Sztavjanik, Gustav

Sztavjanik Gustav, Sportler, Weltreisender und Beamter. Geb. Wien, 6. 7. 1907; gest. 1944 (gefallen).

Aus einfachen Verhältnissen stammend, Bruder des Marinefliegers Eduard S. (geb. um 1890; gest. Wien, 23. 9. 1971), der im 1. Weltkrieg abgeschossen wurde, den Absturz jedoch überlebte, i. d. F. Tänzer wurde und mit seiner Frau eine „Girl-Truppe“ gründete, Onkel des Schauspielers Edd (Eduard) S(z)tavjanik (geb. Wien, 12. 10. 1927; gest. ebd., 28. 10. 2008), der am Wr. Volkstheater sowie am Burgtheater, aber auch in Film und Fernsehen (etwa in der ORF-Serie „Die liebe Familie“) reüssierte. – Nach Pflichtschule und Banklehre arbeitslos, lernte der radsportbegeisterte S. durch Zufall in Wien den ind. Radweltreisenden und Journalisten Fram Jamsetjie Davar kennen, mit dem er von November 1924 bis Oktober 1931 per Rad die Welt umrundete. Beginnend in Europa, wo sie bis ans Nordkap gelangten, bereisten S. und Davar in den folgenden Jahren Afrika – hier gelang ihnen die erste Nord-Süd-Durchquerung der Sahara per Fahrrad –, Südamerika (erste Andenüberquerung per Rad) und die USA, zuletzt Asien, v. a. China, Japan und Indien. Sie wurden in den verschiedenen Ländern von lokalen Rad- und Sportver. unterstützt, machten die Bekanntschaft zahlreicher prominenter Persönlichkeiten wie Jawaharlal Nehru, Sven Hedin oder Charles Lindbergh und wurden u. a. vom belg. Kg. Albert I. und dem früheren dt. K. Wilhelm II. empfangen. S. nahm unterwegs wiederholt an Radrennen teil, so stellte er beispielsweise gem. mit einem chilen. Rennpartner einen Südamerika-Rekord im 24-Stunden-Rennen auf. Insgesamt bereisten S. und Davar 47 Länder und legten 110.000 km zurück. Nach seiner Rückkehr nach Wien konnte der mittlerweile berühmt gewordene S. seine Reisen medial verwerten: Bis etwa 1937 publ. er Artikel in Z. und Ztg., hielt Diavorträge, gab Rundfunkinterviews etc. Er begeisterte sich nun zunehmend für den Motorradsport und stellte auch hier Rekorde auf, etwa 1935, als er die Strecke Wien–Rom–Wien in 37 Stunden zurücklegte. Berufl. war S. Justizwachebeamter in Wien, ehe er im 2. Weltkrieg eingezogen und als Meldefahrer vorwiegend an der Ostfront eingesetzt wurde, wo er ums Leben kam.


Werke: Nachlass: Hermann Härtel, Wr. Neustadt, NÖ.
Literatur: Die Presse, 11. 2. 2000 (m. B.); H. Härtel – M. Rennhofer, Mit dem Zweirad um die Welt. Die sensationelle Reise des G. S. 1924–31, 2000 (m. B. u. Texten von S.); morgen. Kulturz. aus NÖ, März 2000, S. 26f. (m. B.).
Autor: (E. Lebensaft)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 64, 2013), S. 173f.

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