Schonka, Franz Xav. von

Schonka Franz Xav. von, Beamter, Verkehrsfachmann. Geb. Agram (Zagreb, Kroatien), 18. 5. 1859; gest. Wien, 7. 9. 1947.

Stud. ab 1876 Jus an der Univ. Wien, leistete 1877/78 seinen Militärdienst beim Art.Rgt. 7 (Lt.) ab und wurde 1883 zum Dr. jur. prom. Schon 1881 als Konzeptspraktikant bei der Finanzlandesdion. Wien in den Staatsdienst getreten, fand er 1881/82 bei der Finanzprokuratur, ab 1882 bei der Staatseisenbahnverwaltung Verwendung, wo er 1883 Konzeptsadjunkt, 1888 Referent, 1890 Sekretär 1. Kl., 1894 Insp., 1896 Oberinsp. mit Titel und Charakter eines Sektionsrats, 1898 Sektionsrat, 1902 Min.Rat und 1907 Sektionschef ad personam wurde. 1910 zum Präs. der Ersten k. k. priv. Donaudampfschiffahrtsges. (DDSG) berufen, trat er 1933 i. R. Von der Staatseisenbahnverwaltung kurzfristig bei der Betriebsdion. Villach eingesetzt, tat er ab 1894 wieder in Wien Dienst, ab 1896 im damals begründeten Eisenbahnmin., wo er ab 1898 dem Dep. für Tarifwesen, ab 1908 der kommerziellen Sektion vorstand und sich bes. bei den Ausgleichsverhh. mit Ungarn verdient machte. Nach dem 1910 zwischen Staat und DDSG geschlossenen Subventionsvertrag agierte er in diesem Unternehmen als Vertrauensmann der Regierung. Unter seiner Führung schritt die Ges. an die notwendige wirtschaftl. Sanierung und begann mit dem Ausbau ihrer Kohlenbergwerke in Ungarn, errichtete eine Zentralaufbereitungsanlage und sorgte für ein entsprechendes Verkehrskonzept. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs stellte S. vor bes. Probleme. Trotz der weitestgehenden Heranziehung der DDSG für militär. Zwecke konnte er den zivilen Verkehr aufrecht halten, die Modernisierung der Bergwerke fortsetzen und 1917 gem. mit der Ung. Fluß- und Schiffahrts AG die kgl. bulgar. Schiffahrtsges. „Dunav“ gründen. Noch schwieriger jedoch gestalteten sich die Verhältnisse nach dem Zusammenbruch der Donaumonarchie. Der Präs. konnte das Anwachsen der Schuldenlast nicht verhindern und suchte schon 1919 Kontakte zu engl. Finanzkreisen, die 1920 knapp ein Drittel des Aktienkapitals übernahmen. 1921 mußte die DDSG dann noch ca. die Hälfte ihrer Flotte an die Nachfolgestaaten abtreten. Da eine neue Anleihe nicht den gewünschten Erfolg brachte, suchte S. die Kooperation mit der ung. Ges., erwarb gem. mit dieser das gesamte Aktienpaket der Süddt. Donaudampfschiffahrtsges., rationalisierte den Betrieb und traf 1926 ein Übereinkommen, dem sich 1927–29 auch der Bayer. Lloyd, die Continentale Motorschiffahrtsges. sowie die französ. Donauschiffahrtsges. anschlossen. In Form einer Betriebsgemeinschaft wollte er die Bildung rivalisierender Blöcke verhindern, konnte aber die Verschlechterung der Finanzlage letztl. nicht abwenden und trat vor einem neuerl. Subventionsabkommen mit dem Staat zurück. S. fungierte daneben ab 1915 als Präs. der Kriegs-Getreideverkehrsanstalt, ab 1917 als Mitgl. der Komm. zur Prüfung der Tätigkeit der kriegswirtschaftl. Organisation, ab 1923 als Vizepräs., ab 1931 als Präs. der Verwaltungskomm. der Österr. Bundesbahnen und wirkte auch im Rahmen der Wr. Handelskammer sowie der Schiffsbautechn. Versuchsanstalt. S. erhielt mehrere Orden und wurde 1916 Geh. Rat, 1933 Ehrenmitgl. des Klubs österr. Eisenbahnund Schiffahrtsbeamten und 1908 nob. Verdient um die Sicherung der Versorgung im Ersten Weltkrieg, galt er später als einer der wichtigsten Verkehrsexperten der Ersten Republik.


Werke: Kommerzieller Betrieb und Tarifwesen, in: Geschichte der Eisenbahnen 5/1; Die Kriegs-Getreide Verkehrsanstalt (= Abhh. aus dem Gebiete der Kriegswirtschaft 2), 1918; usw.
Literatur: Illustriertes österr.-ung. Ehren-Buch, (1909), S. 157; Ztg. des Ver. Mitteleurop. Eisenbahnverwaltungen 71, 1931, S. 1179, 73, 1933, S. 834; A. Jordan, in: Verkehrswirtschaftl. Rundschau 1, 1933, S. 29f. (mit Bild); H. Grössing u. a., Rot-Weiss-Rot auf blauen Wellen. 150 Jahre DDSG, 1979, S. 115ff.; H. Loewenfeld-Russ, Im Kampf gegen den Hunger, hrsg. von I. Ackerl (= Stud. und Quellen zur österr. Zeitgeschichte 6), 1986, s. Reg.; AVA Wien.
Autor: (P. Mechtler)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 52, 1997), S. 136

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