Tangl, Michael

Tangl Michael (Anton), Historiker. Geb. Wolfsberg (Ktn.), 26. 5. 1861; gest. Klagenfurt (Ktn.), 7. 9. 1921; röm.-kath.

Sohn des Bäckermeisters Michael Ludwig T. (1832–1900), Vater von Georgine T. (1893–1972), Mitarb. der Monumenta Germaniae Historica (MGH), und Eberhard T. (1897–1979), 1953–67 ao. Prof. für slaw. Sprachwiss. an der Univ. Hamburg, Großneffe von →Karlmann T.; ab 1892 verheiratet mit Georgine T., geb. Nüchtern. – T. besuchte das Stiftsgymn. St. Paul im Lavanttal, danach das Gymn. in Marburg (Maribor) und maturierte 1880 am Schottengymn. in Wien. 1880–85 stud. er zunächst Rechtswiss., dann Geschichte an der Univ. Wien, 1885–87 absolv. er den Kurs am Inst. für österr. Geschichtsforschung. Nach Stud.aufenthalten am Österr. Hist. Inst. in Rom 1888–89 wurde T. 1889 mit einer Diss. über „Das Taxwesen der päpstlichen Kanzlei vom 13. bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts“, die 1892 im 13. Bd. der „MIÖG“ veröff. wurde, zum Dr. phil. prom. Spätmittelalterl. päpstl. Diplomatik, Kanzlei- und Verwaltungsgeschichte waren von da an die Schwerpunkte seiner wiss. Arbeit. 1889 trat T. in den österr. Archivdienst ein. Nach seiner Habil. für Hist. Hilfswiss. und mittelalterl. Geschichte 1892 fungierte er als Priv.Doz. an der Univ. Wien; 1895–97 ao. Prof. für Geschichte und Hist. Hilfswiss. an der Univ. Marburg, ab 1897 ao., ab 1900 o. Prof. für Hist. Hilfswiss. an der Univ. Berlin. Mit der Lehrtätigkeit in Berlin war ab 1903 auch die Archivarsausbildung für den preuß. Archivdienst verbunden. Parallel zu seiner Professur übernahm T. zahlreiche Aufgaben für die MGH, die ihn 1902 als Mitgl. ihrer Zentraldion. kooptierten. Bereits ab 1888 war er wiss. Mitarb. der MGH für die Ed. der Ottonen-Urkunden, ab 1892 Mitarb. an der Ed. der Karolinger-Urkunden, ab 1898 Bearb. der älteren fränk. und italien. Gerichtsurkunden (Placita). Nach dem Tod →Engelbert Mühlbachers 1903 fungierte T. als Leiter für die Ed. der Karolinger-Urkunden, deren 1. Bd. 1906 erschien. 1908 übernahm er die Abt. Epistolae der MGH, die er bereits ab 1902 prov. geführt hatte. Damit setzte eine verstärkte Hinwendung T.s zu Briefen als hist. Quellen ein, aus der zahlreiche Aufsätze, Übers. und 1916 die Ed. „Die Briefe des Heiligen Bonifatius und Lullus“ hervorgingen. Ab 1911 war T. auch Hrsg. der mit der MGH eng verbundenen Reihe „Die Geschichtsschreiber der deutschen Vorzeit“. 1914–19 übernahm er als stellv. Vors. die prov. Leitung der MGH. 1908 war T. Mitbegründer und Mithrsg. des „Archivs für Urkundenforschung“, in dem er sich programmat. für eine Erweiterung der rein formalen Diplomatik unter Einbeziehung weiterer Quellengattungen und der Behördenorganisation, des Register- und Kanzleiwesens einsetzte. Geprägt durch die Schulen →Theodor v. Sickels und →Julius v. Fickers, verband T. in seiner Methodik beide Grundrichtungen innerhalb der österr. Hist. Hilfswiss.: die mehr formale Sickels mit der rechtshist. Fickers. T. war ein hochspezialisierter Quellenforscher, der auf die Nutzbarmachung der Quellenkritik für die Rechts- und Kirchengeschichte zielte. In Berlin begründete er eine eigene hilfswiss. Schule mit kirchengeschichtl. Schwerpunkt. Bei einem Ferienaufenthalt in seiner Heimat 1921 infizierte sich T. mit der Ruhr und starb wenige Tage später in einem Krankenhaus in Klagenfurt. T. war ab 1909 k. M. der Kgl. Böhm. Ges. der Wiss., ab 1913 der kgl. bayer. Akad. der Wiss. und ab 1918 o. Mitgl. der Preuß. Akad. der Wiss.


Werke: Weitere W.: s. NDB; Schaller, 2002.
Literatur: Bautz; NDB (m. W. u. L.); H. Sproemberg, in: M. T., Das Mittelalter in Quellenkde. und Diplomatik …, ed. ders. u. a., 1, 1966, S. 7f.; A. Schaller, M. T. (1861–1921) und seine Schule …, 2002 (m. B., W. u. L.); dies., in: Herold-Stud. 6, 2003, S. 101ff.; A. Rzihacek – Ch. Egger, in: Österr. Historiker 2, ed. K. Hruza, 2012, S. 23ff.; Inst. für Österr. Geschichtsforschung, UA, beide Wien; Archiv der Monumenta Germaniae Historica, München, UA, Humboldt-Univ., Berlin, beide D.
Autor: (A. Schaller)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 64, 2013), S. 197f.

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