Sternberg-Manderscheid, Franz Josef Gf. von

Sternberg-Manderscheid Franz Josef Gf. von, Sammler, Numismatiker und Mäzen. Geb. Prag, Böhmen (Praha, Tschechien), 4. 9. 1763; gest. ebd., 8. 4. 1830; röm.-kath.

Sohn des Geheimrats und Kammerherrn (Philipp) Christian Gf. v. S. und von Auguste Gfn. v. Manderscheid-Blankenhain, Cousin von Kaspar Gf. v. S. (s. d.), ab 1787 verehel. mit Franziska Gfn. v. Schönborn-Heusenstamm (1763–1825). S. erhielt seinen ersten Unterricht im Elternhaus, wobei er bes. durch den Kölner Kanoniker Ferdinand Franz Wallraf beeinflußt wurde. Nach Reisen durch Frankreich und die Niederlande ließ sich S. 1787 in Prag nieder, wo er sich vorerst der Politik widmete und sich für die „nationale Wiedergeburt“ engagierte. Aufgrund der veränderten polit. Lage zog sich S. aus der Politik zurück und widmete sich zunehmend der Wiss. und Kunst: So zählte er zu den Bewunderern und Freunden von Dobrovský (s. d.) und korrespondierte u. a. mit Ignaz v. Born. Auf S.s Veranlassung und mit seiner finanziellen Unterstützung wurden 1796 die Ges. der patriot. Kunstfreunde gegr. (ab 1802 deren Präs.), eine Gemäldegalerie und 1800 die ABK errichtet. Insbes. widmete er sich der numismat. Smlg. der Familie, einer der bedeutendsten Kollektionen von böhm., mähr. und schles. Münzen und Medaillen in den böhm. Ländern, und zählte zu den anerkannten Numismatikexperten, obwohl er selbst nur wenige Abhh. veröff. 1818 Mitbegründer des Vaterländ. Mus. (heute Národní muz.), schenkte er 1830 dem Mus. seine Münzsmlg. mit mehr als 3.700 Exemplaren, einschließl. des literar. Apparats, und legte damit den Grundstock für die numismat. Smlg. dieses Mus. Weiters besaß er eine wertvolle Smlg. von ca. 73.000 Kupferstichen und fast 3.500 Zeichnungen. S., der sich auch um die böhm. Historiographie große Verdienste erwarb, stellte 1823 auf Dobrovskýs Empfehlung den jungen F. Palacký (s. d.) als Archivar an, erkannte dessen außergewöhnl. Fähigkeiten und bewog ihn dazu, sich in Prag niederzulassen. S., der bis in die 1820er Jahre überzeugt war, daß eine Wiedergeburt der tschech. Sprache und Literatur ausgeschlossen sei, änderte, wahrscheinl. unter dem Einfluß Palackýs, seine Meinung und wurde zum Förderer der jüngeren Aufklärungsgeneration, die bereits an eine Wiedergeburt der tschech. Sprache glaubte: So unterstützte er Bemühungen, das Mus. zu nationalisieren und einen böhm. Kulturver. zu gründen. Geh. Rat S. wurde u. a. 1796 Ehrenmitgl. der kgl. böhm. Ges. der Wiss., 1813 Ehrenmitgl. der Wr. ABK, 1824 Oberstlandkämmerer von Böhmen. Sein Nachlaß befindet sich im Archiv des Národní muz. in Prag.


Literatur: (auch s. u. Šternberk): Goedeke, Reg.Bd.; Otto; Wurzbach; F. Palacký, in: Jbb. des böhm. Mus. …1, 1830, S. 479ff.; J. G. A. Frenzel, Smlg. der Kupferstiche und Handzeichnungen …, 1836 (m. B.); F. Palacký, Die Gf. Kaspar und F. S. und ihr Wirken für Wiss. und Kunst in Böhmen, 1843, S. 210; ders., in: Abhh. der kgl. böhm. Ges. der Wiss. 5/2, 1843, S. 20ff.; Leben des Gf. Kaspar S., ed. ders., 1868, bes. S. 198ff.; ders., Drobné spisy 3, 1900, bes. S. 449ff.; J. Hanuš, Národní mus. a naše obrození 1–2, 1923, s. Reg.; Prag 1780–1830, ed. R. Prahl, 2000, s. Reg.; J. Koralka, F. Palacký … (= Stud. zur Geschichte der Österr.-ung. Monarchie 30), 2007, s. Reg.
Autor: (M. Makariusová)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 60, 2008), S. 237

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