Seyfried, Ignaz von

Seyfried Ignaz von, Kapellmeister und Komponist. Geb. Wien, 15. 8. 1776; gest. ebd., 26. 8. 1841; röm.-kath.

Bruder von Josef (s. d.), Onkel von Ferdinand v. S. (s. u. Josef v. S.) Bereits mit sieben Jahren in den verschiedensten Instrumenten ausgebildet, zeigte sich S. im Klavier- und Orgelspiel bes. talentiert, worin er von Mozart und L. Koželuch (s. d.) bzw. von dem Organisten J(osef [?]) Hayda Unterricht erhielt. Von seinem Vater jedoch für den Staatsdienst bestimmt, absolv. er 1792–94 die phil. Jgg. in Prag. Dort pflegte er Freundschaft mit namhaften Komponisten, u. a. mit Johann Anton Koželuch (s. u. Koželuch L.), Johann Vitásek (Wittasseck)und bes. mit Friedrich Dionys Weber, dem späteren Dir. des Prager Konservatoriums. Wieder in Wien, stud. er 1795–96 Jus, widmete sich jedoch zunehmend der Musik und dem Komponieren. Zu jener Zeit schloß er enge Freundschaft mit dem Hofkapellmeister Peter v. Winter, der ihn in die Kunst der Bühnenkomposition einführte und gem.mit Emanuel Schikaneder, dem Dir. des Freihaustheaters auf der Wieden, und dessen Kapellmeister J. B. Henneberg (s. d.) erreichte, daß S. bei Johann Georg Albrechtsberger Komposition stud. durfte.1797 wurde er von Schikaneder als Kapellmeister angestellt, im selben Jahr wurde seine erste Oper für dessen Theater (die Zauberoper „Der Löwenbrunnen“, Text von Schikaneder) mit Erfolg aufgef.; seine überaus zahlreichen folgenden Bühnenkompositionen wurden am Freihaustheater und an dessen Nachfolgetheater, dem 1801 eröffneten Theater an der Wien, etwa 1.700mal gegeben. Zur Weiterbildung stud. S. Werke dt. und italien. Komponisten, wobei ihn die Musik Mozarts bes. inspiriert zu haben schien, da er u. a. dessen Fantasie für Klavier (KV 475) für Orchester bearb. Mit Beethoven (s. d.) in enger Beziehung, leitete er 1805 die Urauff. von dessen „Fidelio“. Hatte sich S. bis dahin nahezu ausschließl. der Bühnenmusik gewidmet, so wurde nun zunehmend sein Interesse an geistl. Musik geweckt: 1805 entstand das bibl. Drama „Saul“, 1811 wurde seine erste Messe (a-Moll) uraufgef. Wahrscheinl. Mitte 1826 verließ S. das Theater an der Wien, erteilte jetzt vermehrt Unterricht im Generalbaß und in der Komposition (u. a. Franz v. Suppé) und widmete sich fast ausschließl.dem kirchenmusikal. Schaffen. Im öff. Leben trat er mehrmals als Dirigent auf. Auch als Musikschriftsteller tätig, verf. er u. a. eine große Anzahl von Artikeln für Gustav Schillings „Encyclopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften ...“ (1835ff.), Beitrr. für die Mainzer „Caecilia“ und die „Neue Zeitschrift für Musik“, red. 1819–21 die „Allgemeine musikalische Zeitung mit besonderer Rücksicht auf den österreichischen Kaiserstaat“ und gab die musiktheoret. Schriften von Albrechtsberger und Preindl (s. d.) heraus. Obwohl von Nottebohm (s. d.) der geringe Wert seiner diesbezügl. Arbeit über Beethoven erwiesen worden ist, ist diese doch wegen der in ihr enthaltenen persönl. Erinnerungen S.s interessant geblieben.


Werke: W. (332 nachgewiesen; auch s. u. bei B. v. Seyfried): 16 Messen; 4 Requien mit Libera; mindestens 80 kleinere kirchenmusikal. W.; 33 eigene Opern und Melodramen; 12 Bearb. fremder Opern; 21 Schauspielmusiken; 5 Kantaten; etc. – Ed.: J. G. Albrechtsberger´s sämmtl. Schriften über den Generalbaß, die Harmonielehre und Tonsetzkunst, 1825, 2. Aufl., 3 Bde., 1837; J. Preindl, Wr. Tonschule ..., um 1827/28; L. van Beethoven´s Stud. im Generalbasse, Contrapuncte und in der Compositions-Lehre. Aus dessen handschriftl. Nachlasse gesammelt ..., 1832, 2. Ausg. 1853, Nachdruck 1967.
Literatur: ADB; Grove, 2001; Grove, Opera; MGG; Wurzbach; R. Hirsch, Gallerie lebender Tondichter, 1836, S. 140ff.; A. Schmidt, Denksteine. Biographien von I. Ritter v. S. ..., 1848 (mit S.s ergänzter Autobiographie); Ch. Traunsteiner, I. Ritter v. S.s ernste Opern im Kontext der Zeit, DA Wien, 1990; B. v. Seyfried, I. Ritter v. S. Themat.-Bibliograph. Verzeichnis. Aspekte der Biographie und des Werkes (= Europ. Hochschulschriften 36/32), 1990; S. Punderlitschek, Das Freyhaus-Theater auf der Wieden. Das Tagebuch von I. Ritter v. S. 1795 bis 12. 6. 1801, DA Wien, 1997; P. Clive, Beethoven and his World, 2001; J. Gmeiner, Verzeichnis der Nachlässe ... in der Musiksmlg. der Österr. Nationalbibl., o. J. (Typoskript, Musiksmlg., Österr. Nationalbibl., Wien).
Autor: (Ch. Fastl)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 56, 2002), S. 209f.
geboren in Wien
gestorben in Wien

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