Tegetthoff, Wilhelm von

Tegetthoff Wilhelm von, Admiral. Geb. Marburg, Stmk. (Maribor, SLO), 23. 12. 1827; gest. Wien, 7. 4. 1871 (begraben: Graz, Stmk.); röm.-kath.

Bruder von →Karl v. T. (weitere Verwandtschaftsangaben s. unter Karl v. T.). – Nach Besuch des Gymn. trat T. 1840 in das Marinekollegium in Venedig ein und wurde 1845 als Marinekadett ausgemustert. 1848 zum Fregatten-, dann zum Linienschiffsfähnrich befördert, nahm er an der Blockade von Venedig teil und fungierte zwischenzeitl. als Adj. des Marinekmdt. Anton Stephan Ritter v. Martini. Seine Tüchtigkeit und das Ausscheiden von Off. italien. Nationalität aus der Marine verhalfen ihm zu einer raschen Karriere (1857 Korvetten-, 1860 Fregatten-, 1861 Linienschiffskapitän). 1851–54 war er in Konstantinopel (Istanbul) stationiert, danach in Griechenland, und befehligte 1856–57 in Folge des Krimkriegs das Stationsschiff „Taurus“ in der Donaumündung, wo er die Interessen der Monarchie mit Nachdruck vertrat. 1857–58 bereiste er mit dem Afrikaforscher Theodor v. Heuglin Ägypten nilaufwärts, dann das Rote Meer von Suakin bis Aden, um im Hinblick auf den geplanten Suezkanal einen Marinestützpunkt für Österr. ausfindig zu machen; er schlug die Insel Sokotra vor, doch das Projekt wurde nicht realisiert. 1859–60 begleitete er Erzhg. →Ferdinand Maximilian, den späteren K. Maximilian v. Mexiko, nach Brasilien. Es folgten Verwendungen als Schiffskmdt. und beim Marinekmdo. in Triest, bis er Ende 1862 das Kmdo. der Flottenabt. in Piräus über zwei Fregatten und zwei Kanonenboote erhielt. Bei Ausbruch des Kriegs mit Dänemark 1864 führte T. seine Eskader von Piräus in die Nordsee, wo er im Mai bei Helgoland ein Seegefecht gegen ein dän. Geschwader bestritt; das Gefecht endete takt. unentschieden, führte aber zur Aufhebung der Blockade der Nordseeküste durch die Dänen und wurde daher als Erfolg gewertet. T. war nun im In- und Ausland hoch angesehen, wurde Konteradmiral und Anfang 1865 Eskader-Kmdt. in der Adria. Er vertrat den Gedanken der Seeherrschaft durch moderne gepanzerte Großkampfschiffe im Gegensatz zu den Anhängern einer defensiven Küstenverteidigung durch Forts und Kleinkampfverbände. Im Krieg gegen Italien 1866 machte er die Flotte binnen weniger Wochen kriegstaugl. und siegte am 20. Juli bei der Insel Lissa (Vis), indem er seine artillerist. Unterlegenheit durch eine Rammstoßtaktik ausglich; durch diesen Sieg gewann Österr. die im Hinblick auf die dalmatin. Küste wichtige Seeherrschaft in der Adria. T. wurde zum Vizeadmiral befördert, blieb aber zunächst ohne konkrete Verwendung. Er unternahm eine Stud.reise nach England, Frankreich sowie in die USA und wurde im Juli 1867 mit der diplomat. heiklen Mission betraut, den Leichnam K. Maximilians v. Mexiko heimzuholen. Im März 1868 wurde T. zum Kmdt. der Kriegsmarine und Chef der Marinesektion im Reichskriegsmin. ernannt, in welcher Eigenschaft er 1869 K. →Franz Joseph I. zur Eröffnung des Suezkanals begleitete. Seine Reformen sowie sein zeitgemäß modernes Flottenprogramm wiesen weit in die Zukunft, und die von ihm geschaffene Organisationsstruktur der obersten Marinebehörden hatte bis zum Ende der Monarchie Bestand. T., Österr. bedeutendster Admiral, erhielt u. a. 1864 den Ritterorden der Eisernen Krone II. Kl., 1866 das Kommandeurkreuz des MMTO und 1868 das Großkreuz des Leopold-Ordens sowie türk., preuß. und mexikan. Verdienstorden. 1867 wurde er zum lebenslängl. Mitgl. des HH ernannt, 1869 Geh. Rat.


Literatur: NFP, 9. 4. 1871; ADB; Lukeš (m. B.); NÖB 10, S. 61ff. (m. B.); SBL; Wurzbach; W. v. T., Aus seinem Nachlass, ed. A. Beer, 1882; T.s Briefe an seine Freundin, ed. H. Steinrück, 1926 (m. B.); P. Handel-Mazzetti – H. H. Sokol, W. v. T. …, 1952 (m. B.); U. Schöndorfer, W. v. T., 1958 (m. B.); F. Wallisch, W. v. T., 1964 (m. B.); A. Schmidt-Brentano, Die österr. Admirale 1, 1997, S. 176ff. (m. B. u. L.); KA, Wien.
Autor: (A. Schmidt-Brentano)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 64, 2013), S. 228

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  • geboren in > Marburg an der Drau
  • gestorben in > Wien