Schmid, Theodor

Schmid, — Theodor Mathematiker. Geb. Erlau, Kom. Heves (Eger, Ungarn), 6. 12. 1859; gest. Wien, 30. 10. 1937.

Entstammte einer fränk.-schwäb. Familie, Sohn eines nach einer Verwundung in der Schlacht bei Königgrätz (Hradec Králové) vorzeitig pensionierten Off., Großneffe des Chirurgen Josef Frh. v. Wattmann. Stud. nach Absolv. der Realschule in Linz gem. mit dem ihm befreundeten Franz Frh. Krieg v. Hochfelden, dem späteren Prof. für Mathematik an den Techn. Hochschulen in Graz und Wien, ab 1877 an der Allg. Abt. der Techn. Hochschule in Wien, u. a. bei J. Kolbe, Pierre (beide s. d.) und Anton Winckler, und hörte auch an der dortigen Univ. Mathematik, u. a. bei Leo Königsberger und Emil Weyr, Physik bei Josef Stefan. 1882 legte er die Lehramtsprüfung für Mathematik und darstellende Geometrie an Oberrealschulen, 1886 jene für Physik ab, war 1882/83 Probekandidat, 1884/85 Supplent an der Realschule in Linz und widmete sich dann bis zu seiner 1892 erfolgten Bestellung als Prof. an der Realschule in Steyr mathemat. Forschungen. 1899 an die Schottenfelder Realschule in Wien versetzt, kam er noch im selben Jahr als Supplent der II. Lehrkanzel für darstellende Geometrie an die dortige Techn. Hochschule, wurde 1900 ao., 1906 o. Prof. für darstellende Geometrie und suppl. 1901/02 auch die I. Lehrkanzel für darstellende Geometrie. 1914/15 sowie 1915/16 stand er als Dekan der Allg. Abt. der Techn. Hochschule vor, die Wahl zum Rektor 1918 mußte er jedoch aus gesundheitl. Gründen ablehnen und trat 1929 i. R. S. vertrat in seinen wiss. Arbeiten die herkömml., darstellende und projektive Geometrie verbindende, synthet. Forschungsrichtung, stand aber neuen Entwicklungen aufgeschlossen gegenüber. In der Lehre stets um eine Verbindung von Theorie und Praxis bemüht, suchte er dieser Methode durch die Smlg. von Konstruktionsbeispielen Verbreitung zu verschaffen, widmete sich in bes. Ausmaß der Heranbildung der Lehramtskandidaten sowie der Maschinenbauer und verf. ein Lehrbuch der von ihm vertretenen Disziplin, in welchem er mehrere Prinzipien darlegte, die allg. Gültigkeit erlangten, wie z. B. das Drehfluchtprinzip. Seine Lehrkanzel gestaltete er sowohl in räuml. wie personeller Hinsicht aus und sorgte auch für den Aufbau der Bibl. S., der unvermählt blieb, widmete einen bedeutenden Geldbetrag der Akad. der Wiss. in Wien für die Hrsg. von Publ. und die Förderung junger Wissenschafter. Mehrfach ausgez., wurde er u. a. 1918 Mitgl. der k. Leopoldin.-Carolin. Dt. Akad. der Naturforscher in Halle, 1921 HR, 1928 korr. Mitgl. der Akad. der Wiss. in Wien, Ehrenmitgl. der Österr. Ges. für Photogrammetrie und gehörte der Prüfungskomm. für das Lehramt an Mittelschulen sowie mehreren Staatsprüfungskomm. der Techn. Hochschule an. Gem. mit seinem Kollegen E. Müller (s. d.), in dessen Schatten er seines bescheidenen Wesens wegen etwas stand, bestimmte er durch mehr als ein Vierteljh. die Wr. Schule der darstellenden Geometrie.


Werke: Über das Coinzidenzproblem, in: Monatshe. für Mathematik und Physik 4, 1893; Über trilinear verwandte Felder als Raumbilder, ebenda, 6–7, 1895–96; Über ein kinemat. Modell, in: Z. für Mathematik und Physik 48, 1903; Zur konstruktiven Behandlung des Achsenkomplexes, in: Jahresber. der Dt. Mathematiker-Vereinigung 16, 1907; Maschinenbaul. Beispiele für Konstruktionsübungen zur Darstellenden Geometrie, 1911, 2. Aufl. 1925; Darstellende Geometrie, 2 Bde., 1912–21, Bd. 1, 3. Aufl. 1922, Bd. 2, 2. Aufl. 1923; Über die Koinzidenzaufgabe der darstellenden Geometrie des vierdimensionalen Raumes, in: Sbb. Wien, math.-nat. Kl. 137, Abt. 2 a, 1928; usw.
Literatur: E. Doležal, in: Österr. Z. für Vermessungswesen, 1937, S. 131f.; Inauguration TH Wien 1937/38, 1938, S. 85ff. (mit Bild und Werksverzeichnis); K. Pilizotti, in: Z. für mathemat. und naturwiss. Unterricht 69, 1938, S. 83f.; Almanach Wien 88, 1939, S. 287ff. (mit Werksverzeichnis); Jb. der Wr. Ges., 1929; Kürschner, Gel.Kal., 1926–35; Poggendorff 4–7a; A. Lechner, Geschichte der Techn. Hochschule in Wien (1815–1940), 1942, s. Reg., bes. S. 155f.; 150 Jahre Techn. Hochschule in Wien 1815–1965, 2, hrsg. von H. Sequenz, 1965, s. Reg., bes. S. 137f. (mit Bild); R. Einhorn, Vertreter der Mathematik und Geometrie an den Wr. Hochschulen 1900–40 ( = Diss. der Techn. Univ. Wien 43/2), 1985, S. 633ff. (mit Bild und Werksverzeichnis); Inst. für mathemat. Geodäsie und Geometrie, Techn. Univ. Graz, Stmk.
Autor: (Ch. Binder)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 49, 1993), S. 296f.

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