Štyrský, Jindřich

Štyrský Jindrich, Maler, Photograph, Illustrator und Schriftsteller. Geb. Böhm. Rothwasser, Böhmen (Cermná, CZ), 11. 8. 1899; gest. Prag, Protektorat Böhmen und Mähren (Praha, CZ), 21. 3. 1942; bis 1921 röm.-kath.

Sohn des Lehrers Jindrich Š. (geb. Böhm. Trübau, Böhmen / Ceská Trebová, CZ, 21. 5. 1860; gest. Cermná, CSR/ CZ, 10. 3. 1924) und von Marie Štyrská (geb. Böhm. Rothwasser, 24. 5. 1858; gest. Petrovice, CSR/CZ, 1. 1. 1920). – Š. absolv. 1914–17 seine Ausbildung an der Lehrerbildungsanstalt in Königgrätz (Hradec Králové), unterrichtete 1918–20 in Cermná und stud. 1920–24 an der Akad. výtvarných umení in Prag. Bereits 1922 freundete er sich mit der Malerin Marie Cermínová an, die ab 1923 den Künstlernamen Toyen benutzte, und arbeitete mit ihr bis zu seinem Lebensende eng zusammen. 1923 wurde Š. Mitgl. der Künstlergruppe U. S. Devetsil, in der sich die tschech. Avantgarde der 1920er-Jahre zusammenfand, und zeigte auf deren Ausst. Bazar moderního umení (1923) neben Bildern auch Bildged. 1925–28 lebte er in Paris, wo er gem. mit Toyen die künstler. Richtung des Artifizialismus, mit dem sie sich gegenüber dem Surrealismus und der Abstraktion abgrenzten, entwickelte und diesbezügl. Ausst. in Paris (1926, 1927) und Prag (1928, 1930) veranstaltete. Zurück in Prag, arbeitete Š. in der Saison 1928–29 als Bühnenbildner am Theater Osvobozené divadlo. Ab Ende der 1920er-Jahre flossen surrealist. Elemente in sein Werk ein, z. B. in den Illustrationen zu Lautréamonts „Les chants de Maldoror“ (tschech. Ausg. 1929) oder in den zehn auf Photomontagen beruhenden Umschlägen der tschech. Ausg. des „Fantômas“ (1929–30). 1929–31 arbeitete Š. als Red. bei der Z. „Literární kurýr Odeon“, in der er eine Polemik über die Beziehung zwischen Avantgarde und Kitsch initiierte, die zur Auflösung der Gruppe Devetsil mit beitrug. Anfang der 1930er-Jahre beschäftigte er sich mit der Beziehung von bildender Kunst und Literatur zur Erotik und gab die Z. „Erotická revue“, 1930–33, und die Buched. „Edice 69“, 1931–33, heraus. 1934 gründete er gem. mit Vítezslav Nezval, Toyen und weiteren Autoren die Gruppe der Surrealisten in der Tschechoslowakei (Skupina surrealistu v CSR), auf deren erster Ausst. er 1935 neben Bildern auch photograph. Zyklen und Collagen präsentierte. Während eines neuerl. Aufenthalts in Paris 1935 erkrankte er schwer, stellte das Malen vorübergehend ein und schuf erst 1936 das großformatige Bild „Geburtstrauma“. Vor seinem frühzeitigen Tod arbeitete Š. am Ms. des Buches „Sny“ (erschienen 1970), in dem er die komplizierte Beziehung seines Werks zu den Träumen aufdeckte, die er seit 1925 zunächst schriftl., dann auch graph. festgehalten hatte. Als Photograph begann er in den 1920er-Jahren als Amateur, verwendete in den 1930er-Jahren gelegentl. Reproduktionen von Anzeigen oder erot. Veröff. sowie eigene Aufnahmen als Material für Montagen und Collagen. Ab Mitte der 1930er-Jahre entstanden mehrere Zyklen mit surrealist. Photographien, in denen mittels Fragmentierung alltägl. Motive eine Poetik des Absurden inszeniert wurde. Š. gehört international zu den bedeutendsten surrealist. Photographen; zu seinen Hauptthemen zählen Tod und Verderbnis, Erotik und Sexualität. Š., der seine Arbeiten u. a. auf der internationalen Ausst. Poesie (1932) in Prag zeigte, war 1932–42 Mitgl. des Künstlerver. Mánes. Seine Arbeiten befinden sich in der Národní galerie in Prag, im Musée national d’art moderne in Paris und in vielen weiteren tschech. und internationalen Smlgg.


Werke: Weitere W.: Život J. A. Rimbauda. Dopisy a dokumenty, 1930; Emilie prichází ke mne ve snu, 1933; Poesie, 1946, 2. Aufl. 2003; Texty, ed. L. Bydžovská – K. Srp, 2007.
Literatur: Thieme–Becker; Vollmer; V. Nezval – K. Teige, Š. a Toyen, 1938; F. Šmejkal, Š. a Toyen, 1966; A. Moussu, J. Š. Fotografické dílo, 1982; The Dictionary of Art 29, 1996; J. Š., Každý z nás stopuje svoji ropuchu, ed. K. Srp, 1996; V. Birgus u. a., Tschech. Avantgarde-Fotografie, München 1999, s. Reg. (Kat.); L. Bydžovská, in: Revue des études slaves 74, 2002–03, S. 143ff.; dies. – K. Srp, J. Š., 2007 (m. L.); H. Greenberg u. a., Czech Vision. Avant-Garde Photography in Czechoslovakia, Berlin – New York 2007, S. 225 (Kat.).
Autor: (L. Bydžovská – T. Starl)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 63, 2012), S. 20f.

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