteil, bald übertrug ihm Chefred. Friedrich Uhl auch den Literaturteil. Nach dem Rücktritt Schmerlings und der Einstellung des Bl. wurde er 1866 zunächst externer Mitarb. für das Feuilleton der „Neuen Freien Presse“. Hier red. er die „Literaturbriefe“, in denen er wiederholt auch zu aktuellen polit. Fragen Stellung bezog. Außerdem veröff. er 1867 polit. und literaturkrit. Abhh. in den MS „Deutsch-österreichische Revue“ und „Internationale Revue“. Nach deren Einstellung konzentrierte er sich auf seine Arbeit für die „Neue Freie Presse“, schied aber Ende 1870, vermutl. aufgrund von Differenzen mit den Hrsg. über die außenpolit. Linie des Bl., vorübergehend aus und wechselte zur „Presse“. 1871 trat er in die Red. der „Deutschen Zeitung“ ein und fungierte hier bis Mai 1873 als Mithrsg. Danach nahm er ein großzügiges finanzielles Angebot →Michael Etiennes an und kehrte zur „Neuen Freien Presse“ zurück, wo er nunmehr sowohl als Leitartikler als auch als außen- und innenpolit. Red. tätig war und Etienne öfters in der Leitung der Ztg. vertrat. Kurz vor dem Tod des Mithrsg. →Max Friedländer übertrug ihm Etienne die alleinige Leitung des Literaturteils: In dieser Funktion pflegte T. jahrelang enge Beziehungen zu zahlreichen Schriftstellern (z. B. →Ludwig August v. Frankl-Hochwart, →Leopold Kompert, →Ferdinand Frh. v. Saar oder →Marie Freifrau Ebner v. Eschenbach). Längere literaturhist. Abhh. T.s erschienen in verschiedenen in- und ausländ. Revuen, wie z. B. der „Gartenlaube“. Weiters verf. er zahlreiche Ged., in denen seine großdt. Haltung zum Ausdruck kam, von denen viele aber nie veröff. wurden. T., der den Wr. Zweig des Dt. Schriftstellerverbands leitete, unternahm zahlreiche Reisen (insbes. nach Italien, Südosteuropa und Dtld.), die er sowohl journalist. als auch in Vorträgen verarbeitete. Er war auch Sammler hist. Waffen.


Werke: Sturmvögel, 1860; Aus alten Tagen, 1870; Erinnerungen an Dr. M. Friedländer, 1883; etc.
Literatur: NFP, 30. 9. 1906, 19. 10. 1916 (A.); WZ, 19. 10. 1916 (A.); AZ, FB, Oesterr. Volks-Ztg., RP, 20. 10. 1916; Brümmer; Czeike; Eisenberg 1; Kosel 1; Renner, Nachlässe; Wurzbach; A. Mels, Wr. Schriftsteller & Journalisten …, 2. Aufl. 1874, S. 62ff.; F. Uhl, Aus meinem Leben, 1908, S. 179ff.; R. Karl, Der Kulturteil der Neuen Freien Presse von 1864–74, phil. Diss. Wien, 1948, passim; Literar. Leben in Österr. 1848–90, ed. K. Amann u. a., 2000, s. Reg.; UA, Heidelberg, D.
Autor: (Th. Venus)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 65, 2014), S. 279f.

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