Terpinc, Fidelis

Terpinc (Terpinz) Fidelis, Industrieller und Politiker. Geb. Krainburg, Krain (Kranj, SLO), 24. 4. 1799; gest. Laibach, Krain (Ljubljana, SLO), 15. 2. 1875; röm.-kath.

Aus einer kinderreichen Familie stammend. Enkel des in Veldes (Bled) tätigen Kleinkaufmanns Marko (Markus) T., Sohn des wohlhabenden Kaufmanns Blaž (Blasius) T. und dessen Frau Elisabeth T., geb. Grilc, einer Tochter des Krainburger Kaufmanns Matija (Matthias) Grilc; 1825 Heirat mit Josipina (Josephine) Ceškova (geb. 5. 3. 1805), der Tochter des Laibacher Bürgers und Glasmachers Franc Ceško (Czeshko). – Nach Abschluss des Laibacher Gymn. trat T. als 16-Jähriger in das väterl. Handelsgeschäft in Krainburg ein. Um 1820 errichtete er dort gem. mit seinem Vater ein Lederwalzwerk, das bis etwa 1850 in seinem Besitz blieb, und begründete das Strohhutmacher-Handwerk in Jauchen (Ihan), Domschale (Domžale), Mannsburg (Mengeš), Commenda (Komenda), Woditz (Vodice) und Laibach, das sich i. d. F. zu einer Ind. entwickelte. 1825 erwarb er die Herrschaft Kaltenbrunn (Fužine) bei Laibach, wo er an der Ljubljanica mehrere große Mühlen errichtete, die einen Großteil von Krain und Triest mit Mehl versorgten. 1826 gründete T. in Laibach einen Landesproduktenhandel (T. & Fabriotti), der bis 1836 unter seiner Leitung stand. Nach seiner Heirat bereiste er mit seiner Frau weite Tle. Europas und besuchte internationale Ausst., auf denen er sich mit den neuesten Errungenschaften in Ind. und Landwirtschaft vertraut machte. Aufgrund seiner Verdienste um die Förderung von Landwirtschaft und Viehzucht wurde T. 1849 zum Vors. des Landwirtschaftl. Ver. für Krain gewählt. Seine erste große Leistung in dieser Funktion, die er bis 1868 innehatte, war die Gründung der ersten Hufschmied- und Veterinärschule im heutigen Slowenien. T.’ Tätigkeit fand Anerkennung auf Landwirtschafts- und Handwerksausst. in Wien, Berlin, Paris und London; die Pariser Acad. nationale agricole, manufacturière et commerciale ernannte ihn zum Mitgl. und stellv. Ehrenvors. für Österr. Nach 1836 verlagerte T. seine Aktivitäten zunehmend von der Landwirtschaft auf die Ind. Zwei der Mühlen auf dem rechten Ufer der Ljubljanica baute er in ein Sägewerk und eine Ölmühle um. 1840 errichtete er eine Farb- und Gerbstoff-Fabrik in Kaltenbrunn, 1842 gründete er gem. mit Franc Gale, Valentin Zeschko und Jožef (Joseph) Bischof eine Ges., die 1850 die erste mechan. Papierfabrik Sloweniens zu Josefstal in Velce (Ljubljana-Vevce) errichtete, der bald eine Ölmühle und eine Buntholzfabrik angegliedert wurden. Bis 1871 war T. führend an zahlreichen Unternehmen beteiligt. 1861 gründete er eine Fabrik für Holzwolle und eine Holzschleiferei in Zwischenwässern (Medvode) sowie eine Fabrik für Walkstoffe und Kotzen in Udmat (Ljubljana-Vodmat). 1868 folgte die Papierfabrik in Görtschach (Goricane), die 1872 erstmals Papier aus Holzstoff herstellte. 1870 wurden alle Papierfabriken an die Leykam-Josefsthal-AG verkauft. Auch polit. aktiv, war T. vor 1848 Oberrichter in Laibach, 1848 Kmdt. der 1. Komp. der Laibacher Nationalgarde und Vertreter des Großgrundbesitzes auf dem Krain. LT sowie Abg. zum RT in Wien und Kremsier (Kromeríž). 1866–68 bekleidete er, als erster Slowene, das Amt des Landeshptm.stellv. T. unterstützte aktiv die slowen. nationalkulturellen Bestrebungen, wie die Laibacher Leseges. und die Slovenska matica. Nach 1868 zog er sich aus dem öff. Leben zurück.


Literatur: Biograph. Lex. Südosteuropas; SBL; Wurzbach; R. Andrejka, in: Kronika slovenskih mest 1, 1934, S. 114ff. (m. B.); A. Struna – K. Kobe-Arzenšek, in: Naši znameniti tehniki, 1966, S. 202ff.; Arhiv Republike Slovenije, Ljubljana, SLO.
Autor: (G. Antolicic)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 65, 2014), S. 253f.

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  • geboren in > Kranj
  • gestorben in > Ljubljana