Seckendorff von Gudent, Arthur Frh.

Seckendorff von Gudent Arthur Frh., Forstwissenschaftler. Geb. Schweizerhalle, Kt. Basel-Land (Schweiz), 1. 7. 1845; gest. Wien, 29. 11. 1886 (Selbstmord).

Sohn eines sächs.-coburg-gothaischen Hptm. Nach Absolv. des Polytechnikums in Dresden stud. S. Forstwirtschaft an der Univ. Gießen, wo er in Gustav Heyer einen bes. Förderer fand. Bereits ein Jahr nach seiner Prom. (Dr. phil. 1867) erlangte er die venia legendi und lehrte als Priv.Doz. an der Eidgenöss. Techn. Hochschule Zürich. 1870 wurde er an die Forstakad. Mariabrunn (NÖ) als Prof. für sämtl. forstl. Betriebsfächer berufen, 1873 Reg.Rat, im folgenden Jahr mit der Organisation des forstl. Versuchswesens für Österr. und mit der Gründung mehrerer forstl. Versuchsanstalten betraut. Nach der Vereinigung der Forstakad.mit der Hochschule für Bodenkultur 1875 war er als Prof. für Forstmathematik tätig und lehrte anfangs auch Propädeutik und Methodol. der Forstwirtschaft. 1879 hielt er als erster Vorlesungen über Wildbachverbauung und wurde somit deren theoret. Bahnbrecher; auf diese Erfordernisse war er bes. bei seinen Reisen nach Südfrankreich aufmerksam geworden. Auch war S. maßgebl. an der Schaffung der Kulturtechn. Abt. der Hochschule für Bodenkultur beteiligt (1883), hatte er sich doch Ende der 70er Jahre bei der Diskussion über die Zukunft als Fach(hoch)schule als einer der wenigen für den Status einer eher theoret. ausgerichteten Lehr- und Forschungsanstalt eingesetzt. In seinen Publ. beschäftigte er sich anfangs mit forstmathemat. Themen und den Ergebnissen des forstl. Versuchswesens, in den letzten Jahrzehnten widmete er sich dagegen bes. der Wildbach- und Lawinenverbauung.


Werke: Beitrr. zur Waldwerthrechnung und forstl. Statistik, 1867; Kreisflächentafeln für Metermaß, zum Gebrauche der Holzmasse-Ermittlungen, 1870, 2. Aufl. 1875; Die forstl. Verhältnisse Frankreichs, 1879; Beitrr. zur Kenntniss der Schwarzföhre (= Mitth. aus dem forstl. Versuchswesen Österr. 7), 1881; Das forstl. Versuchswesen, insbes. dessen Zweck und wirthschaftl. Bedeutung, 1881; Verbauung der Wildbäche, Aufforstung und Berasung der Gebirgsgründe, 1884 (nach dem französ. Original von P. Demontzey); Die Wildbäche, ihr Wesen und ihre Bedeutung im Wirtschaftsleben der Völker, 1886. – Hrsg.: Mitth. aus dem forstl. Versuchswesen Österr., 1878ff.; Centralbl. für das gesammte Forstwesen, 1883ff.; usw.
Literatur: Wr. Ztg., 30. 11. 1886; ADB; Czeike; Mitt. des DÖAV, NF 2, 1886, S. 289; Zur Gedenkfeier der Gründung der Forst-Lehranstalt Mariabrunn 1813 und der k. k. Hochschule für Bodenkultur in Wien 1872, 1912– 1913; Bll. für Geschichte der Technik 5, 1938, S. 110f.; 60 Jahre Hochschule für Bodenkultur in Wien 2, 1933, S. 76, 78, 93, 109; J. H. Barnhart, Biographical Notes upon Botanists 3, 1965; H. Killian, Mariabrunner Trilogie 2/1 (= Mitt. der Forstl. Bundes-Versuchsanstalt Wien 79), 1968, s. Reg.; 100 Jahre Hochschule für Bodenkultur 1, 1972, S. 81, 269f., 290f.; Geschichte der Forstl. Bundesversuchsanstalt und ihrer Inst. (= Mitt. der Forstl. Bundes-Versuchsanstalt Wien 106), 1974, s. Reg.; 100 Jahre Inst. für Forstentomol. und Forstschutz der Univ. für Bodenkultur in Wien, 1978, S. 34ff.; H. Killian, Bibliographie zur Geschichte von Kloster ... Mariabrunn-Schönbrunn (= FBVA-Berr. 41), 1990, s. Reg.; AVA, Archiv der Hochschule für Bodenkultur, WStLA, alle Wien.
Autor: (P. Ebner)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 55, 2001), S. 80f.

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