Silberer, Herbert

Silberer Herbert, Journalist, Schriftsteller und Psychoanalytiker. Geb. Wien, 28. 2. 1882; gest. ebd., 12. 1. 1923

(Selbstmord); konfessionslos. – Sohn von Victor S. (s. d.). S. trat mit 17 Jahren in die Schriftleitung der „Allgemeinen Sportzeitung“ ein und red. – selbst Ballonfahrer – gem. mit seinem Vater die „Wiener Luftschiffer-Zeitung“. Doch gab er die Journalisten-Laufbahn bald auf, wurde Privatgelehrter und befaßte sich mit Problemen des Traums. Dies brachte ihn in Kontakt zu Freud (s. d.), der S.s Ber. über eine Methode, gewisse symbol. Halluzinations-Erscheinungen hervorzurufen und zu beobachten, 1909 veröff. 1910 wurde S. Mitgl. der Wr. Psychoanalyt. Vereinigung, der er bis zu seinem Tod angehörte. In seinem Hauptwerk „Probleme der Mystik und ihrer Symbolik“ (1914) analysierte er die Alchemie als symbol. Abbild des Individuationsprozesses, des weiteren beschäftigte er sich mit Okkultismus und Aberglauben. Nach dem 1912 eingetretenen Zerwürfnis zwischen Freud und Wilhelm Stekel hielt S. den Kontakt zu Stekel aufrecht. Mit ihm und dem Amerikaner Samuel Tannenbaum gab er 1920–22 die Z. „Psyche and Eros“ heraus, deren antifreudian. Tendenzen zur weiteren Entfremdung mit Freud führten. Auf Grund privater und wiss. Enttäuschungen – seine Hoffnung auf ein Ehrendoktorat hatte sich zerschlagen – beging S. Selbstmord.


Werke: s. u. Mühlleitner.
Literatur: NFP, 28. 6. 1914, 12. (A.), Neues Wr. Journal, 13. 1. 1923; Internationale Z. für Psychoanalyse 9, 1923, S. 119; W. Stekel, in: Fortschritte der Sexualwiss. und Psychoanalyse 1, 1924, S. 408ff.; K. Fallend, in: Z. für Psychoanalyse und Ges.kritik 5, 1988, H. 1–2, S. 67ff. (m. B.); B. Nitzschke, in: Revue Internationale d’Histoire de la Psychoanalyse 2, 1989, S. 267ff.; ders., in: Aus dem Kreis um S. Freud ..., ed. E. Federn – G. Wittenberger, 1992, S. 170ff.; E. Mühlleitner, Biograph. Lex. der Psychoanalyse ..., 1992, S. 301ff. (m. W.); B. Nitzschke, in: H. S., Probleme der Mystik und ihrer Symbolik, 1914, Neuausg. 1997, S. 7ff.; ders., Das Ich als Experiment …, 2000, S. 15ff.
Autor: (B. Nitzschke)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 57, 2004), S. 261f.

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