Strauß, Siegmund

Strauß Siegmund, Elektrotechniker. Geb. Znaim, Mähren (Znojmo, Tschechien), 4. 1. 1875; gest. New York, N. Y. (USA), 29. 3. 1942; mos.

Sohn eines Kaufmannsehepaars. – S. arbeitete 1898–1905 bei der Internationalen Elektrizitätsges. in Wien, besuchte die Handelsakad. und inskribierte 1900 an der TH Wien als ao. Hörer, wo er bis 1904 Vorlesungen und prakt. Übungen aus dem Gebiet der Elektrotechnik besuchte. Obwohl ohne Abschluß, dürfte er sich dennoch als Ing. betitelt haben. 1905–07 techn. Prokurist bei der Österr. Telephonfabrik AG, leitete er ab 1907 gem. mit Eugen Reisz die von Robert v. Lieben (s. R. Lieben) 1904 erworbenen Telephon- und Telegraphenwerke in Olmütz (Olomouc). 1909–13 war er Mitarb. in Liebens physikal. Laboratorium, das dieser auf Anregung von S. gegr. hatte. Lieben, Reisz und S. wirkten dort gem. an der Verbesserung der von Lieben 1906 patentierten Verstärkerröhre (Kathodenstrahlenrelais); 1910 Anmeldung des Gitterpatents, das zur Grundlage für die Anwendung eines Steuergitters in der Verstärkerröhre wurde. Ab 1912 forschte S. eigenständig auf dem Gebiet der Verstärkertechnik am Elektrotechn. Inst. der TH Wien: 1912 erhielt er ein Patent für eine Einrichtung zur Erzeugung elektr. Schwingungen, wobei er das Prinzip der Rückkopplung anwendete, 1914 ein Patent für einen Widerstandsverstärker (eine Schaltungsanordnung für in Kaskade geschaltete Verstärkerröhren), der gegenüber den bis dahin verwendeten Schaltungen mit induktiver Kopplung solche mit galvan. Kopplung zur Anwendung brachte und dadurch einen enormen Fortschritt darstellte. Nach dem 1. Weltkrieg – S. war 1918 Kmdt. der Fliegerradioversuchsabt. – errichtete er in Wien-Dornbach ein eigenes Laboratorium und ließ bereits 1919 eine Zusatzendverstärkereinrichtung für Fernsprechapparate patentieren. Außerdem entwickelte er das Kardiotron zur Beobachtung von Atmung und Puls und widmete sich der Erforschung der Strahlentherapie. Ab den frühen 20er Jahren beschäftigte sich S. u. a. mit der Entwicklung eines Röntgendosimeters, bei dem der Gesamtwert der applizierten Bestrahlung jederzeit abgelesen werden konnte, um Schädigungen an Patienten durch zu starke und lange Bestrahlungen zu minimieren. Dieses Mekapion, das er 1926 erstmals auf einem Röntgenkongreß vorstellte, wurde i. d. F. serienmäßig erzeugt und im Spitalsbetrieb verwendet, fand aber auch als Röhrenohmmeter zur Messung sehr hoher Widerstände, als Lichtdosiszähler sowie als Wassertrübungsmesser Anwendung. Im August 1939 mußten S. und seine Frau Wien verlassen und gingen in die USA ins Exil.


Werke: s. u. Mühlböck; Angetter – Martischnig.
Literatur: Hdb. der Emigration 2; Die geistige Elite Österr., ed. M. Klang, 1936; A. Mühlböck, S. S. …, phil. DA Wien, 1988 (m. W. u. L.); D. Angetter – M. Martischnig, Biografien österr. Physiker/innen, 2005 (m. B. u. L.); F. Pichler, R. v. Lieben. 100 Jahre Patent Kathodenstrahlenrelais, 2006, S. 89ff. (m. B.); TU, WStLA, beide Wien.
Autor: (A. Mühlböck)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 62, 2010), S. 383

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  • geboren in > Znaim
  • gestorben in > New York City