Stapf, Martin

Stapf (Johann) Martin, Fabrikant und Politiker. Geb. Imst (Tirol), 22. 4. 1824; gest. ebd., 27. 7. 1892; röm.-kath.

Sohn von Josef S. d. Ä., der als Faktor in der Streleschen Baumwollfabrik in Imst tätig gewesen war und 1843 in deren Brandruinen eine eigene Handweberei begründete, Vater von Josef S. d. J. (s. u.) und Thomas S. d. Ä. (s. d.). S. übernahm 1852 den väterl. Betrieb, weitete i. d. F. die Produktion aus und stellte sie von Heimarbeit auf industrielle Fertigung um, wofür er weitere Tle. der ehemaligen Streleschen Fabrik erwarb. Die Produktpalette umfaßte in erster Linie Vorhang-, Dekorations- und Möbelstoffe, aber auch Dekorationsborten. 1889 errichtete S. in seiner Fabrik eine eigene Betriebskrankenkasse. 1864–67 gehörte er als konservativer Abg. dem Tiroler LT an, fungierte 1873–82 als Bgm. der Stadt Imst und war längere Zeit auch Sparkassendir. Nach seinem Tod folgte ihm sein Sohn Josef S. d. J. (geb. Imst, 25. 12. 1850; gest. ebd., 21. 11. 1919; röm.-kath.) in der Firmenleitung. Dieser hatte jedoch mit erhebl. finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen, einerseits wegen der Abfindung für seine dreizehn Geschwister, andererseits wegen der Nachwirkungen des 1. Weltkriegs, v. a. der Inflation und des Verlustes wichtiger Absatzgebiete aufgrund der neuen Grenzziehungen. Dennoch vermochte Josef S., unterstützt von seinen Brüdern, dem Färbermeister Johann und Ferdinand S. (geb. Imst, 14. 10. 1853; gest. ebd., 15. 1. 1941), die Fa. zu erhalten. Da er kinderlos war, übernahm nach seinem Tod sein jüngerer Bruder, Thomas S. d. Ä., die Führung des Betriebs. Dessen Erbe trat sein Sohn KR Thomas S. d. J. (1896–1978) an, der zur Expansion und Modernisierung der Fa., die ihre Produkte unter dem Markennamen „Firn“ in die ganze Welt exportierte, wesentl. beitrug. Auch er war u. a. Imster Bgm. und hatte wichtige Wirtschaftsfunktionen inne.


Literatur: (tw. auch für Josef S. d. J.): Neue Tiroler Stimmen, 18. 7. 1892; Bergland 10, 1928, Nr. 3, S. 31f., Neudruck in: Die Tiroler Ind. gestern und heute ..., 1988; H. Kuprian, in: Imster Buch, ed. R. Klebelsberg (= Schlern-Schriften 110), 1954, S. 361ff.; J. E. Tumler, Die Abg. zum Tiroler LT von 1861–1914, phil. Diss. Innsbruck, 1981; Stadtbuch Imst, red. P. Baeck, 1997, s. Reg. (m. B.); Tiroler LA, Innsbruck, Tirol.
Autor: (W. Meixner)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 59, 2007), S. 97f.

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