Teimer von Wildau, Martin Rochus Frh.

Teimer von Wildau Martin Rochus Frh., Landesverteidiger. Geb. Schlanders, Tirol (Silandro/Schlanders, I), 14. 8. 1778; gest. Herbersdorf (Stmk.), 27. 9. 1838; röm.-kath.

Sohn des Taglöhners Martin T. (gest. 1811) und von Anna T., geb. Stainer (gest. 1781); ab 1800 mit der aus einfachen Verhältnissen stammenden Innsbruckerin Maria Veronika Mayr (gest. 1826), ab 1827 mit Maria Kraxner (gest. 1829), ab 1834 mit Rosa v. Pichler verheiratet. – T. konnte durch Unterstützung kirchl. Stellen das Benediktinergymn. in Meran besuchen. 1796 begann er ein Jusstud. in Innsbruck, das er jedoch bald unterbrach, um sich als Fähnrich der Maiser Schützen in den Kämpfen 1797 im Gebiet des Nonsbergs zu bewähren. Danach setzte er sein Stud. fort. 1799 zum Hptm. einer Bozener Komp. im Feld ernannt, wurde er für seine Tapferkeit bei den Kämpfen an der Grenze zum Unterengadin ausgez. Ein Stipendium ermöglichte T. die Fortsetzung seiner Stud., ehe er 1802 eine Stelle als Hptm. der neu organisierten Tiroler Landmiliz (Komp. Schlanders) annahm und dafür wieder in den Vinschgau übersiedelte. Nach der Herrschaftsübernahme durch Bayern zog er 1806 nach Ktn., wo er in Klagenfurt zunächst eine leitende Stellung bei der Tabakregie erhielt sowie 1807–09 eine Tabakhandlung führte, die ihm als Belohnung für seine bisherigen Dienste überlassen worden war. Zu dieser Zeit gehörte er zu den engen Vertrauten Erzhg. →Johanns und besuchte in dessen Auftrag mehrfach Tirol, um die geplante Erhebung gegen die bayer. Herrschaft vorzubereiten. Im Gegensatz zu Andreas Hofer war es T. mögl., auch bürgerl. und städt. Kreise für dieses Anliegen zu gewinnen. In der Frühphase des Aufstands von 1809 zählte er zusammen mit Hofer und →Josef Speckbacher zu den zentralen Figuren der Bewegung. Er überbrachte Hofer im April 1809 – aus Österr. kommend – den Befehl zum Angriff und organisierte das Landsturmaufgebot im Oberinntal. Bei der Eroberung von Innsbruck zeichnete sich T. nicht nur militär. aus, sondern konnte, indem er als Abgesandter Erzhg. Johanns auftrat und sich als österr. Mjr. (die tatsächl. Ernennung erfolgte Mitte Mai) ausgab, die Kapitulation der feindl. Truppen erwirken. Auch in der zweiten Bergiselschlacht führte T. die Oberinntaler Kontingente. Als Kmdt. im nördl. Tirol (Hofer übte diese Funktion für den südl. Landestl. aus) unternahm er i. d. F. Beutezüge in das benachbarte Bayern, um die Nachschubversorgung zu sichern, was ihn in Gegensatz zu Hofer brachte und zur Entfremdung der beiden beitrug. Diese persönl. Enttäuschung, v. a. aber die realist. Einschätzung der polit. und militär. Lage, dürfte der Grund gewesen sein, dass T. Ende Juli mit den k. Truppen das Land verließ und an keiner Kampfhandlung mehr teilnahm. 1812 erwarb er, ermöglicht durch eine großzügige finanzielle Zuwendung des K., das Gut Herbersdorf bei Wildon in der Stmk., wo er sich fortan der Landwirtschaft widmete. 1834–36 fungierte er als militär. Berater Erzhg. Johanns und entwarf umfangreiche Vorschläge zur Reform der Tiroler Landesverteidigung. 1809 wurde ihm das Ritterkreuz des MMTO verliehen, 1812 erfolgte die Erhebung in den Frh.stand. Als Zeichen bes. Gunst verlieh ihm der K. 1834 die Burg Hocheppan als Lehen.


Werke: Beschreibung der wichtigen Kriegsvorfallenheiten in Tyrol im Monat April 1809, 1809; Vorschlag zu einem den Zeitverhältnissen angepassten Defensionssystem in Tirol, 1834 (Ms., Tiroler Landesmus. Ferdinandeum, Innsbruck).
Literatur: ADB; Wurzbach; P. Gamper, R. M. T., Frh. v. Wiltau, 1909; ders., R. M. T., 1910; H. Hochenegg, in: Tiroler Heimatbll. 6, 1928, S. 52ff.; K. Neyer, R. M. T., Hausarbeit Univ. Innsbruck, 1979; G. Pfaundler-Spat, Tirol-Lex., neubearb. Aufl. 2005; M. Pizzinini, A. Hofer, 2008, s. Reg.; M. P. Schennach, Revolte in der Region …, 2009, s. Reg.; A. Oberhofer, Der Andere Hofer, 2009, s. Reg.; Das Schwarzbuch der bayer. Polizei Innsbruck 1809, ed. Th. Albrich – R. Sila, 2010, s. Reg.
Autor: (Ch. Haidacher)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 64, 2013), S. 230

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  • geboren in > Schlanders
  • gestorben in > Rassach