Stocký, Albín

Stocký Albín, Archäologe und Ethnologe. Geb. Prag, Böhmen (Praha, Tschechien), 24. 2. 1876; gest. ebd., 18. 4. 1934.

S. stud. 1895–1900 Chemie am Prager Polytechnikum. Als Zuckerspezialist wurde er in der Zuckerfabrik in Dobrowitz (Dobrovice) angestellt, interessierte sich jedoch auch für Geschichte und Archäol. 1906 wurde er nach Neubydžow (Nový Bydžov) versetzt, begann in der Umgebung seines neuen Wohnorts mit archäolog. Forschungen und arbeitete 1906–12 als Verwalter und Geschäftsführer des dortigen Stadtmus. Nach dem Tod von Píc (s. d.) leitete S. 1913–29 die Urzeitabt. im Nationalmus. in Prag, mit Ausnahme der Kriegsjahre, in denen er in Dalmatien eingerückt war. 1917 weilte S. in Bosnien und Herzegowina als Sammler für das Kriegsmus. in Wien. Nach seiner Rückkehr ins Zivilleben prom. er 1920 an der Univ. Prag zum Dr. phil. und habil. sich noch im selben Jahr. 1927 ao., 1929 o. Prof. für prähist. Archäol. und Ethnographie, war er – als Nachfolger L. Niederles (s. d.) – auch Dir. des Archäolog. Inst. an der Univ. Prag. S. spezialisierte sich auf das Neolithikum und Aeneolithikum und erforschte Höhlen im Böhm. Karst sowie das kelt. Oppidum in Stradonitz (Stradonice). Im Nationalmus. widmete er sich auch der Anthropol. und der Konservierung, für die er als ausgebildeter Chemiker die erforderl. Kenntnisse besaß. Unvollendet blieb S.s umfangreiche Monographie über die Urzeit in Böhmen, „Pravek zeme ceské I. Vek kamenný“ 1926, französ. 1929, von der nur der erste Tl. erschien. Dieser brachte eine chronolog. Gliederung des böhm. Neolithikums im Rahmen der europaweiten Entwicklung. Populärwiss. war S.s dreibändiges Werk über die Urgeschichte Böhmens in der Stein-, Bronze- und Eisenzeit konzipiert. S. verf. zahlreiche Abhh. für Fachz., etwa über die Aunjetitzer, die Billna- und die röm. Kultur, über die Urzeit Prags sowie über Konservierungsfragen. Er arbeitete für zahlreiche in- und ausländ. Institutionen und initiierte u. a. die Gründung der Ges. tschech. Prähistoriker, deren Vors. er 1927–31 war. 1931–33 red. er die Z. „Památky archeologické“ und „Muzejní obzor“. 1923 wurde er Mitgl. der Královská ceská spolecnost nauk, 1932 Mitgl. der Ceská akad. ved a umeni, ein Jahr später Vors. von deren Komm. für Archäol.


Werke: Weitere W.: s. u. Sklenár.
Literatur: WZ, 21. 4. 1934; Rocenka Slovanského ústavu 5–7, 1932–34; L. Niederle, A. S., 1934; Ceský casopis historický 40, 1934, S. 446f.; Casopis spolecnosti prátel starožitností ceských 42, 1934; Památky archeologické 40, 1934–35; K. Sklenár, Biografický slovník ceských, moravských a slezských archeologu, 2005 (m. W. u. L.); Österr. Archäolog. Inst., Wien; UA, Praha, Tschechien.
Autor: (M. Makariusová)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 61, 2009), S. 279

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