Thimig, Hugo

Thimig Hugo (August), Schauspieler, Regisseur, Theaterdirektor und Sammler. Geb. Dresden, Sachsen (D), 16. 6. 1854; gest. Wien, 24. 9. 1944.

Sohn des Handschuhmachers Friedrich August T. (gest. 6. 4. 1884) und seiner Frau Pauline T., geb. Weisse (gest. 7. 12. 1902), Vater von Helene T.-Reinhardt (geb. Wien, 5. 6. 1889; gest. ebd., 7. 11. 1974), Hermann T. (geb. Wien, 3. 10. 1890; gest. ebd., 7. 7. 1982), Hans T. (geb. Wien, 23. 7. 1900; gest. ebd., 17. 2. 1991) und Fritz T. (geb. Wien, 15. 1. 1893; gest. Wildalpen, Stmk., 22. 9. 1936; Selbstmord), der trotz großer Begabung als einziges Kind T.s nicht Schauspieler wurde, sondern nach Besuch der landwirtschaftl. Schule Oberhermsdorf (Horní Hermanice) als Gutsverwalter tätig war; ab 1888 verheiratet mit Franziska T., geb. Hummel (geb. Stuttgart, D, 11. 3. 1867; gest. Wien, 22. 9. 1944). – T. absolv. eine Kaufmannslehre und besuchte die Handelsschule in Dresden. Nach ersten Auftritten an einem Liebhabertheater nahm er Schauspielunterricht beim Charakterkomiker Ferdinand Dessoir. Auf dessen Empfehlung debüt. er im Oktober 1872 als Lancelot Gobbo in Shakespeares „Der Kaufmann von Venedig“ am Stadttheater Bautzen und gastierte in Zittau, Kamenz und Freiberg. 1873 kam er an das Lobetheater nach Breslau, wo →Friederike Bognár und Karl v. Holtei den Dir. des Wr. Hofburgtheaters, →Franz Frh. v. Dingelstedt, auf ihn aufmerksam machten. Nach Absolv. eines Probegastspiels im Juni 1874 wirkte er ab Oktober dieses Jahres bis März 1917 am Burgtheater im Fach des Charakterkomikers, des Naturburschen und schüchternen Liebhabers (Antrittsrolle Wilhelm in „Der verwunschene Prinz“). 1879 erzielte er mit der Darstellung des sächs. Gutsbesitzers Schmählich (→Michael Klapp: „Rosenkranz und Güldenstern“) ungeheure Popularität und wurde zum Publikumsliebling. T. hatte nach →Karl Wilhelm Meixners Tod (1888) und →Hermann Schönes Abtreten (1899) allein das kom. Fach inne, in dem er, an der Grenze zwischen Komik und Tragik agierend, ergreifende Wirkung erzielte. Ab 1901 verkörperte er auch trag. Rollen. T. war ein großer Verwandler und gilt als Mitbegründer und Repräsentant des Burgtheaterstils. 1881 wurde er Hofschauspieler, 1889 Ensemblemitgl. auf Lebenszeit, 1897 Regisseur. Von September 1912 bis März 1917 zuerst prov., danach def. Burgtheaterdir., verhinderte T. die Schließung des Hauses während des Weltkriegs. Er selbst stand in der Zeit seiner Dion. nicht auf der Bühne. 1917 wurde er zum HR ernannt. Das Angebot, die Dion. des Dt. Volkstheaters zu übernehmen, lehnte er ab. 1920–23 hatte er einen Gastspielvertrag am Burgtheater, dessen Ehrenmitgl. er 1921 wurde. 1924–36 gehörte er dem Ensemble des Theaters in der Josefstadt unter seinem Schwiegersohn →Max Reinhardt an, wo er mit seinen Kindern Helene, Hermann und Hans gem. auf der Bühne stand. 1926, 1927 und 1931 wirkte er auch an den Salzburger Festspielen mit. T. gehörte ab 1918 der Künstlerrunde „Anzengrube“ an. Er war Sammler von Theatralia, die erstmals in einer Sondernr. der Internationalen Ausst. für Musik- und Theaterwesen 1892 veröff. wurden und die illustrative Grundlage für die Monumentalausg. „Die Theater Wiens“ (1899–1906) bildeten. Seine umfangreiche, 1922 an die Österr. Nationalbibl. verkaufte Smlg. bildete den Grundstock der Theatersmlg. (heute Österr. Theatermus.). T., ab 1888 österr. Staatsbürger, wurde u. a. 1944 mit dem Ehrenring der Stadt Wien ausgez.


Werke: Weitere Rollen: Truffaldino (C. Goldoni, Der Diener zweier Herren); Miller (F. v. Schiller, Kabale und Liebe); Schüler (J. W. v. Goethe, Faust); Zettel (W. Shakespeare, Ein Sommernachtstraum); Holzapfel (ders., Viel Lärm um nichts); etc.
Literatur: NFP, 1. 12. 1912; NWT, 30. 9. 1944; Alth, Burgtheater, s. Reg.bd.; Czeike (m. B.); Eisenberg 1; Eisenberg, Bühne; Jb. der Wr. Ges.; Kosch, Theaterlex. (m. L.); S. Loewy, Aus Wiens großer Theaterzeit, 1921, S. 56ff.; A. Kahane, Die T.s, 1930 (m. B.); B. Niederle, Verklungene Namen, 1947, s. Reg.; O. M. Fontana, Wr. Schauspieler …, 1948, s. Reg.; F. Hadamowsky, H. T. erzählt …, 1962 (m. B.); H. T. Ein Leben in Dokumenten, ed. G. Doublier – F. Fuhrich, 1972 (m. B.); E. Fuhrich-Leisler – G. Prossnitz, Die T.s. Ihr Leben für das Theater, Salzburg 1977 (Kat., m. B.).
Autor: (E. Großegger)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 65, 2014), S. 298f.

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