Schmück, Franz Frh. von

Schmück Franz Frh. von, Beamter und Politiker. Geb. Pilsen, Böhmen (Plzen, Tschechien), 5. 10. 1797; gest. Brünn, Mähren (Brno, Tschechien), 29. 5. 1862.

Sohn eines Militärbeamten. Absolv. die Gymn. in Pilsen und Budweis (Ceské Budejovice), die philosoph. Jgg. an der Univ. Prag (1815/16) und stud. dort Jus (1816–19). 1820 trat S. in Budweis als Kriminal-Büropraktikant in den Justizdienst, wurde 1822 Kriminal-Aktuar, 1830 Magistrats-Sekretär in Teplitz (Teplice), 1834 Magistratsrat in Karlsbad (Karlovy Vary), 1837 Bürgermeister und Krirninalgerichtsvorsteher in Leitmeritz (Litomerice), 1843 Magistrats- und Kriminalgerichtsrat in Prag. Mit der Ernennung zum Rat am Böhm. Appellationsgericht 1847 begann die steile Karriere, die er, nach seiner Tätigkeit als Justizkoär. bei der Komm. zur Ausmittlung der Patrimonialgerichtsbehörden (1848), 1849 mit der Ernennung zum Kreispräs, für den Bez. Pilsen und 1853 mit der Berufung in die Landesorganisationskomm. für die Bukowina sowie mit der Beförderung zum Landesregierungspräs. des Herzogtums Bukowina krönen konnte, das förml. von der Verwaltung Galiziens getrennt wurde und eine eigene Landesregierung erhielt, für deren Aufbau S. alle Voraussetzungen mitbrachte. In der Landeshauptstadt Czernowitz (Cernivci) bot sich dem energ. Verwaltungsbeamten ein reiches Betätigungsfeld für die soziokulturelle Modernisierung des im raschen Aufstieg begriffenen jüngsten Kronlandes. Er unterstützte die Bemühungen des 1851 ins Leben gerufenen „Landes-Bibliotheks-Comités“ und bewirkte in Zusammenarbeit mit A. Fikker (s. d.) den zügigen Aufbau der Landes- und Gymn.Bibl. S. setzte sich weiters für die Verkehrserschließung, die Gründung von Mus. und weiterer gemeinnütziger Einrichtungen ein. In seine Amtszeit fällt die Eröffnung der israelit.-dt. Volksschule, deren Schülerzahl schnell wuchs und zu der für die Bukowina typ. Bildungsexplosion beitrug. 1855 wurde S. nob. Der Ver. für Landeskultur in Czernowitz wählte ihn zum Ehrenmitgl., die Stadt zum Ehrenbürger; 1859 Geh. Rat. Auch nach seiner Abberufung zum Präs. des mähr.schles. Oberlandesgerichts 1857 wurden seine Leistungen für den Landesausbau der Bukowina hoch geschätzt und 1861 vom Landtag gewürdigt.


Literatur: Mähr. Correspondent vom 31.5., Neuigkeiten (Brünn) vom 1. 6., Bukowina. Landes- und Amts-Ztg. vom 7. 6. und Wr. Ztg. vom 17. 6. 1862; J. F. Schmidt, Monographie des k. k. Böhm. Appellations-Gerichtes, 1850, S. 263; M. Beir Safran, Die inneren und kulturellen Verhaeltnisse in der Bukowina (1825–61), 1939, S. 72; H. Sternberg, in: Geschichte der Juden in der Bukowina, hrsg. von H. Gold, 1, 1958, S. 75 ff.; ders., Zur Geschichte der Juden in Czernowitz, 1962, S. 23; E. M. Frh. von Kapri, Buchenland. Ein österr. Kronland verschiedener Völkergruppen, 1974, S. 102; R. Wagner, Die Bukowina und ihre Dt. ( = Eckartschriften 69), 1979, S. 26, 62.
Autor: (E. Turczynski)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 49, 1993), S. 346f.

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  • geboren in > Pilsen
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