Stranik, Erwin

Stranik Erwin, Ps. Erik Kronberg, Schriftsteller und Journalist. Geb. Wien, 3. 7. 1898; gest. Praha, Tschechoslowakei (Tschechien), 25. 4. 1948; röm.-kath.

Sohn eines Bahnbeamten. – Nach Absolv. des Gymn. stud. S. ab 1917 an der Univ. Wien Germanistik, Phil., Geschichte und Geographie, 1921 Dr. phil. Da sich die von ihm angestrebte wiss. Karriere nicht realisieren ließ, absolv. er eine kaufmänn. Ausbildung und nahm eine Stelle in der Allg. Depositenbank in Wien an. S. war bereits während seines Stud. literar. tätig, sein erster Lyrikbd., „Worte im All“, erschien 1919 im Wr. Volksbundverlag. Ab 1920 publ. er im Neuen Akadem. Verlag (u. a. Dramen, wie „Der blonde Frühling“, 1920, „Sturm“, 1921, und Ged., wie „Der innere Schrei“, 1922), der S. im selben Jahr in der Nr. 7 seiner Z. „Die hohe Blume“ ausführl. vorstellte. Für die personell mit dem Verlag verbundene Wr. literar. Ges. ed. S. 1920 die kurzlebige R. „Die Brücke“. 1923/24 erschienen im Kasseler Verlag Ahnert u. a. „Briefe an eine tote Frau“, 1923, und „Blick in den Tag“, 1924. Die Anfänge der Ersten Republik bzw. die Zeit der Inflation schildert S. in dem Schlüsselroman „Koko Irregang“ (1926). Nach dem Zusammenbruch der Depositenbank 1924 versuchte er sich als freier Schriftsteller und Journalist für zahlreiche dt. und österr. Printmedien (u. a. „Neues Wiener Journal“, „Neues Wiener Tagblatt“, „Der Fährmann“, „Der getreue Eckart“, „Deutsche Rundschau“, „Der Deutschen-Spiegel“), wobei er sich auf Reiseberr. spezialisierte; 1931 unternahm er Reisen nach Nordamerika und Finnland. Daneben verf. er Dramen, u. a. die Komödie „Einmal so wie der und die“ (1930). S. verkehrte zwar in dt.nationalen Kreisen (Mitgl. des Bunds dt. Schriftsteller Österr.), unterhielt aber ab 1933 anscheinend auch Kontakte zur dt. Exilszene in Wien. Nach der nationalsozialist. „Machtergreifung“ 1933 war er als Wien-Korrespondent für das gleichgeschaltete „Berliner Tageblatt“ tätig. Da seine Ehefrau „Halbjüdin“ war, benötigte er nach Einführung der Nürnberger Gesetze 1936 eine Sondergenehmigung von Joseph Goebbels für die Berufsausübung. Aufgrund seiner Ber.erstattung für das „Tageblatt“ ergaben sich Konflikte mit dem „Ständestaat“, die Anfang 1937 in eine Anklage mündeten. Um diese zu unterlaufen, wurde S. nach Prag versetzt, wo er die Vertretung des „Tageblatts“ bis zu dessen Einstellung im Jänner 1939 innehatte. Danach führte S. in Brünn (Brno) als Chefred. die Umgestaltung des „Brünner Tagesboten“ in die nationalsozialist. „Volksdeutsche Zeitung“, in der 1939 sein Fortsetzungsroman „Der Elefantenring“ erschien, durch. Auf Empfehlung eines hohen Beamten des Propagandamin. kam S. i. d. F. nach Berlin, wo er als Chefred. der Auslands-Nachrichtenagentur Transkontinent Press, einer getarnten Propaganda-Einrichtung des Außenmin., fungierte und die Berliner Red. der Wirtschaftsztg. „Europa-Kabel“ und „Südost-Echo“ leitete. Daneben verf. er einige Bücher, u. a. „Österreichs deutsche Leistung“ (1936) und „Im ‚Herzland Germaniens‘“ (1939), beide auf nationalsozialist. Empfehlungslisten zu finden. 1943 erkrankte S. schwer und verlor seine Stelle. Seine weitere Tätigkeit liegt im dunkeln.


Werke: Weitere W. (auch s. u. Kosch): Das Lied um den Tanz, 1920; Die Mütter, 1923; Unheiml. Erlebnis, 1926; Sturz nach oben, 1927; Das blaue Phantom. Der Raub des Hirns (= Glöckner-Bücher 79), 1930; Front im Frieden, 1931; Erben und Rebellen, 1931; Böhmisch Glas, 1940; etc.
Literatur: Kosch (m. W.); M. G. Hall, Österr. Verlagsgeschichte 1918–38, 1–2, 1985, s. Reg.; G. Renner, Österr. Schriftsteller und der Nationalsozialismus …, 1986, s. Reg.; K. Amann, Zahltag, 1996, s. Reg.; Zd. Marecek, in: Literatur unter dem Hakenkreuz, ed. P. Beche – I. Fiala-Fürst, 2005, s. Reg.; Forschungsstelle Österr. Literatur im Nationalsozialismus, Univ. Graz, Stmk.; MA 61, Wien.
Autor: (K. Gradwohl-Schlacher)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 61, 2009), S. 355f.

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