Spitzer, Alexander

Spitzer Alexander (Sándor), Anatom und Psychiater. Geb. Miskolcz (Miskolc, Ungarn), 22. 10. 1868; gest. Theresienstadt, Protektorat Böhmen und Mähren (Tschechien), 16. 1. 1943 (ermordet); mos.

Nach dem Besuch des Gymn. in seiner Heimatstadt stud. S. zunächst ein Semester Med. an der Univ. Heidelberg, ehe er 1886 an die Univ. Wien ging; 1892 Dr. med. Ab 1893 als Hospitant an der 2. Psychiatr. Univ.klinik unter Krafft-Ebing (s. d.) tätig, wechselte S. 1901 an das Neurolog. Inst. der Univ. Wien. 1914–19 war er am Anatom. Inst. der Univ. Wien beschäftigt und habil. sich 1919 als Doz. für Anatomie. Noch 1919 kehrte er an das Neurolog. Inst. der Univ. Wien zurück, wo er 1924 zum ao. Prof. für Anatomie und Pathol. des Nervensystems ernannt wurde. 1933 i. R; 1942 wurde er in das Lager Theresienstadt deportiert. Sein med. Fachwissen, kombiniert mit umfangreichen Kenntnissen in Physik, Biol. und Mathematik, ließ schon in seinen frühen wiss. Arbeiten S.s Streben nach phil. Universalität deutl. werden. In seiner ersten Arbeit über einen Fall von Solitärtuberkel am Boden des 4. Hirnventrikels (Rautengrube) stellte er eine umfassende Theorie der Funktion des hinteren Längsbündels als eine zur räuml. Orientierung dienenden motor. Bahn auf, das als Spitzer’sches Bündel Eingang in die med. Nomenklatur fand. Darüber hinaus befaßte sich S. mit Migräne, mit abnormen Bündeln im Hirnstamm, mit der Genese der Pyramidenkreuzung, mit den Leitungsbahnen des Zentralnervensystems und mit der Funktion des Ohrlabyrinths und gilt als einer der besten Kenner der Hirnanatomie. Aber auch die Entwicklung der Herzkammerscheidewand, kardiale Mißbildungen und Problemstellungen aus verschiedensten Gebieten der Physiol. erweckten sein Interesse.


Werke: W. (auch s. u. Kreuter; Stober): zahlreiche Beitrr. in Arbeiten aus dem Neurolog. Inst. der Wr. Univ., Jbb. für Psychiatrie und Neurol., MS für Ohrenheilkde. und Laryngo-Rhinol., WMW; etc.
Literatur: DBE; Fischer; Hdb. jüd. AutorInnen; Kreuter (m. tw. W.); Kürschner, Gel.Kal., 1926–35; H. Schur, in: WKW 58, 1946, S. 675; M. Stober, Personalbibl. … Anatomie… Univ. Wien 1845–1969, med. Diss. Erlangen-Nürnberg, 1971, S. 115ff. (m. W.); AVA, UA, beide Wien; Mitt. Valery Merlin, Yad Vashem, Jerusalem, Israel.
Autor: (D. Angetter)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 59, 2007), S. 37

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  • geboren in > Diósgyör
  • gestorben in > Terezín