Szalay, Péter von

Szalay Péter von, Fernmeldetechniker, Postfachmann und Beamter. Geb. Ofen (Budapest, H), 6. 10. 1846; gest. Budapest (H), 9. 11. 1908.

Sohn des Beamten Stefan v. S. – S. stud. an der Univ. Pest, wo er 1867 das Rechtsanwaltsdiplom erwarb, beschäftigte sich aber i. d. F. mit der Entwicklung des Telegraphen- und Telefonwesens in Ungarn. 1867–95 arbeitete er in der Postabt. des ung. Handelsmin. (1882 Sektionsrat), 1896 wurde er Präs. und Dir. der Post- und Telegraphen-Gen.dion., in der er bis 1908 tätig war. Seine Amtszeit fiel in die Periode der raschen techn. Entwicklung der Telekommunikation. S. ließ ein Landestelefonnetz für Ungarn errichten und an das österr. Netz anschließen. 1897 eröffnete er eine 1.000 km lange direkte Telefonlinie zwischen Budapest und Berlin. Weitere Fernlinien führten nach Bukarest, Agram (Zagreb), Fiume (Rijeka) etc. Mit den direkten Telegraphenverbindungen Budapest–London und Budapest–Konstantinopel machte S. Ungarn zum Vermittler zwischen West- und Osteuropa. Er nahm als Repräsentant Ungarns an Internationalen Post- und Telegraphenkonferenzen in Washington D.C., Rom, London und Lissabon teil und organisierte 1896 als Präs. der Veranstaltung in Budapest eine erfolgreiche Postkonferenz. S. interessierte sich auch für die damals neue drahtlose Telegraphie und nahm am Radiokongress in Berlin teil. Er leitete die Verstaatlichung und danach die Modernisierung des Telefondienstes in Budapest. Das veraltete Telefonnetz mit Einzeldrähten und Erdrückleitung musste infolge der durch den wachsenden Straßenbahnverkehr verursachten massiven elektr. Störungen zu einem Doppelleitersystem umgebaut werden. Die Freileitungen wurden durch ein Kabelnetz ersetzt. 1904 wurde eine moderne Fernsprechzentrale für 20.000 Teilnehmer in Betrieb genommen. Nach der Verstaatlichung konnte S. gegen den Protest der Abonnenten durchsetzen, dass die Telefonistinnen die Verbindungen nicht mehr nach Namen, sondern nach Rufnummern herstellten. S. genoss sowohl unter Fachleuten als auch seitens der Regierung und des Monarchen große Wertschätzung. Er erhielt u. a. 1896 das Komturkreuz des Franz Joseph-Ordens, 1906 den Orden der Eisernen Krone II. Kl. und 1905 den Titel und Charakter eines Staatssekr.


Literatur: Pester Lloyd, 10. 11. 1908; Szinnyei; Vasárnapi Ujság 44, 1897, S. 593, 55, 1908, S. 936; Elektrotechnik und Maschinenbau 26, 1908, S. 1035.
Autor: (S. Jeszenszky)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 63, 2012), S. 110

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