Tauschinski, Hippolyt

Tauschinski (Tauschinsky) Hippolyt, Journalist, Politiker und Historiker. Geb. Wien, 9. 9. 1839; gest. ebd., 28. 2. 1905; röm.-kath.

Unehel. Sohn des Militärverpflegungsbeamten Karl T. und von Aloisia Großer; ab 1864 verehel. mit Theresia T., geb. Zehetmeyer. – Nach Absolv. des Akadem. Gymn. (1856) begann T. 1857 sein Stud. an der phil. Fak. der Univ. Wien, 1859–61 absolv. er den Kurs am Inst. für österr. Geschichtsforschung; 1865 Dr. phil. 1863 Prof. an einer privaten Oberrealschule in Wien, ab 1864 Bibl.ass., 1865–68 Doz. für Allg. Geschichte und Kulturgeschichte an der ABK; 1866 Habil. an der Univ. Graz. Daneben beschäftigte er sich mit der Grundlegung seiner freireligiösen Anschauung, die er „Die Botschaft der Wahrheit, der Freiheit und der Liebe“ nannte. 1868 schloss sich T. der sozialdemokrat. Arbeiterbewegung an und wurde Obmann der Unterrichtssektion des Arbeiterbildungsver. in Wien, wo er durch zahlreiche Vorträge einen wesentl. Beitr. zum Aufschwung der Bewegung leistete. Ende 1868 wandte er sich dem Journalismus zu und wurde Mitarb. liberaler Bll., wie der „Neuen Freien Presse“, des „Neuen Wiener Tagblatts“ und des „Neuen Fremden-Blatts“. Daneben gab er 1869 die Z. „Der Bote der Wahrheit, der Freiheit und der Liebe“ heraus, die er auch red.; die von ihm geplante Errichtung einer phil. Akad. in Wien wurde allerdings behördl. untersagt. Ende 1869 übersiedelte er nach Graz, wo er 1870–74 als Doz. für Literatur- und Kunstgeschichte an der TH sowie als Red. der Grazer „Tagespost“ wirkte. Auch hier trachtete er, seine Ansichten durch Gründung einer freireligiös-phil. Vereinigung, durch Vorträge und die Hrsg. der Z. „Volksbote“, die aber nach einem Jahr wieder eingestellt wurde, zu popularisieren. All dies führte dazu, dass er mehrfach wegen Verstoßes gegen das Presse- und Ver.gesetz verurteilt wurde. Im Frühjahr 1873 versuchte er, die einander heftig befehdenden Fraktionen der Arbeiterbewegung zu einen, und trug maßgebl. zur Vorbereitung des 1. Parteitags der österr. Sozialdemokraten bei, der im April 1874 unter seinem Vorsitz in Neudörfl stattfand. Dabei wurde T. in das Zentralkomitee der Partei gewählt. Als Folge des entschiedenen Vorgehens der Behörde gegen die wachsende sozialdemokrat. Agitation in Wien, Graz und anderen Städten der Monarchie wurde das Neudörfler Programm im Mai 1874 für staatsgefährdend erklärt und T. im Juli verhaftet. Im August wurde er wegen Religionsstörung, Verstoß gegen das Pressegesetz etc. angeklagt und verurteilt (damit verbunden war der Entzug des akadem. Titels 1875, den er erst ab 1879 wieder führen durfte). Da er aus der Haft heraus weiter eine intensive organisator. Tätigkeit und die Vorbereitung des 2. Parteitags der Arbeiterpartei betrieb, wurde er im Dezember 1875 neuerl. angeklagt und verurteilt. Im Februar 1876 verzichtete er, mit Rücksicht auf seine familiäre und finanzielle Notsituation, auf jegl. weiteren polit. Aktivitäten im Rahmen der Arbeiterbewegung. Aus Graz ausgewiesen, nahm T. in Wien seine journalist. Tätigkeit wieder auf und war im Oktober vorübergehend Berichterstatter der staatl. Nachrichtenagentur Telegraphen-Korrespondenz-Büro (TKB). Von Anfang Dezember 1879 bis Juni 1882 fungierte er als verantwortl. Red. bzw. Chefred. des „Prager Tagblatts“. 1884–85 arbeitete er in Böhm. Leipa (Ceská Lípa) bei der „Leipaer Zeitung“, anschließend in Wien wieder als parlamentar. Berichterstatter für das TKB, ab 1890 ebd. als beamteter Hilfsred.; 1900 i. R. T. war 1864–65 Sekr. des Ver. für Landeskde. von NÖ, ab 1883 Mitgl. der Loge Eintracht, ab 1895 des Journalisten- und Schriftstellerver. „Concordia“, 1899 k. Rat.


Literatur: NFP, Prager Tagbl., 28. 2. 1905 (beide A.); Czeike; Lhotsky, Inst., s. Reg.; MIÖG 27, 1906, S. 206; Stern–Ehrlich, S. 182, 254; Wurzbach; A. Pittner, H. T. (1839–1905) …, phil. Diss. Graz, 1954 (m. B.); W. Wagner, Die Geschichte der ABK in Wien, 1967, s. Reg.; H. Konrad, in: Sozialistenprozesse, ed. K. R. Stadler, 1986, S. 53ff. (m. B.); H. Mang, Stmk. Sozialdemokraten im Sturm der Zeit, 1989, S. 303ff.; K. Miersch, E. Kaler-Reinthal, 1992, s. Reg.; F. Fellner – D. A. Corradini, Österr. Geschichtswiss. im 20. Jh., 2006; G. K. Kodek, Unsere Bausteine sind die Menschen …, 2009; AVA, HHStA, Pfarre Rossau, UA, Wienbibl. im Rathaus, alle Wien; Mitt. Barbara Köpplová, Praha, CZ.
Autor: (Th. Venus)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 64, 2013), S. 216
geboren in Wien
gestorben in Wien
publizierte in Wien
publizierte in Graz
publizierte in Prag
publizierte in Česká Lípa
war Lehrer in Wien 1863-1864
wirkte in Graz 1869-1876
wurde ausgewiesen aus Graz 1876
war Schüler Kaiserlich-Königliches Akademisches Staatsgymnasium (Wien) -1856
war Student Universität Wien 1857-1859
war Student Universität Wien. Institut für Österreichische Geschichtsforschung 1859-1861
promovierte Universität Wien 1865-1865
war Bibliothekar/Archivar Akademie der bildenden Künste Wien 1864-1865
war Dozent Akademie der bildenden Künste Wien 1865-1868
habilitierte sich Karl-Franzens-Universität Graz 1866-1875
war Obmann Unterrichtssektion des Ersten Allgemeinen Arbeiter-Bildungsvereins (Wien) 1868
war Journalist Neue Freie Presse 1868
war Journalist Neues Wiener Tagblatt 1868
war Journalist Neues Fremden-Blatt 1868
war Herausgeber und Redakteur von Der Bote der Wahrheit, der Freiheit und der Liebe 1869-1869
war Dozent Technische Hochschule Graz 1870-1874
war Redakteur Tagespost (Graz)
war Herausgeber Volksbote (Graz)
war Vorsitzender Neudörfler Parteitag (1874) 1874-1874
war Mitglied Sozialdemokratische Arbeiterpartei (Neudörfl, 1874) 1874
war Mitglied Zentralkomitee der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (Neudörfl, 1874) 1874
habilitierte sich Karl-Franzens-Universität Graz 1879
war Mitarbeiter von k. k. Telegraphen-Korrespondenz-Bureau 1876-1879
war Chefredakteur Prager Tagblatt 1879-1882
war Journalist Leipaer Zeitung 1884-1885
war Mitarbeiter von k. k. Telegraphen-Korrespondenz-Bureau 1885-1900
war Sekretär Verein für Landeskunde von Niederösterreich 1864-1865
war Mitglied Eintracht (Freimaurerloge) 1883
war Mitglied Wiener Journalisten- und Schriftstellervereinigung „Concordia“ 1895

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