Stritar, Josip

Stritar Josip (Josef), Ps. Boris Miran, Peter Samotar, Schriftsteller und Lehrer. Geb. Podsmreka, Krain (Podsmreka pri Velikih Lašcah, Slowenien), 6. 3. 1836; gest. Rogaška Slatina, Kg.reich der Serben, Kroaten und Slowenen (Slowenien), 25. 11. 1923; röm.-kath.

Bauernsohn. – Nach Absolv. des Gymn. in Laibach, wo er Levstik (s. d.) kennenlernte, stud. S. 1855–59 klass. Philol. an der Univ. Wien; erst 1874 Lehramtsprüfung. Bereits während des Stud. Hauslehrer, plante er die Gründung einer eigenen Erziehungsanstalt, bereiste dann aber 1861 Belgien, Frankreich und Dtld., 1871 die Schweiz und 1872–73 wieder Dtld. 1870–90 arbeitete S. mit Unterbrechungen als Übers. und Kontrollred. für die slowen. Ausg. des Reichsgesetzbl. in Wien. 1874 zunächst Supplent an einem Wr. Gymn. und ab 1875 Lehrer, unterrichtete er ab 1879 am Piaristengymn. in Wien klass. Sprachen, Dt., Französ. und Schönschrift; 1901 i. R. Ab 1913 lebte er in Aspang (Aspang Markt), woher seine Frau stammte. S. war die zentrale Persönlichkeit der jungslowen. Bewegung. Als Student begeisterte er sich für neue Ideen, bes. für Schopenhauers Pessimismus. Bereits 1853 veröff. er vier Sonette in „Zgodnja Danica“. Gem. mit Jurcic ed. er 1866 Ged. von Prešeren (beide s. d.) und verf. einen Einführungsessay, der große Bedeutung für die Geschichte der slowen. Literatur erlangte, da er durch die Anwendung moderner europ. literaturkrit. Methoden deutl. Prešerens poet. Talent hervorhob. 1868 veröff. er gem. mit Levstik eigene Texte im Sammelbd. „Mladika“, darunter einen Vorabdruck seines Briefromans „Zorin“. 1870 und neuerl. 1876 gründete S. in Wien die literar. Z. „Zvon“, die zum Organ des slowen. kulturellen Lebens wurde. Dort erschienen bis 1880 seine von Weltschmerz und der Vorstellung eines utop. Sozialismus geprägte Lyrik, Romane („Zorin“, 1870, „Rosana“, 1877, „Gospod Mirodolski“, 1876, „Sodnikovi“, 1878, „Pogovori“, 1879) und Essays. Seine ästhet. Gesetze für eine neue slowen. Literatur definierte er in „Kriticna pisma“ (erschienen 1867–68 in „Slovenski glasnik“) und „Literarni pogovori“ („Zvon“, 1870). 1872 publ. er den satir. Zyklus „Dunajski soneti“, in dem er, ein Opponent von Bleiweis (s. d.), die slowen. Volksführer kritisierte. Anfang der 1880er Jahre wurde S. Mitarb. der Z. „Ljubljanski zvon“ und „Ljubljanski list“. S., der klassizist. sowie idealist. ästhet. Ideen vertrat und den Naturalismus vehement ablehnte, setzte sich für die Unabhängigkeit der Kunst sowie für die Bedeutung der Kultur im gesellschaftl. Leben ein und bekämpfte konservative Ansichten in National- und Kulturfragen. Während des Aufstands in der Herzegowina (1875–78) solidarisierte er sich mit den slaw. Christen und kritisierte die Untätigkeit Europas. Sein Werk war von Philosophen und Schriftstellern wie Rousseau, Heine, Goethe oder Oliver Goldsmith beeinflußt. Zudem S. trat als Übers. hervor und übertrug u. a. einige Ged. von Prešeren und Levstik, aber auch eigene („Boris Miran’s Gedichte“, 1877; „Etwas von Peter Einsam“, 1894) ins Dt. In der Spätzeit seines literar. Schaffens schrieb er nur mehr Jugendbücher. 1901 Ritter des Franz Joseph-Ordens. 1919 Ehrenmitgl. der Jugoslavenska Akad. znanosti i umjetnosti, erhielt er 1923 für seine Verdienste um die slowen. Kultur den St. Sava-Orden III. Kl.


Werke: Weitere W. (auch s. u. SBL): Zbrano delo, ed. F. Koblar, 10 Bde., 1953–57; etc.
Literatur: RP, 29. 11. 1923; Enc. Jug. (m. B.); Otto; SBL (m. W. u. L.); Wurzbach; J. Tominšek, J. S., 1906; J. Šilc, J. S., phil. Diss. Wien, 1912; J. Pogacnik, Stritarjev literarni nazor, 1963; D. Rupel, Svobodne besede od Prešerna do Cankarja, 1976, S. 252ff.; H. Glušic, Sto slovenskih pripovednikov, 1996; Slovenska književnost, ed. J. Kos u. a., 1996; Enc. Slovenije 12, 1998 (m. B. u. L.); AVA, UA, WStLA, alle Wien.
Autor: (H. Gracanin)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 62, 2010), S. 406f.

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  • geboren in > Podsmreka pri Velikih Laščah
  • gestorben in > Rogaška Slatina