Scholl, Heinrich Frh. von

Scholl Heinrich Frh. von, General und Festungstechniker. Geb. Venedig, Venetien (Venezia, Italien), 27. 4. 1815; gest. Görz, Görz-Gradisca (Gorizia, Italien), 15. 5. 1879.

Sohn des Franz v. S., Schwager von A. Frh. v. Henikstein und D. Frh. v. Salis-Soglio (alle s. d.). Besuchte 1829–34 die Ing.Akad. in Wien, wurde 1834 als Kadett dem Ing.Korps zugeteilt, 1835 Unterlt., 1839 Oblt., 1842 Hptm. 2., 1848 1. Kl., 1851 Mjr., 1855 Obstlt., 1860 Obst., 1867 GM und trat 1871 i. R. Ab 1835 vorerst bei der Befestigungsbaudion. Verona tätig, diente er ab 1838 in Graz, 1845 in Salzburg sowie in der Festung Linz, kam noch im selben Jahr zu der von Österr. verwalteten Bundesfestung Mainz, 1850 nach Wien, stud. im selben Jahr als Chef einer militär.- techn. Komm. im Ausland Probleme des Verpflegswesens und fand nach kurzer Tätigkeit im Ing.Geographenkorps 1851–53 bei dem mit der Reform der Militärbildungsanstalten betrauten FML J. B. Gf. Coronini-Cronberg (s. d.) Verwendung. 1858 reiste S., der schon 1847 anläßl. einer Urlaubsfahrt die Befestigungen von Gibraltar beschrieben hatte, in geheimer Mission zur Aufnahme der Fortifikationen nach Piemont, leitete im Folgejahr im Zuge des Kriegs in Italien den Geniedienst bei der Blockade von Venedig und projektierte die Neubefestigung der Stadt, die er 1859/60 auch ausführte. Ab 1862 Adlatus des Präses des Geniekomitees, plante und leitete er im Krieg von 1866 als Geniedir. von Olmütz (Olomouc) die Verteidigungsinstandsetzung der Festung, den Ausbau einiger permanenter Fortifikationen, die Errichtung mehrerer Erdwerke sowie den Geniedienst während der Zernierung durch die Preußen. 1869 kam S., der schon ab 1853 dem Geniestab und später dem großen Gen.Stab angehörte, als Sektionschef in das Reichskriegsmin. und fungierte schließl. von Februar bis November 1871 als Landesverteidigungsmin. Neben Fortifikationen befaßte er sich auch mit anderen Militärgebäuden und entwarf u. a. die 1854–57 von ihm auch errichtete, 1900/01 im Zuge der sog. Kasernentransaktion abgebrochene Franz-Joseph-Kaserne in Wien sowie den Bau für eine vereinigte Art.- und Genieakad. im Park der Theresian. Militärakad. Wr. Neustadt. 1854 konnte er die Arbeiten an letzterer zwar beginnen, mußte sie jedoch 1856 aus Geldmangel wieder einstellen. 1867 zum Vorsitzenden des engeren Komitees der zwei Jahre nach der großen Überschwemmung von 1862 eingesetzten Wr. Donauregulierungskomm. gewählt, hatte er auch maßgebl. Anteil am Zustandekommen des 1869–84 realisierten Projekts. S., in Anerkennung der Leistungen seines Vaters ab 1839 Frh., war Mitgl. der Komm. für die Überwachung militär. Bauten, wurde für seine Verdienste im In- und Ausland geehrt und galt als hervorragender Praktiker wie Theoretiker der Befestigungskunst, die er 1866–67 an der Theresian. Militärakad. in Wr. Neustadt auch lehrte. In zahlreichen Publ. behandelte er neben fortifikator. Problemen auch Fragen der Nutzbarmachung von Gewässern für wirtschaftl. Zwecke.


Werke: Plan einer Zentralakad. im Park der Theresian. Militärakad., Stadtmus., Wr. Neustadt, NÖ; über 100 Pläne, KA Wien. – Publ.: Die Stellung von Prewald im Jahre 1809, in: Streffleur, 1864, Bd. 3; Über Baustyl, in: Mitth. des k. k. Génie-Comité über Gegenstände der Ing.- und Kriegs-Wiss., 1864, auch selbständig; Systemisierung von Minen-Versuchen …, ebenda, 1864; Über Verwendung der Cav. zur Vertheidigung von Festungen und Küsten, ebenda, 1864, auch selbständig; Über Reduits, ebenda, 1864, auch selbständig; Abriss der Geschichte des Kampfes um Gerona im Jahre 1809 …, ebenda, 1865, auch selbständig; Die interessantesten Bruchstücke aus der Geschichte der Vertheidigung von Colberg … 1807, ebenda, 1865, auch selbständig; Anleitung zur Anlage von Eisenbahnen …, ebenda, 1865, auch selbständig; Über Nutzbarmachung der Ströme …, ebenda, 1865, auch selbständig; Abriss der Geschichte des Krieges 1840–41 in Syrien, ebenda, 1866, auch selbständig; Aphorismen über Befestigungskunst, 1866; usw.
Literatur: N. Fr. Pr., 19. 5. 1879; Czedik 1, s. Reg., bes. S. 246f.; Gatti, s. Reg., bes. 1, S. 762; Wurzbach; Vedette, 21. 5. 1879; V. Thiel, in: Jb. für Landeskde. von NÖ, NF 4/5, 1906, S. 89ff.; Die Neustädter Burg …, hrsg. von J. Jobst, (1908), S. 185f.; D. Frh. v. Salis-Soglio, Mein Leben … 1–2, 1908, s. Reg.; O. Knauer, Österr. Männer des öff. Lebens von 1848 bis heute, 1960; Wr. Neustadt. Festung, Residenz, Garnison, red. von G. Gerhartl, Wr. Neustadt 1972, S. 171 (Kat.); G. Gerhartl, Wr. Neustadt, 2. Aufl. 1993, S. 398f.; L. V. Bozzetto, Verona …, 1993, S. 175; AVA, KA, beide Wien.
Autor: (F. Hillbrand-Grill)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 52, 1997), S. 118
geboren in Venedig
gestorben in Görz

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