Stránský, Adolf

Stránský Adolf, Ps. Dolf, Sigma, Politiker, Jurist und Zeitungsherausgeber. Geb. Habern, Böhmen (Habry, Tschechien), 8. 4. 1855; gest. Brno, Tschechoslowakei (Tschechien), 18. 12. 1931; mos., ab 1885 röm.-kath.

Sohn eines Händlers und Gastwirts, Vater des Politikers Dr. jur. Jaroslav S. (geb. Brünn, Mähren / Brno, Tschechien, 15. 1. 1884; gest. London, Großbritannien, 13. 8. 1973). – S. absolv. das Gymn. in Deutschbrod (Havlíckuv Brod) und stud. an der Univ. Prag Jus, 1878 Dr. jur. Bis 1880 war er am Kreisgericht in Budweis (Ceské Budejovice) bzw. am Handelsgericht in Prag tätig. Seit seiner Studentenzeit engagierte sich S. nationalpolit. und journalist. u. a. bei der Prager Ztg. „Národní listy“. 1881 red. er in Wien J. S. Skrejšovskýs (s. d.) oppositionelle Tagesztg. „Tribüne“. Ab 1881 war er in Brünn (Brno) als Anwalt tätig, ab 1886 mit eigener Kanzlei. Bei polit. Prozessen, u. a. 1894 im sog. Omladina-Prozeß, glänzte S. als eloquenter Verteidiger. Als Anhänger der böhm. jungtschech. Partei trat S. in Brünn der konservativen Nationalpartei bei, in der er bald die Führung des liberalen Flügels übernahm. 1889 gründete S. die liberale mähr. Tagesztg. „Moravské listy“ (ab 1893 „Lidové listy“), die er zu einer der führenden tschech. Ztg. und zum größten mähr. Ztg.konsortium ausbaute. Parallel dazu gründete er 1891 die jungtschech. Partei Lidová strana in Mähren und stieg i. d. F. zum polit. Repräsentanten der mähr. Tschechen auf. 1892–96 stellv. Vors. des Exekutivausschusses, führte er die Partei ab 1900. 1895–1918 Abg. des RR, des mähr. LT sowie 1897 und 1908 Mitgl. der Delegationen, war er einer der schärfsten und radikalsten tschech. Oppositionspolitiker. Er plädierte für das allg. Wahlrecht, für soziale Reformen sowie für den Ausbau des tschech. Bildungswesens und nahm an mehreren dt.-tschech. Ausgleichsverhh. teil. 1909 fusionierte er seine Partei mit der mähr. Fortschrittsbewegung zur Fortschrittl. Volkspartei, die 1911 in Mähren mit Agrarpartei und Sozialdemokratie ein antiklerikales Wahlbündnis schloß. Bis 1918 war S. Dir. der Hypothekenbank in Brünn und Vizepräs. der mähr. Landesversicherungsanstalt. Im 1. Weltkrieg arbeitete er im tschech. Widerstand mit und trat 1917 der Staatsrechtl. Demokratie bei (ab 1918 Nationaldemokratie). Seit Juli 1918 Mitgl. des tschech. Nationalausschusses und 1918–20 Abg. der Nationalversmlg., wurde er im November 1918 erster Handelsminister der Tschechoslowakei (bis Juli 1919). Nach Verzicht auf seine Anwaltszulassung war er 1919–31 Präs. der Prager Eisenind.-Ges. und Vizepräs. der Kaliwerke Kolín. 1920–25 Mitgl. des Senats, führte er den liberalen „Brünner Flügel“ der Nationaldemokratie und beteiligte sich gem. mit seinem Sohn an der von Th. Masaryk (s. d.) angeregten Gründung der national-intellektuellen Partei Národní strana práce, die bei den Wahlen 1925 jedoch erfolglos kandidierte. S. zog sich daraufhin aus der Politik zurück und konzentrierte sich auf seine Ämter in der Wirtschaft.


Werke: s. u. Luft.
Literatur: Lidové noviny, Národní listy, Prager Tagbl. (m. B.), NFP, NWT, RP, 19., Bohemia, 20. 12. 1931; Lidové noviny, 18. 12. 1932 (Beilage); Enc. Jud.; Freund, 1907, 1911 (beide m. B.); Hdb. jüd. AutorInnen; Otto; Otto, Erg.Bd.; Zloduch Moravy dr. A. S., 1908; J. Malír, Od spolku k moderním politickým stranám, 1996, s. Reg.; R. Luft, Parlamentar. Führungsgruppen und polit. Strukturen in der tschech. Ges. 1907–14, 2001 (m. W. u. L.); Politické strany 1, 2005 (m. B.); J. Pernes, in: Osobnosti moravských dejin 1, ed. J. Libor u. a., 2006, S. 399ff.
Autor: (R. Luft)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 61, 2009), S. 356f.

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  • geboren in > Habry
  • gestorben in > Brünn