Strasser, Alois

Strasser Alois, Mediziner. Geb. Ofen (Budapest, Ungarn), 2. 12. 1867; gest. Wien, 3. 4. 1945; mos., später evang. AB.

Sohn eines Kaufmanns; ab 1893 verehel. mit Olga Urban (geb. 20. 7. 1873; gest. 21. 2. 1956), Tochter des Gründers des Verlags Urban & Schwarzenberg. – Nach Absolv. des Gymn. in Budapest stud. S. ab 1885 Med. an der Univ. Wien; 1891 Dr. med. I. d. F. übernahm er eine Ass.stelle an der Kinderklinik in Wien, war 1892–93 Volontärass. bei R. Jaksch v. Wartenhorst (s. d.) an der med. Klinik in Prag und wurde 1893 Ass. an der 2. Abt. der Allg. Poliklinik in Wien unter Wilhelm v. Winternitz sowie an der Kaltwasserabt. in Kaltenleutgeben; 1897 Habil. für innere Med. an der Univ. Wien. 1898 wechselte S. als Priv.Doz. für innere Med. an die Univ. Budapest; 1908 tit. ao. Prof., 1916 ao. Prof. an der Univ. Wien. Als Schüler von Winternitz übernahm er dessen Nachfolge als Abt.leiter der Allg. Poliklinik in Wien und als Leiter der Kaltwasseranstalt Kaltenleutgeben. 1938 wurde S. aus „rassischen“ Gründen „bis auf weiteres beurlaubt“. S. befaßte sich mit der Gelbsucht, der alimentären Glycosurie, mit Malaria, Typhus und Magenkrankheiten. Sein Hauptinteresse aber galt der Balneotherapie, insbes. jener der Nervenkrankheiten. Bes. Verdienste erwarb sich S. mit Untersuchungen über die Wirkung verschieden temperierten Wassers auf den gesunden und kranken Organismus. Durch seine rund 300 wiss. Arbeiten fand er auch international Anerkennung. Darüber hinaus fungierte er als Hrsg. der „Zeitschrift für die gesamte physikalische Therapie“ und als Mithrsg. des „Wiener Archivs für Innere Medizin“. S. erhielt das Goldene Ehrenzeichen der Republik Österr., war Präs. der Österr. balneolog. Ges. und Ehrenmitgl. zahlreicher gelehrter Ges. in Berlin, London und Bukarest.


Werke: W. (auch s. u. Fischer; Kreuter; Pagel): Hdb. der klin. Hydro-, Balneo- und Klimatotherapie, 1920 (gem. m. F. Kisch und E. Sommer).
Literatur: NFP, 12. 1. 1911, 26. 4. 1918 (A.); Stadt Wien, 16. 12. 1967; Fischer (m. W.); Hdb. jüd. AutorInnen; Jb. der Wr. Ges.; Kreuter (m. W.); Lesky, S. 339; Pagel (m. W.); Wer ist’s?, 1908, 1935; L. Dann Treves, in: Archives of Medical Hydrology 3, 1964, Nr. 3 (m. B.); J. Merinsky, Die Auswirkungen der Annexion Österr. durch das Dt. Reich auf die med. Fak. der Univ. Wien im Jahre 1938, phil. Diss. Wien, 1980, S. 268f.; K. Körrer, Die zwischen 1938 und 1945 verstorbenen Mitgl. an der Univ. Wien, phil. Diss. Wien, 1981, S. 235; E. Deimer, Chronik der Allg. Poliklinik in Wien …, 1989, S. 47f. (m. B.); K. Mühlberger, Dokumentation „Vertriebene Intelligenz 1938“, 2. Aufl. 1993, S. 34; Döblinger Friedhof, IKG, UA, WStLA, alle Wien.
Autor: (D. Angetter)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 61, 2009), S. 360f.

Links

Download

Lifeline

Orte

  • geboren in > Budapest
  • gestorben in > Wien