Strauß, Ferdinand

Strauß Ferdinand, Lehrer und Naturkundler. Geb. Atzgersdorf, NÖ (Wien), 5. 4. 1876; gest. Wien, 20. 11. 1949.

Sohn eines Schustermeisters. – Nach Besuch der Volks- und Bürgerschule absolv. S. 1890–95 das nö. Landes-Lehrerseminar in Wr. Neustadt und wurde nach der Matura Unterlehrer an verschiedenen Wr. Volksschulen. Parallel dazu unterrichtete er an einer Taubstummenschule; 1897 Lehrbefähigung für Volksschulen, 1899 für Bürgerschulen in Naturgeschichte, Naturlehre und Mathematik. Ab 1899 lehrte S. an Wr. Bürgerschulen, 1928 trat er als Tit.-Hauptschuldir. i. d. R. Daneben stud. er ab 1897 Botanik an der Univ. Wien, u. a. bei Richard Wettstein und Molisch (s. d.); 1922 Dr. phil. Ab 1918 war S. in der Umsetzung der Schulreform O. Glöckels (s. d.) für den naturkundl. Bereich tätig und hatte als Doz. des Pädagog. Inst. der Stadt Wien auf die Lehreraus- und -fortbildung in diesem Fach wesentl. Einfluß. Er setzte ein zentrales Anliegen der Schulreformbewegung, die Arbeits- und Lebensschule, in die Unterrichtspraxis um: U. a. sollten Schüler in Exkursionen die Natur erschließen, Versuche und prakt. Arbeiten, Bestimmungsübungen und Skizzieren, Sezieren und Präparieren Teile des Unterrichts werden, unterstützt durch neue, von S. ausgearbeitete Schulbücher. Bereits seine ersten Publ., „Organische Chemie. Experimentier- und Hilfsbuch für Bürger- und Fortbildungsschulen“, 1907, sowie „Naturlehre für die … einjährigen Lehrkurse“, 1909, fanden wegen ihres auf prakt. Wissen ausgerichteten Inhalts Beachtung. S.’ umfangreiche Kenntnisse und zeichner. Fähigkeiten kamen bes. im „Naturgeschichtsskizzenbuch“, 1909 (2. Aufl. 1926–31), zum Ausdruck. In sechs He. wurden Botanik, Zool. und Somatol. an Hand von Skizzen behandelt, ebenso im Bestimmungsbuch für Naturkörper aller Art „Erkenne die Heimat“ (3. Aufl. 1929), überarb. als „Naturfibel“ (2. Aufl. 1948). Bes. bekannt wurde S. durch seine gem. mit Josef List verf. Naturgeschichtsbücher für die 1. bzw. 3. Hauptschulkl. „Schau die Heimat“ (1924 und 1926), in 4 Tle. neubearb. mit Franz Swoboda (1929–30). S. verf. ferner den naturkundl. Tl. zahlreicher Wr. und nö. Heimatkde.bücher und war einer der Autoren der Buchr. „Führer für Lehrwanderungen und Schülerreisen“. Ein Werk über die Gesteine der Denkmäler Wiens konnte er nicht mehr vollenden.


Literatur: Erziehung und Unterricht 100, 1950, S. 444f.; Archiv des Wr. Schulmus., UA, beide Wien.
Autor: (O. Achs)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 62, 2010), S. 375f.

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