Spitzer, Simon

Spitzer Simon, Mathematiker. Geb. Wien, 3. 2. 1826; gest. ebd., 16. 3. 1887; mos.

Großvater von Leonie Adele S., Schwiegervater von Nawiasky (beide s. d.). Aus bescheidenen Verhältnissen stammend, stud. S. am Wr. polytechn. Inst. an der kommerziellen Abt. sowie u. a. Mathematik, Physik, Botanik, Mechanik, Chemie sowie an der Univ. Wien Physik, Astronomie und höhere Mathematik bei A. Frh. v. Ettingshausen (s. d.); 1850 Dr. phil. 1849–54 Ass. für elementare und höhere Mathematik am polytechn. Inst. in Wien, habil. sich S. 1850 über die Anwendung der Differential-, Integral- und Variationsrechnung auf die analyt. Geometrie. Nach dem Tod von Schulz v. Straßnitzki (s. d.) – für den S. mehrmals suppl. hatte – mißglückte seine Bewerbung für dessen Professur aufgrund von S.s Konfession und seiner in die Tagespresse gelangten Kontroverse mit J. M. Petzval (s. d.). 1854–56 Priv.Doz. für höhere Mathematik am polytechn. Inst., ab 1857 prov. Lehrer am Vorbereitungskurs an der Wr. Handelsakad., die damals ihren Schulbetrieb aufnahm, wurde S. 1858 zunächst def. Prof. für merkantiles Rechnen und Algebra, 1863 unbesoldeter ao. Prof. der höheren Mathematik am Wr. polytechn. Inst. und hielt ab 1866 auch Vorlesungen über analyt. Mechanik. 1868 besoldeter ao., 1870 o. Prof. für höhere Mathematik und analyt. Mechanik. 1871 war S. prov. Leiter der Handelsakad., nach deren Neuorganisation und Teilung in eine akadem. Handels-Mittelschule und eine Handels-Hochschule 1873/74 erster Rektor der Handels-Hochschule. Dort lehrte er als ao. Prof. für kaufmänn. und polit. Arithmetik bis 1877, als die Trennung rückgängig gemacht und erneut die Wr. Handelsakad. eingerichtet wurde. 1877–86 wieder Doz. an der Wr. Handelsakad. für kaufmänn. und polit. Arithmetik. I. d. F. widmete er sich ausschließl. der Wiss. S. war ab 1869/70 Mitgl. der k. k. Prüfungskomm. für Lehramtskandidaten an Handelsschulen, ab 1871 einer der Dir. der privaten Österr. Hypotheken-Bank sowie Vertrauensmann der Finanz- und Handelswelt. Er verf. neben einigen Monographien, die tw. ins Französ., Engl., Russ. und Italien. übers. wurden, eine große Zahl von wiss. Artikeln u. a. über Zahlengleichungen, Variationsrechnung, Differentialgleichungen sowie Wahrscheinlichkeitsrechung und Statistik, die bes. im Bereich der Versicherungsmathematik ihre kommerzielle Anwendung fanden. Hervorzuheben sind v. a. seine Leistungen im Bereich des österr. Finanz- und Versicherungswesens.


Werke: W. (auch s. u. Poggendorff; Wurzbach; Kleibel; Ottowitz): Vorlesungen über lineare Differential-Gleichungen, 1878; zahlreiche Beitrr. in W. Haidinger’s Naturwiss. Abhh. und in den Sbb. Wien, math.-nat. Kl.
Literatur: NFP, 16. 3. 1887 (A.); ADB; DBE; Poggendorff 1–4 (m. W.); Sbb. Wien, math.-nat. Kl. 28, 1858, Nr. 4, S. 253ff.; Wininger; Wurzbach (m. W.); A. Kleibel, Fünfzig Jahre Wr. Handels-Akad., 1908, S. 30ff., 48, 60, 64ff., 91, 95, 105ff. (m. W.); A. Lechner, Geschichte der TH in Wien 1815–1940, 1942, s. Reg.; M. A. B. Deakin, in: Proceedings of the First Australian Conference on the History of Mathematics …, ed. J. N. Crossley, 1981, S. 32ff.; ders., in: Archive for History of Exact Sciences 25, 1981, S. 343ff.; L. Heinrich, in: Statistics 16, 1985, H. 2, S. 249ff.; G. Schmidt, in: Journal of applied probability 23, 1986, S. 1000ff.; N. Ottowitz, Der Mathematikunterricht an der TH in Wien 1815–1918 (= Diss. der TU Wien 52/1), 1992, S. 231ff. (m. W.); P. Steines, Hunderttausend Steine …, 1993, S. 195f.; H. K. Kaiser, in: Internationale Mathemat. Nachrichten 55, 2001, Nr. 188, S. 9ff.; AVA, Archiv der TU, beide Wien.
Autor: (M. Pesditschek)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 59, 2007), S. 43

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