Schmiedel, Johann Bapt.

Schmiedel (Schmiedl) Johann Bapt., Dirigent, Komponist und Beamter. Geb. Wien, 4. 11. 1790; gest. ebenda, 14. 12. 1849.

Sohn eines Rechnungsrates bei der siebenbürg. Hofbuchhaltung. Nach erstem Musikunterricht bei Ružicka (s. d.) kam S. als Sängerknabe an die Piaristenkirche in Wien-Josefstadt, wo der dortige Regenschori seine Ausbildung leitete. Weiters wurde er bei Franz Volkert in Klavier und Harmonielehre sowie bei Drechsler (s. d.) im Generalbaß ausgebildet. 1806 erhielt S. eine Stelle als Waldamtsschreiber und Rechnungsführer, später als Aktuar in Neuberg (Stmk.), wo er beim dortigen Organisten Matthias Forster Unterricht im Generalbaßspiel erhielt. 1809 rückte er zur steir. Landwehr ein. 1814 wurde S. durch Stellentausch Akzessist, 1829 Kanzlist bei der Hofkammer in Wien. Nach deren Auflösung im Jahre 1848 wurde er ins Min. für Finanzen übernommen. Seine freie Zeit widmete S. der Musik. Er wurde Chordir. an der Piaristenkirche und übte diese Tätigkeit auch an anderen Wr. Kirchen, so bei St. Augustin, aus. 1829–32 und 1835– 49 war S. Mitgl. der Dion, der Ges. der Musikfreunde in Wien, deren Gesellschaftskonzerte er 1838–49 fast ausschließl. leitete, ebenso wie die großen Musikfeste. Ab 1830 dirigierte er gem. mit Lannoy (s. d.) und Karl Holz die Concerts spirituels, die sich der Aufführung der großen Oratorien widmeten. S. arrangierte alljährl. die Akad. zum Besten des Wr. Bürgerspitals und dirigierte auch einige Male große Wohltätigkeitskonzerte in Preßburg (Bratislava). S., der in den zeitgenöss. Kritiken als umsichtiger, präziser und energ. Orchesterleiter beschrieben wird, war auch Komponist. Aus seiner Neuberger Zeit wird von kirchl. Kompositionen berichtet, die aber nicht erhalten sind. Seine Frau (ab 1825) Juliana Anna, geb. Schauf (geb. Wien, 17. 7. 1807), 1820 Schülerin des Konservatoriums der Ges. der Musikfreunde in Wien, war Pianistin und Sängerin. Sie unterstützte ihren Gatten bei den Auff. in der Augustinerkirche und wirkte wie er auch bei den musikal. Veranstaltungen der Pianistin Paradis (s. d.) mit.


Literatur: (tw. auch für Juliana S.): Der Wanderer vom 14. (Abendausg.), Wr. Ztg. vom 19. 12. 1849; Allg. musikal. Ztg . . . . 5, 1821, S. 276; Allg. Wr. Musik-Ztg. 4, 1841, S. 617; L. Sonnleithner, in: Osterr. Musikztg. 16, 1961, S. 150; R. Ulrich, in: Musikerziehung 16, 1962/63, S. 189; Wurzbach; C. F. Pohl, Die Ges. der Musikfreunde . . ., 1871, S. 155; R. v. Perger – R. Hirschfeld, Geschichte der k. k. Ges. der Musikfreunde in Wien, 1912, S. 59, 281, 320; E. Hanslick, Geschichte des Concertwesens in Wien, Nachdruck 1979, S. 291; Finanz- und Hofkammerarchiv, Wien.
Autor: (A. Harrandt)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 49, 1993), S. 328

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