Stürmer, Bartholomäus Gf.

Stürmer Bartholomäus Gf., Diplomat. Geb. Konstantinopel, Osman. Reich (Istanbul, Türkei), 26. 12. 1787; gest. Venedig, Venetien (Venezia, Italien), 8. 7. 1863; röm.-kath.

Sohn von Ignaz (s. d.), Bruder von Karl Frh. v. S. (s. u. Ignaz Frh. v. S.) – Gleich seinem Vater absolv. S. seine Stud. an der Oriental. Akad. in Wien (1796–1807). Danach erhielt er aufgrund seiner Sprachkenntnisse wiederholt Aufträge im (kriegsbedingten) Außendienst, etwa zur Zeit der französ. Besetzung 1805/06 im Stab des Hofkoär. für NÖ Rudolf Gf. Wrbna, ab 1806 bei der Mission seines Vaters in Konstantinopel, 1811 bei der Legation in St. Petersburg und in den Feldzügen 1812–15 zeitweise als Sekr. des FM Fürst Schwarzenberg (s. Schwarzenberg Karl I. Philipp Fürst zu), für den er die diplomat. Korrespondenz führte. Nach einem kurzen Intermezzo als Legationssekr. in Florenz hielt er sich in Zusammenhang mit der Gefangenschaft Napoleons I. 1816–18 als österr. Koär. auf der Insel St. Helena auf. Dieser Aufgabe folgten 1818 die – von ihm nicht gewünschte – Versetzung als Gen.konsul nach Philadelphia (USA) und die gleichfalls kurzlebige Bekleidung des Gesandtenpostens (1820–21) am Hof von Kg. João VI. von Portugal-Brasilien. In den darauffolgenden Jahren übernahm S. wiederholt geheime Missionen im Ausland, teils in Paris, teils in London. Erst 1832 erlangte er wieder eine leitende Auslandsanstellung, zunächst als ao. Gesandter, ab 1834 als Internuntius in Konstantinopel, 1850 i. R. Die internationalen Krisen um den ehrgeizigen ägypt. Vizekg. Muhammed Ali und die osman. Reformbewegung (Tanzimat) prägten seine Zeit als Missionschef. S. machte sich insbes. um die Förderung der Dampfschiffahrt und um die Ausweitung des österr. Handelsverkehrs mit dem Nahen Osten verdient. 1838 Geh. Rat. 1841 wurde er mit dem Kommandeurkreuz des St. Stephan-Ordens ausgez., 1842 in den Gf.stand erhoben.


Literatur: WZ, 14., Die Presse, 16. 7. 1863; ADB; Czeike; Wurzbach; V. Weisz Edler v. Starkenfels, Die k.-k. oriental. Akad. zu Wien …, 1839, S. 68f.; H. Schlitter, Die Berr. des k. k. Commissärs B. Frh. v. S. aus St. Helena zur Zeit der dortigen Internierung Napoleon Bonapartes … (= AfÖG 67), 1886, S. 253ff.; E. Matsch, Der auswärtige Dienst von Österr.(-Ungarn) 1720–1920, 1986, s. Reg.; G. Kugler, Staatskanzler Metternich und seine Gäste/Chancellor Metternich and his Guests, 1991, S. 386 u. Tafel 118 (m. B.); H. Jäger-Sunstenau, Die Ehrenbürger und Bürger ehrenhalber der Stadt Wien, 1992, s. Reg. (m. B.); R. Agstner, in: 250 Jahre. Von der Oriental. zur Diplomat. Akad., ed. O. Rathkolb, 2004, S. 542; AVA, Wien.
Autor: (W. Godsey)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 62, 2010), S. 445

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