Stecker, Anton

Stecker Anton, Afrikaforscher und Kartograph. Geb. Josefsthal, Böhmen (Kosmonosy-Josefuv Dul, Tschechien), 19. 5. 1855; gest. ebd., 15. 4. 1888.

Bruder von Karel S. (s. d.). S. stud. ab 1873 Naturwiss., insbes. Zool. und Anatomie, an der Univ. Prag; 1877 Dr. phil. Forschungen über Arachniden (bes. Chernetiden), mehrere Publ. (ab 1874) und Forschungsreisen (Riesengebirge und andere Regionen Böhmens) folgten. In Heidelberg vervollkommnete er seine Stud. und lernte dort die Afrikaforscher Gerhard Rohlfs und F. A. Heller v. Hellwald (s. d.) kennen. S. begleitete Rohlfs 1878/79 bei Expeditionen durch die Libysche Wüste von Tripolis nach Sokna und über Audjila – mit einer alleinigen Zwischenreise nach Bengasi – bis in die Kufra-Oasen, die sie als erste Europäer erforschten. I. d. F. gelangten sie nach Kebabo, wo sie, von Eingeborenen überfallen, nach Bengasi flüchteten. Entlang der Route führte S. Höhenmessungen durch, um vermutete Depressionsgebiete abzugrenzen. 1880 sollte er gem. mit Rohlfs im Auftrag der Dt. Afrikan. Ges. Bornu am Tschadsee bereisen, doch das Unternehmen wurde bereits im Fessan abgebrochen, und S. unterstützte Rohlfs noch im selben Jahr bei einer polit. Mission zu Johannes IV., K. von Äthiopien, nach Äthiopien, wo er weite Gebiete auch alleine erforschte. 1881 nahm S. den Tanasee kartograph. auf und sammelte Pflanzen, Skelette und geolog. Proben. Er reiste in das Zabulgebirge, dessen kartograph. Aufnahmen allerdings verloren gingen, von dort zum Aschangisee und später gem. mit Johannes IV. nach Aksum und Adua. 1882 zurück in Debra Tabor, gelangte er nach Monkorer und bereiste im Sommer die Galla-Länder. 1882 in Gefangenschaft von Menelik v. Schoa geraten, wurde er auf Intervention des ital. Gesandten Marchese Orazio Antinori freigelassen und entdeckte mehrere kleinere Seen der Adda-Seen. Nach der kartograph. Aufnahme des Haik- und des Ardibbosees reiste er mit Johannes IV. über Debra Tabor, Gondar, Wogera und das Semien(Simên)-Gebirge (Besteigung des Buahit 4.510 m) 1883 nach Massaua zurück. S. brachte von seinen Reisen nicht nur reiche topograph., ethnograph. und kartograph. – insbes. seine Karte des Tanasees 1:200.000 –, sondern auch zoolog. und paläontolog. Ergebnisse mit. Für seine Verdienste erhielt er von Johannes IV. den Salomo-Orden.


Werke: W. (auch s. u. Materialiensmlg. ÖBL): Über eine neue Arachnidengattung aus der Abt. der Arthrogasten, in: Sbb. Prag, math.-nat. Kl. 5, 1875; Die S.’ Expedition, in: Mitt. der Afrikan. Ges. in Dtld. 3, 1881–83; Karten: Tanasee 1:200.000; Oasenarchipel Djufra 1:2.000.000; Oase Djufra 1:200.000; Karte des Südost-Abhanges des abessin. Hochplateaus 1:500.000 und des Ardibbosees; etc.
Literatur: WZ, 16. 4. 1888 (A.); RP, 14. 4. 1918; Hanzlová; Lex. böhm. Länder; Otto; Mitt. der Afrikan. Ges. in Dtld. 2, 1880, S. 193, 3, 1881–83, S. 83, Tafel 1, 4, 1883–85, S. 78, 227, 5, 1886–89, S. 156ff., Tafel 5; Petermanns Geograph. Mitt. 26, 1880, S. 70, 118, 27, 1881, S. 73, 113f., 231, 472ff., 28, 1882, S. 34, 401ff., 441, Tafel 18, 29, 1883, S. 34, 118, 312, 356, 35, 1889, S. 205; Verhh. der Ges. für Erdkde. zu Berlin 7, 1880, S. 70ff., 9, 1882, S. 122, 392, 396, 10, 1883, S. 391, 434, 472ff.; G. Rohlfs, Kufra …, 1881, passim; Illjustrovanija Gazetta „Neva“ 21, 1884, S. 336 (B.); R. Kiepert, in: Mitt. der Afrikan. Ges. in Dtld. 5, 1886–89, passim; G. E. Fritzsche, in: Petermanns Geograph. Mitt. 37, 1891, S. 233ff.; J. V. Želízko, in: Mitt. der Geograph. Ges. in Wien 79, 1936, S. 273ff. (m. B.); M. Kratochwill, in: Wr. Ethnohist. Bll. 32, 1987, S. 99ff.; Lex. der Reisen und Entdeckungen, 1988; Abenteuer Ostafrika …, Eisenstadt, 1988, S. 281f. (Kat., m. B.); Enz. der Entdecker und Erforscher der Erde, 2002; Materialiensmlg. ÖBL, Wien (m. W., L. u. B.).
Autor: (W. Kainrath)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 60, 2008), S. 127f.

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