Seljan, Mirko

Seljan Mirko, Geograph und Ethnograph. Geb. Karlstadt (Karlovac, Kroatien), 5. 4. 1871; gest. Peru, nach 30. 3. 1913.

Sohn eines Kürschners, Bruder von Stjepan (Stevo) S. (s. u.). Nach Absolv. von 4 Kl. Kadettenschule widmete sich S. nicht dem militär. Beruf, sondern der Bautätigkeit. Er befaßte sich 1893–96 mit der Donauregulierung bei Wien und Orsova (Orsova), 1897/98 mit dem Bau von Brücken über die Donau in Budapest und im Auftrag K. Alexander III. am Fluß Newa in St. Petersburg. Seine Freizeit widmete er dem Sport. Mit dem Preisgeld von einem Sieg im Marathonlauf unternahm er eine Fußwanderung von Petersburg nach Paris, die 100 Tage dauerte, verblieb dort zwei Monate, hielt Vorträge und bereitete Violinkonzerte vor, kehrte dann wieder zu Fuß über München und Budapest nach Karlstadt zurück, wo er als „Champion of Globetrotter“ gefeiert wurde. Sein Bruder Stjepan (Stevo) S. (geb. Karlstadt/Karlovac, Kroatien, 19. 8. 1875; gest. Ouro Preto/Minas Gerais, Brasilien, 7. 6. 1936) absolv. 6 Kl. Realgymn., diente 1894–98 in der österr.-ung. Flotte, arbeitete kurzzeitig in einer Apotheke und kehrte dann nach Karlstadt zurück. Neben Lerman (s. d.) zu den bekanntesten kroat. Forschungsreisenden um die Wende des 19./20. Jh. zählend, reisten die Brüder 1899 nach Ägypten, Somalien und Äthiopien, wo Mirko am Hof K. Menelik II. zum Gouverneur der südl. äquatorialen Prov. und Stjepan zu dessen Stellv. ernannt wurden. Sie lernten die Sprache der dortigen Bevölkerung und sammelten ethnograph. Material. 1900 fertigte Mirko eine Landkarte vom südäquatorialen Äthiopien an, die als erste vollständige Übersicht gilt und eine Anordnung der Stammes-Gemeinschaften enthält. Wegen seiner Verdienste in der Organisation der Staatsverwaltung wurde er mit dem höchsten k. Diplom ausgez. 1900, im Laufe des Buru Kriegs, unterstützten die Brüder die Buru, setzten aber nach dem Friedensschluß des Burustammes mit den Engländern ihre Forschungen in Südamerika fort. 1903 erreichten sie Rio de Janeiro und gründeten dort die Fa. Mision cientifica Croata Mirko y Stjepan S. zur Erforschung der Lebensweise der Indianerstämme. Ihre Publ., im In- und Ausland veröff., verf. sie in Kroat., Dt., Französ. (Mirko) sowie in Span., Portugies. und Engl. (Stepjan). Viele ihrer Reiseberr. sammelte Zlatko Milkovic und publ. sie 1943. Bes. Verdienste erwarben sich die Brüder als Erforscher von Flüssen, u. a. des Paranapanema, Paraná, Iguaçu, Paraguay, Huallaga und Amazonas. Ihre ethnolog. Smlg. mit 133 Exemplaren spiegelte äthiop. Kulturgut am Ende des 19. Jh. wider. In Zagreb befinden sich Exponate ihrer Smlg. in der Geolog.-Paleontolog. und der Zoolog. Abt. des Kroat. Volksmus., im Ethnograph. Mus. Mss., Reiseberr., Tagebücher, Karten, Photos und Zeichnungen sowie 240 Exemplare der indian. Kultur aus Südamerika. Die Brüder S. trugen viel zur wirtschaftl. Besserstellung der Länder, in denen sie lebten, bei und unterstützten nach Südamerika ausgewanderte Kroaten. Nach Mirkos Tod setzte Stjepan die Untersuchungen der Erzsedimente in Mittel- und Südamerika fort. In Ouro Preto führte er eine Teeplantage, womit er sich großen Reichtum erwarb.


Werke: El salto del Guayara – La chute du Guayara, 1905 (gem. mit Stjepan S.); El Gobierno de los Estados Unidos del Brasil y la Mision cientifica Croata, in: Rivista de derechio historica y letras 33, 1909; Kroz pustinju i prašumu, ed. Z. Milkovic, 1943 (gem. mit Stjepan S.); zahlreiche Beitrr. in den Ztg. Prosvjeta, Obzor, Agramer Ztg., Vijenac; etc. – Stjepan S.: Viagens de exploração de dois Yugo-Slavos pelo Brasil e Republicas Limitrophes, 1919.
Literatur: NFP, 6. 12. 1913; Enc. Jug.; R. Recking, Ein Kaiserreich auf Aktien, 1936, passim; S. Ježic, Hrvatski putopisci 19. i 20. stoljeca, 1955, S. 683; Z. Keler, in: Karlovac: Radovi i gradja iz dalje i bliže prošlosti (= Zbornik 2), 1970, S. 359ff.; A. S. Lazarevic, Život i djelo brace S., 1977, S. 128; ders., Braca S. na crnom i zelenom kontinentu, 1991, S. 209; ders., in: Naš Mus. Zbornik radova znanstvenog skupa prigodom proslave 150 godina od utemeljenja Hrvatskoga Narodnog muz. u Zagrebu, 1846–1996, ed. J. Balabanic u. a., 1998, S. 211ff.
Autor: (J. Balabanic – B. Feldbauer)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 56, 2002), S. 157

Links

Download

Lifeline

Orte

  • geboren in > Karlovac
  • gestorben in > Karlovac