Škarda, Jakub

Škarda Jakub, Politiker und Jurist. Geb. Skurnan, Böhmen (Škvrnany, Tschechien), 11. 3. 1828; gest. Prag, Böhmen (Praha, Tschechien), 31. 12. 1894.

– Vater von Václav und Vladimír Š. (beide s. d.). Š. stud. Jus an der Univ. Prag, 1857 Dr. jur., und wirkte zunächst als Advokaturskonzipient, ab 1868 als selbständiger Advokat in Prag. 1861–73 und 1878–94 böhm. LT- Abg., nahm er eine krit. Haltung zur offiziellen Führung der alttschech. Politik ein und wechselte im Verlauf seiner polit. Karriere mehrmals zwischen den Lagern. So schloß sich Š. 1874 der jungtschech. Partei an, von der er sich 1880 wieder trennte, um mit den Alttschechen die Politik des Eisernen Rings zu unterstützen. Nach dem Ausgleich, den die alttschech. Partei mit den dt.böhm. Liberalen 1890 ausgehandelt hatte und den Š. ablehnte, überlegte er die Gründung einer dritten bürgerl., gegen den Ausgleich gerichteten „Mittel“-Partei. Als dieser Versuch scheiterte, kehrte Š. wieder zu den Jungtschechen zurück. Im Landesausschuß fungierte er 1866–68 als Ersatzmann und ab 1880 als Beisitzer, zuständig u. a. für Kommunales. 1862–92 war Š. Mitgl. des Prager Stadtverordnetenkollegiums, von dem er mehrmals in den Stadtrat entsandt wurde. 1865 wurde er in die Pilsener Bez.vertretung gewählt. Neben seiner berufl. und polit. Tätigkeit machte sich Š. auch um die Rechtspflege verdient: 1863 gab er eine Smlg. österr. Gesetze in tschech. Sprache heraus und red. 1864–71 das jurid. Fachbl. „Právník“, wobei er die tschech. jurid. Terminol. wesentl. mitgestalten konnte. Ferner war Š. 1864 Mitbegründer der Jurist. Union und 1879 an der Gründung der Z. „Samosprávný obzor“ beteiligt. Š., der über gute Kontakte zu Prager Wirtschafts- und Bankkreisen verfügte, war darüber hinaus auch im kulturellen Bereich engagiert: Ab 1861 Mitgl. des Verbands für den Bau des Nationaltheaters, wirkte er 1879–86 als dessen Intendant, war 1869–72 Obmann des Ver. Künstlerressource, 1879–86 Obmann der Bürgerressource. Š. gehörte ferner zu den Begründern der Prager Stadtversicherungsanstalt und der städt. Sparkasse.


Werke: Návod k úradování pro obecní starosty, 1860; Ceský právník, 1862; Výklad zákonu pro království ceské o záložnách hospodárských, kontribucenských sýpkách a penežních fondech kontribucenských, 1865; Svatební obyceje z okolí plzenského, 1894; etc.
Literatur: Bohemia, Hlas národa, Národní listy, Prager Tagbl., 1. 1. 1895; Hanzalová; Lišková; Otto; Wurzbach; Jurist. Bll. 24, 1895, S. 7; M. Navrátil, Almanach ceských právníku, 1904 (m. B.); B. M. Garver, The Young Czech Party 1874–1901 and the emergence of a multi-party system, 1978, s. Reg.; O. Urban, Die tschech. Ges. 1848–1918, 1–2 (= Anton-Gindely-R. zur Geschichte der Donaumonarchie und Mitteleuropas 2), 1994, s. Reg.
Autor: (J. Pokorný)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 57, 2004), S. 316f.

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  • geboren in > Pilsen
  • gestorben in > Prag