Sladkovský, Karel

Sladkovský Karel, Politiker und Jurist. Geb. Prag, Böhmen (Praha, Tschechien), 22. 6. 1823; gest. ebd., 4. 3. 1880; röm.- kath., ab 1877 russ.-orthodox.

– Aus einer armen Schneiderfamilie stammend. S. besuchte die Hauptschule und das Gymn. in Prag, stud. angebl. Jus an der Univ. Wien und absolv. 1846 nach der Richteramtsprüfung seine Gerichtspraxis in Wr. Neustadt; Dr. jur. der Univ. Wien 1866 (nicht nachweisbar). Sein Eintritt in die Finanzprokuratur wurde durch die revolutionären Ereignisse 1848/49 vereitelt, in die S. als führendes Mitgl. der radikalen Prager Studentenbewegung publizist. und organisator. involviert war. Im Mai 1849 verhaftet, 1850 zum Tod verurteilt, dann zu 20 Jahren Kerker begnadigt, verf. er 1850 im Gefängnis ein Ms. über die soziale Frage für Unterrichtsminister Leo Gf. Thun. Aufgrund der Generalamnestie im Mai 1857 entlassen, wurden die Folgen seiner Verurteilung 1861 aufgehoben. Ab 1860 wirkte S. in der Red. der Ztg. „Cas“, ab 1862 beim demokrat. Tagbl. „Hlas“, dessen polit. Programm er entwarf. Nach der Differenzierung des tschech. nationalpolit. Lagers in Alt- und Jungtschechen ab 1863 stieg S. zur führenden Persönlichkeit der letzteren auf. 1862– 80 mit Unterbrechungen böhm. LT-Abg., trat er als Kritiker der LT-Wahlordnung auf und forderte die nationale und religiöse Gleichstellung. Ferner war er auch ab 1867 mit Unterbrechungen im Landesausschuß tätig. Häufig trat S. als Redner in Volksversmlgg. und bei nationalen Festen auf und war u. a. Hauptredner bei der Grundsteinlegung des Nationaltheaters 1868 oder bei den Jan-Hus-Feiern 1869. Mit der Politik der passiven Resistenz der tschech. RR- und LT-Abg. war er lange Zeit nicht einverstanden, ordnete sich aber der alttschech. Mehrheit unter. 1874 wurde er zum Vors. der neu konstituierten Nationalen Freisinnigen Partei gewählt. Als Vertreter der Jungtschechen verhandelte er gem. mit F. L. v. Rieger (s. d.) mehrmals mit der Regierung in Wien, so etwa 1879 über die Rückkehr der tschech. Abg. ins Parlament. Bei den RR-Wahlen im selben Jahr wurde er zwar ins Abg.-Haus gewählt, konnte sein Mandat jedoch aus gesundheitl. Gründen nicht mehr ausüben.


Werke: Rec pri slavném položení základního kamene Národního divadla v Praze, 1868, 2. Aufl. 1939; Výklad voleb zástupcu dle práva a spravedlnosti, 1875, 2. Aufl. 1910; Slavnostní reci, 1878; Výbor z politických recí a úvah Dra. K. S., ed. S. Heller, 1899; etc.
Literatur: Bohemia, NFP, Prager Tagbl., 5., Národní listy, 5.– 7. 3. 1880; Rieger; Otto; Wurzbach; Památce K. S., 1884; J. Pešek, Dr. K. S., 1924; J. Matoušek, K. S. a ceský radikalismus za revoluce a reakce, 1929; A. Boucek, K. S. (= Kdo je 102), 1948; B. M. Garver, The Young Czech Party 1874–1901 and the emergence of a multi-party system, 1978, s. Reg.; O. Urban, Die tschech. Ges. 1848–1918, 1–2 (= Anton-Gindely-R. zur Geschichte der Donaumonarchie und Mitteleuropas 2), 1994, s. Reg.; UA, Wien.
Autor: (J. Koralka)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 57, 2004), S. 345

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