Smetana, Augustin

Smetana Augustin, Philosoph. Geb. Prag, Böhmen (Praha, Tschechien), 15. 6. 1814; gest. ebd., 30. 1. 1851; röm.-kath., 1850 exkommuniziert.

– Sohn eines Kirchendieners. S. besuchte ab 1824 das Piaristengymn. in Prag-Neustadt, ab 1829 die phil. Jgg. an der Univ. Prag, wobei er bes. von Franz Ser. Exner (s. d.) beeinflußt wurde. 1832 trat er ins Prager Kloster der Kreuzherren mit dem roten Stern ein; 1835 Ablegung der Ordensgelübde. Sein Theol. stud. absolv. S. an der Prager theol. Fak., die damals unter dem Einfluß der Ideen Bolzanos (s. d.) stand; 1837 Priesterweihe, 1841 Dr. phil. 1842–45 war S. an der Univ. Adjunkt Exners, mit dem er, bes. während ihrer gem. Stud. reise nach Dtld., auch persönl. Beziehungen anknüpfte und dessen Lehrstuhl er 1846–49 suppl.; 1848 Dekan. Eine Univ. laufbahn blieb S. wegen seiner polit. Einstellung wie auch seiner Abwendung von der von Exner vertretenen reinen Lehre Herbarts versagt, obwohl er sich regelmäßig an Prof.-Konkursen beteiligte; 1849 verlor er auch seine Supplentenstelle. 1850 trat S. aus seinem Orden und aus der kath. Kirche aus und wurde im selben Jahr exkommuniziert. Nach einem vorübergehenden Aufenthalt als Privaterzieher in Altona (Hamburg) kehrte er nach Prag zurück. Sein Begräbnis wurde zu einer stillen Demonstration von zehntausenden Studenten und Pragern. S. s phil. Arbeiten waren auf Hegel ausgerichtet, dessen Lehre er in seinen (unveröff.)Vorlesungen über Phil. geschichte nachdrückl. vertrat. In seiner Abh. „Die Katastrophe und der Ausgang der Geschichte der Philosophie“, 1850, formulierte er Fragen nach dem Sinn der menschl. Bewußtseinserfahrung im Rahmen der Weltgeschichte. Das Ziel sei ein von allen Vorurteilen und Dogmen befreites Bewußtsein, die Phil. werde so zum Ausgangspunkt für eine Umwandlung der auf Recht und Religion gegr. Ges. in eine der Kunst und der Liebe. Bereits 1848 hatte S. in „Die Bedeutung des gegenwärtigen Zeitalters“, 1848, den Gedanken ausgeführt, daß es Aufgabe der Slawen sei, die westl. Kultur in Zukunft mit Humanität und sozialer Gerechtigkeit zu erfüllen. In „Der Geist, sein Entstehen und Vergehen“, postum 1865, sieht S. das Lebensziel des Menschen darin, daß dieser zum Schöpfer seiner eigenen Zukunft werde. S. war der selbständigste und eigenartigste tschech. Philosoph des 19. Jh.


Werke: Die Bestimmung unseres Vaterlandes Böhmen vom allg. Standpunkte aufgefaßt, 1848; Geschichte eines Excommunicirten. Eine Selbstbiographie, ed. A. Meißner, 1863; Sebrané spisy, ed. und übers. M. Bayerová, 2 Bde., 1960–62 (m. biograph. Einleitung, W. und L.).
Literatur: LThK, 2. Aufl.; Otto; Wurzbach; J. Tvrdý, in: A. S. Pameti kneze z církve vyobcovaného, 1900, S. 153ff.; F. Krejcí, O filosofii S., 1901; F. Holecek, in: Alétheia 5, 1902, S. 109ff., 146ff.; F. Krejcí, Vizpomínky na A. S., 1911; J. Lukášek, A. S., 1914; M. Kaláb, A. S., 1950; M. Bayerová – I. Michnáková, in: Filosofický casopis 5, 1957, S. 483ff.; I. Michnáková, A. S., 1963; W. Lorenz, Die Kreuzherren mit dem roten Stern (= Veröff. des Königsteiner Inst. für Kirchen- und Geistesgeschichte der Sudetenländer e. V. 2), 1964, S. 94f.; K. Mácha, Glaube und Vernunft 2, 1987, s. Reg.; P. Krivský, A. S., 1989; Pruvodce po fondech literarního archívu PNP 2 (= Literární archív 26/2), 1993; Dejiny Univ. Karlovy 1348–1990, red. F. Kavka – J. Petrán, 3, 1997, s. Reg.
Autor: (M. Makariusová)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 58, 2005), S. 366

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