Schubert, Andreas d. Ä.

Schubert Andreas d. Ä., Krippenspieler und Maurerpolier, Beiname Ellewuschi, Allawuschara u. a. Geb. Eger, Böhmen (Cheb, Tschechien), 23. 7. 1767; gest. ebenda, 25. (21.) 1. 1838.

Sohn eines Zimmermalers, Onkel von Andreas S. d. J. (s. u.). S., über dessen Leben wenig bekannt ist, erwarb sich beim Brand in Eger 1809 so große Verdienste um die Eindämmung der Katastrophe, daß er neben dem Ehrenbürgerrecht und einem Geldgeschenk, das er für die Armen spendete, die Erlaubnis zur öff. Auff. von Krippenspielen erhielt. Über diese von S. selbst verf. Weihnachts-Puppenspiele, von denen nur die Spiele über die Geburt Christi, die Unschuldigen Kinder, die Beschneidung des Herrn sowie das Dreikönigsspiel mit Sicherheit belegt sind, ist wenig überliefert. Sie wurden von S.s Neffen, dem Zimmermaler und späteren Gastwirt Andreas S. d. J. (geb. Eger, 7. 3. 1821; gest. ebenda, 27. 11. 1898), mit Hilfe von dessen Familie, insbes. seiner Söhne, des Zimmermalers Georg und des Polizeiwachtmeisters Andreas S. (1856–1903), bis 1891 – wenn auch mit größerer Unterbrechung – weitergeführt und ausgebaut. Sie erfreuten sich unter seiner Leitung größter Beliebtheit, sodaß auch ihm dieselben Beinamen wie seinem Onkel (die soviel wie Beweger, d. h. Puppenspieler bedeuten) verliehen wurden. Zunehmend wurden die bibl. Handlungen – aus dem Neuen, aber auch aus dem Alten Testament – mit Szenen aus dem Volksleben, Mundartged., Volksliedern usw. bereichert, etwa den wohl von Andreas S. d. J. selbst verf. Spielen „Die Kreuzschlepper und die Buckelpeitscher“ oder „D’eghalanda Bauarn-Hauchzat“ (S. war im Nebenberuf lange Zeit Hochzeitslader bei Bauernhochzeiten und verfügte so über einschlägige Erfahrung). Das in der spiel- und theatergeschichtl. Tradition Egers stehende S.sche Krippentheater, eines der umfangreichsten und am längsten wirkenden im süddt. Sprachraum, ist sowohl aus theatergeschichtl. Sicht als auch unter volkskundl. Aspekt von Interesse. 1920–23 wurde der Versuch unternommen, die Spiele durch Auff. auf der Hausbühne des Egerer Gymn. wiederzubeleben. Neben seinem Berufsleben und seinem Einsatz für das Krippentheater engagierte sich Andreas S. d. J. auch im Ver.Leben von Eger, u. a. führte er die Geschäfte des von seinem Onkel mitbegründeten bürgerl. Leichenver. weiter und war selbst Mitbegründer verschiedener Ver., wie des Militär-Veteranenver.


Werke: Spieltexte in: Egerer Jb. 10, 1880 und 12, 1882, Unser Egerland 17–19, 1913–15, bei K. Schubert, Das Alt-Egerer Krippentheater (s. u.), usw.
Literatur: Egerer Ztg., 30. 11. 1898 (hauptsächl. für Andreas S. d. J.); Egerländer Biograf. Lex.; A. Karasek-Langer, in: Jb. für ostdt. Volkskde. 8, 1964, S. 187ff.; Heimatkr. Eger, (1981), S. 564; Mitt. des Sudetendt. Archivs 83, 1986, S. 69; K. Schubert, Das Alt-Egerer Krippentheater (= Veröff. des Collegium Carolinum 46), 1986; ders., in: Eger und das Egerland, hrsg. von L. Schreiner, (1988), S. 588ff. (mit Bild von Andreas S. d. J. und Literaturhinweisen).
Autor: (E. Lebensaft)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 53, 1998), S. 269f.

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