Steffal, Václav

Steffal Václav, Anatom. Geb. Riedweis, Böhmen (Rodvínov, Tschechien), 17. 9. 1841; gest. Prag, Böhmen (Praha, Tschechien), 14. 4. 1894.

Aus einer Gutsbesitzerfamilie stammend. S. absolv. das Gymn. in Neuhaus (Jindrichuv Hradec) und stud. ab 1862 Med. an der Univ. Prag; 1868 Dr. med., 1869 Dr. chir., Mag. obstet. Bereits während seines Stud. wurde S.s Interesse für Anatomie deutl. und noch vor seiner Prom. bekleidete er ab 1868 die Stelle des 1. Ass. am Inst. für Anatomie, wo er im Wintersemester 1872/73 auch die Leitung suppl. Gleichzeitig arbeitete er als Substitutsarzt im AKH, im Kinderkrankenhaus, in der Gebärklinik und in der Irrenanstalt, 1871 wurde er darüber hinaus Prüfungskoär. in plast. Anatomie für Zeichnungslehrerkandidaten. Ab 1872 Bez.arzt in Prag (noch im selben Jahr def.); 1877–85 und 1888–94 ao. Prof. für plast. Anatomie an der ABK in Prag. Nach der Teilung der Prager Univ. in die tschech. und die dt. wurde S. 1883 als ao. und 1886 als o. Prof. der beschreibenden und normalen Anatomie zum ersten Vorstand des tschech. Inst. für Anatomie ernannt. I. d. F. bemühte er sich um die Adaptierung der Räumlichkeiten des Inst., vervollständigte die Lehrbehelfe und errichtete eine Bibl. Wesentl. Anteil hatte er als Mitgl. der Komm. für tschech. med. Terminol. auch an der Entwicklung der anatom. Fachsprache. S., der seine Ausbildung durch Stud.reisen nach Wien, in die Schweiz und nach Dtld. vervollkommnete, beschäftigte sich zwar nur mit der deskriptiv topograph. Anatomie, zeigte aber auch Verständnis für moderne Strömungen in der Anatomie. Für das Kompendium „Odborna pathologie a therapie“, das unter der Red. Eiselts (s. d.) in Prag 1878–89 erschien, verf. S. umfangreiche Obduktionseinführungen betreffend Krankheiten der Atmungsorgane, der Genitalien, des Gehirns und Rückenmarks. Darüber hinaus bearb. er zahlreiche anatom. Stichwörter für die Lex. „Ottuv slovník naucný“ und „Riegruvers „sSlovník naucný“. Sein tschech. Lehrbuch für Anatomie konnte er nicht fertig stellen, dafür verf. er Lehrbücher für Mittelschulen. Seit den Stud.jahren war S. in der tschech. Nationalbewegung tätig, er engagierte sich stark in den Kämpfen um die tschech. Univ. (insbes. um die med. Fak.) und war aktives Mitgl. des Ver. tschech. Ärzte (1878–79 Schriftführer und stellv. Vors., 1889 Ehrenmitgl.), Mitbegründer und Ehrenmitgl. des Ver. tschech. Med.studenten, Mitgl. des Sokol-Turnver. sowie des Gesundheitsrates der Stadt Prag und des Landesgesundheitsrates.


Werke: W. (auch s. u. Navrátil): Strucná anatomie ceská pro strední školy, 1872; Ucebnice zdravotnická pro ceské školy, 1874; zahlreiche Beitrr. in Casopis lékaru ceských; etc.
Literatur: Otto; Pagel; Wurzbach; Casopis lékaru ceských 19, 1880, S. 389, 33, 1894, S. 313, 97, 1958, S. 1240ff., 125, 1986, S. 881ff.; Osveta 25, 1895, S. 189; M. Navrátil, Almanach ceských lékaru, 1913, S. 298 (m. B., W. u. L.); K. Weigner, Z osudu anatomie na Karlove ucení, 1926, S. 21f.; F. K. Studnicka, Ze vzpomínek na pocátky mého studia na lék. fakulte ceské univ. v Praze pred 60 lety, 1950, S. 8f.; L. Hlavácková – P. Svobodný, Biografický slovník pražské lékarské fak. 2, 1348–1939, 1993; L. Hlavácková u. a., Kapitoly z dejin ceské anatomie, 1993, S. 7ff.; UA, Praha, Tschechien.
Autor: (L. Hlavácková)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 60, 2008), S. 135f.

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  • geboren in > Rodvínov
  • gestorben in > Prag