Schuch, Carl Eduard

Schuch Carl Eduard, Maler. Geb. Wien, 30. 9. 1846; gest. ebenda, 13. 9. 1903.

Sohn eines Cafetiers und Gasthofbesitzers. S. stud. nach fünf Jahren Realschule 1865–67 an der Wr. Akad. der bildenden Künste bei Karl Wurzinger und Karl Mayer (s. d.), brach jedoch das Stud. ab und nahm ab 1867 Privatunterricht bei dem Landschaftsmaler Halauska (s. d.), mit dem er erste Naturstud. im Salzkammergut durchführte. 1869 machte S. in Venedig die Bekanntschaft des Karlsruher Kunststudenten Albert Lang, mit dem er eine einjährige Stud.Reise durch Italien (Rom, Neapel, Sizilien, Olevano, Florenz) unternahm. Ab Anfang 1871 weilte er für längere Zeit in München, wo er durch Lang die Bekanntschaft zunächst mit dem Maler Wilhelm Trübner, dann auch mit Wilhelm Leibl machte. Um letzteren bildete sich ein Künstler-Kreis, dem neben S., Trübner und Lang, die ein Atelier teilten, u. a. Rudolf Hirth, Theodor Alt, Karl Haider, Robert Sperl und Schider (s. d.) angehörten. Im Frühsommer 1872 malte er kurz in Purkersdorf b. Wien, traf im Herbst mit Trübner in Venedig zusammen und teilte mit diesem während der Wintermonate 1872/73 ein Atelier in Rom. Im Frühling 1873 hielt er sich wieder in Olevano, im Sommer am Hintersee bei Berchtesgaden auf, wo S. den Berliner Maler Karl Hagemeister kennenlernte. Mit diesem fuhr er im Herbst zur Weltausst. nach Wien, von hier weiter nach Dresden und Brüssel, wo er 1873/74 das Atelier mit Hagemeister teilte. Von dort aus unternahm er Stud.Reisen nach Paris (?) und Holland; im Sommer 1874 fuhr er gem. mit Trübner nach Rügen, in den Harz, den Bayer. Wald und an den Chiemsee. Die Wintermonate 1874/75 und 1875/76 verbrachte S. in München, den Sommer 1875 abermals in Olevano. Im Sommer 1876 malte S. mit Trübner in Oberbayern (Weßling und Bernried) vor gleichen Motiven und wandte sich auf Trübners Anregung dem Malen von Stilleben zu. Ab November 1876 bezog er für sechs Jahre ein Atelier in Venedig, wo u. a. die großen Küchenstilleben entstanden. Die Sommer 1878, 1880 und 1881 verbrachte er mit Malaufenthalten bei Hagemeister in der Mark Brandenburg (Kähnsdorf, Ferch), von wo er Mus.- und Galeriebesuche in Berlin und Dresden unternahm. Im Frühling 1882 hielt er sich zum Mus.Besuch in Turin, Genua, Nizza, Marseille und Wien auf, während des Sommers malte er am Hintersee, im Herbst desselben Jahres löste S. das Atelier in Venedig auf und übersiedelte nach Paris. Während er die Winter bis 1894 in Paris verbrachte, reiste er im Sommer 1883 mit Hagemeister wieder zum Hintersee, 1884 und 1885 allein nach Holland, ab 1886 malte S. im französ. Jura (Saut de Doubs). 1891 erkrankte er und begab sich zur Kur nach Karlsbad (Karlovy Vary) und Bad Aussee; 1894 übersiedelte er krankheitshalber nach Wien, beendete seine kontinuierl. Maltätigkeit und mußte sich 1898 zur Behandlung in ein psychiatr. Sanatorium in Wien begeben, wo er schließl. in geistiger Umnachtung starb. Auf der Grundlage des Leiblschen Kolorismus, vertieft durch das Stud. der Alten Meister und durch die Auseinandersetzung mit den zeitgenöss. Franzosen (Barbizon-Maler, Courbet, seit 1883 auch Impressionisten) entwickelte S. seit Mitte der 70er Jahre kontinuierl. die Idee des Bildes als „coloristische Handlung“. Sein Werk, mit dem Höhepunkt in der Pariser Zeit, zeigt demnach eine Spielart des Realismus, die von der mimet. Wiedergabe des Darzustellenden abgeht, vielmehr das Erfassen der farbl. und lichtmäßigen Interdependenzen der Bildgegenstände zum Ziel hat. S. umkreist diese Problemstellung an Hand weniger, immer wiederkehrender Motivkonstellationen – in Stilleben, Architekturstücken, Landschaften – mittels ausgeklügelter Tonmalerei und eines fleckigen Farbauftrags. S.s künstler. Position ist im Zusammenhang mit dem Münchner Leibl-Kreis zu sehen, dessen These des „Reinmalerischen“ er mit den Jahren zunehmend als Einzelgänger vertrat.


Werke: Gebirgsbach, 1867 (Smlg. Schäfer, Schweinfurt); Brückenruine am Flußlauf, 1870 (Morat-Inst., Freiburg i. Br.); Junge am Schrank, 1872 (Kunsthalle, Karlsruhe); Waldlichtung bei Purkersdorf, 1872, Pariser Häuser, um 1874, Selbstbildnis, 1875–76 (alle Österr. Galerie, Wien); Straße in Olevano, 1875 (Niedersächs. Landesmus., Hannover); Apfelstilleben mit Weinglas und Krug, 1876 (Neue Pinakothek, München); Bildnis K. Hagemeister, 1876 (Niedersächs. Landesmus., Hannover, und Nationalgalerie, Berlin); Stilleben mit Zinnkrug und Weinglas, 1876 (Nationalgalerie, Berlin); Stiefmütterchen, 1878 (Bayer. Staatsgemäldesmlgg., München); Hof der Abbazia S. Gregorio, Trödelbude, beide 1878 (beide Niedersächs. Landesmus., Hannover); Bauernhaus in Ferch, 1878 (Lenbachhaus, München); Großes Küchenstilleben, 1879 (Österr. Galerie, Wien); Wildente mit Emailtopf, 1879 (Wallraf-Richartz-Mus., Köln, und Kunsthalle, Bremen, sowie Morat-Inst., Freiburg i. Br.); Großes Matteo-Stilleben, 1879 (Muz. Narodowe, Wroclaw); Schleuse bei Kähnsdorf, 1880 (Neue Pinakothek, München, und Kunstmus., St. Gallen); Birkenwald, 1881 (Kunstmus., Düsseldorf); Gebirgslandschaft am Hintersee, 1882 (Bayer. Staatsgemäldesmlgg., München); Schuchs Pariser Atelier, Stilleben mit Käseglocke und Früchten, beide 1882–84 (Morat-Inst., Freiburg i. Br.); Rosen, Keksteller und Orangen, 1884 (Suermondt-Ludwig-Mus., Aachen); Kürbisse, Pfirsiche und Weintrauben, 1884 (Österr. Galerie, Wien); Äpfel auf Weiß, 1884–85 (Morat-Inst., Freiburg i. Br., und K.-Wilhelm-Mus., Krefeld, sowie Staatl. Kunstsmlgg., Kassel); Pfingstrosen, 1885 (Staatsgalerie, Stuttgart); Äpfel auf Weiß, 1885–86 (Niedersächs. Landesmus., Hannover, und Kunstmus., Düsseldorf, sowie Städel’sches Kunstinst., Frankfurt a. Main); Raumecke mit hängenden Hasen, um 1885 (Morat-Inst., Freiburg i. Br.); Porreebündel, 1886–87 (Niedersächs. Landesmus., Hannover, und Muz. Narodowe, Wroclaw, sowie Lenbachhaus, München); Waldinneres, 1886–93 (Stiftung Pommern, Kiel, und Österr. Galerie, Wien); Stilleben mit Maraschinoflasche, 1888 (Mus. Wiesbaden); Mühle bei Saut de Doubs, um 1888 (Neue Galerie, Linz, und Niedersächs. Landesmus., Hannover, sowie Stiftung Pommern, Kiel); Gladiolen und Apfelsinen, 1890–93 (Kunsthalle, Mannheim); Gebirgsbach bei Saut de Doubs, um 1890 (Nationalgalerie, Berlin); usw. Hauptkonvolut der Zeichnungen in der Albertina, Wien. – Venezian. Tagebuch, Österr. Galerie, Wien; Pariser Tagebuch, Kunsthalle, Karlsruhe.
Literatur: Die Zeit, 9. 5. 1986; Fuchs, 19. Jh.; Wurzbach (s. u. S. Franz); Ausst.Kat. C. S., Wien 1906; K. Hagemeister, in: Kunst und Künstler 6, 1908, S. 152ff. (mit Bild); A. Roessler, ebenda, 7, 1909, S. 63ff.; K. Hagemeister, K. S. Sein Leben und seine Werke, 1913 (mit Bild); ders., in: Kunst und Künstler 11, 1913, S. 145ff.; I. Beer-Walbrunn, ebenda, 18, 1920, S. 489ff.; C. S. Briefe, mit einem Vorwort von A. Roessler (= Künstlerbriefe 3), 1922; C. S. als Zeichner, bearb. von F. Haberditzl, Wien 1936 (Kat.); E. Ruhmer, in: Deutschland – Italien … FS für W. Waetzoldt …, 1941, S. 340ff.; W. Trübner und sein Kreis, Karlsruhe 1951, S. 37f. (Kat.); F. Novotny, Painting and Sculpture in Europe 1780 to 1880 (= The Pelican History of Art 20), 1960, s. Reg.; B. Grimschitz, Österr. Maler vom Biedermeier zur Moderne, (1963), s. Reg., S. 15 (Selbstporträt); R. Feuchtmüller – W. Mrazek, Kunst in Österr. 1860–1918, (1964), S. 54f., 57; R. Zeitler, Die Kunst des 19. Jh. (= Propyläen Kunstgeschichte 11), 1966, s. Reg.; Kindlers Malerei Lex. 5, (1968); R. Migacz, C. S. als Landschaftsmaler, phil. Diss. Wien, 1973; W. Leibl und sein Kreis, München 1974 (Kat.); Courbet und Deutschland, Hamburg 1978, S. 442ff. (Kat.); B. Huck-Hajek, K. S. Die Stilleben, phil. Diss. Wien, 1979; Die Münchner Schule 1850–1914, bearb. von E. Ruhmer, München 1979, S. 357ff. (Kat.); E. Ruhmer, in: Gazette des Beaux-Arts 95, 1980, S. 187ff.; ders., Der Leibl-Kreis und die Reine Malerei, (1984), s. Reg.; W. Leibl und sein Malerkreis, Rosenheim 1985 (Kat.); C. S. 1846–1903, hrsg. von G. Boehm, R. Dorn und F. A. Morat, Mannheim-München 1986 (Kat.); Corot, Courbet und die Maler von Barbizon „Les amis de la nature“, hrsg. von Ch. Heilmann, M. Clarke und J. Sillevis, München 1996, S. 54f. (Kat.); Archiv der Akad. der bildenden Künste, Wien.
Autor: (M. Haja)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 53, 1998), S. 279f.

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