Theer, Otakar

Theer Otakar (Otokar), Ps. Otto Gulon, Sézam, Schriftsteller. Geb. Czernowitz, Bukowina (Cernivci, UA), 16. 2. 1880; gest. Kgl. Weinberge, Böhmen (Praha, CZ), 20. 12. 1917.

Sohn eines Dragoner.off. – 1880 übersiedelte die Familie nach Nimburg (Nymburk). Kurz danach starb T.s Vater. 1890–99 besuchte T. in Prag das Gymn., danach inskribierte er an der Jurid. Fak. der tschech. Univ., nach drei Semestern wechselte er an die phil. Fak. und stud. acht Semester Geschichte und Vergleichende Literaturgeschichte, 1902/03 stud. er in Paris, 1906 Dr. phil. an der Univ. Prag mit der Arbeit „Honoré de Balzac a Lidská komedie“. Ab 1906 war er in der Prager Univ.bibl. angestellt, ab 1913 Bibl.ass. Er unternahm mehrere Reisen (1898 Oberungarn; 1908 Bayern, Schweiz, Italien; 1910 Tirol; 1912 Skandinavien; 1913 Krim) und engagierte sich auch in literar. Ver. (Kruh ceských spisovatelu, Umelecká beseda). 1910 unterbrach T. seine Tätigkeit als Kritiker (u. a. für die Z. „Literární listy“, „Nový kult“ und „Srdce“) und pflegte nur mehr den Kontakt zu seinen engsten Freunden, dem Übers. und Schriftsteller Otokar Fischer, dem Literaturkritiker →Arne Novák und →Jan Nebeský. 1916 war er Zeuge im Prozess gegen den Politiker Karel Kramár in Wien und initiierte 1917 das sog. Mai-Manifest, in dem die tschech. Schriftsteller die nationale Unabhängigkeit forderten. Ab 1896 publ. er zuerst parnass. und dekadente Ged. sowie Prosastücke, später individualist. geprägte metaphys. Verse über Liebes- und Lebensdesillusion und den Kampf um Individualität sowie patriot. Lyrik unter dem Einfluss des Kriegs. In seiner Kurzprosa thematisiert T. Konflikte zwischen Intellekt und Psyche; sein Credo, das stark vom eth. Voluntarismus Friedrich Nietzsches beeinflusst war, stellte er im Drama „Faëthón“ (Urauff. 1918) in Anlehnung an die altgriech. Sage dar. Bedeutend ist auch seine literar. Theater- und Kunstkritik. T. übers. außerdem aus dem Französ. (Paul Hervieu, Pierre Loti) und Engl. (Oscar Wilde). Seine gesammelten Werke („Básnické spisy“, „Básnická pozustalost“) gab Novák ab 1924 heraus. 1909 Träger des Ordre des Palmes Académiques.


Werke: Weitere W. (s. auch LCL): Háje, kde se tancí, 1897; Výpravy k já, 1900 (überarb. Aufl. 1914); Pod stromem lásky, 1903; Úzkosti a nadeje, 1909; Všemu navzdory, 1916; etc. – Nachlass: Literární archiv PNP, Praha, CZ.
Literatur: LCL (m. W.); Masaryk; Otto, Erg.Bd.; Lípa 1, 1917/18, S. 222; Lumír 46, 1917/18, S. 112; Volné smery 19, 1917/18, S. 186f.; Kmen 1, 1917/18, Nr. 47, S. 1ff.; Na pamet O. T., 1920 (m. B.); A. M. Píša, O. T. 1–2, 1928; J. Mukarovský, in: Listy filologické 58, 1931, S. 167ff.; ders., Kapitoly z ceské poetiky 2, 1948; M. Suchomel, in: O. T., Všemu navzdory, 1980, S. 7ff.; J. Med, in: Slovník básnických knih, ed. M. Cervenka u. a., 1990, S. 361ff.; Dekadence: V barvách chorobných. Idea dekadence a umení v ceských zemích 1880–1914, ed. O. M. Urban, 2006, s. Reg.; M. Tichý, Kritické dílo Šaldovy generace, 2011, s. Reg.
Autor: (V. Petrbok)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 65, 2014), S. 288f.

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  • geboren in > Tschernowitz
  • gestorben in > Prag