Schmiderer, Joseph Ignaz

Schmiderer (Schmiederer) Joseph Ignaz, Mediziner. Geb. Freiburg i. Breisgau, Vorderösterr. (Deutschland), 22. 5. 1755; gest. ebenda, Baden (Deutschland), 15. 2. 1830.

Sohn eines Wundarztes. Stud. ab 1771 Phil. an der Univ. Freiburg i. Breisgau, 1773 Dr. phil., wandte sich dann der Med. zu, absolv. den Lehrgang für Wundärzte und begann nach Reisen durch die Schweiz, die Rheinlande, Tirol, Oberitalien und Frankreich an der Univ. Freiburg Med. zu stud. Nachdem er 1778 die Lizenz als Wundarzt erhalten hatte, trat er in den Militärdienst und wirkte als Oberchirurg am Feldspital in Prag. 1779 nach Wien versetzt, verließ er 1780 den Militärdienst, nahm an der Wr. Univ. das Med.Stud. wieder auf und wurde 1781 zum Dr. med. prom. Schon zwei Tage später als Prof. für Tierheilkde. auf den neugeschaffenen Lehrstuhl an die Univ. Freiburg berufen, trat er erst zwei Jahre später sein Lehramt an, um vorerst, obwohl schon vorher Schüler Johann Gottlieb Wolsteins, seine Kenntnisse in Tiermed. in Wien noch zu vertiefen. 1783 auch Mag. obstet., erhielt er die Lizenz als Arzt und versah dann sein Ordinariat, neben dem er 1793–97 auch das klin. Fach, 1805–07 den medizin. theoret. Unterricht für Chirurgen und ab 1807 die allg. Pathol. und Therapie betreute. 1794/95 und 1807/08 war er Dekan der medizin. Fak., das ihm 1794 angebotene Rektorat lehnte er jedoch wegen seiner kriegsbedingten zusätzl. Belastungen ab. Zu Beginn seiner Lehrtätigkeit soll S. in Freiburg einjährige Kurse für Tiermediziner abgehalten haben, deren Ausbildung aber später die 1784 errichtete Tierarzneischule in Karlsruhe übernahm, wo S. von der Eröffnung an ebenfalls Tiermed. vortrug. Stets mehr der prakt. als der theoret. Seite seiner Disziplin zugeneigt, veröff. er nur wenige wiss. Abhh., machte sich jedoch als Lehrer wie ausübender Arzt hochverdient und vertrat gleichermaßen gründl. Human-wie Veterinärmed. Bes. Belastungen war er während der Franzosenkriege ausgesetzt, als er Einrichtung und Leitung von Militär- und Pferdespital der österr. Armee übernahm (1796 Stabsarzt), diese dann aber auch unter französ. Herrschaft betreute. S., der Freund und Feind gleichermaßen medizin. versorgt hatte, stand bei den österr., französ. und schließl. bei den Vertretern des Großherzogtums Baden, dem Freiburg zugefallen war, in hohem Ansehen und erhielt Ausz. von jedem der drei Staaten. 1806 zum Medizinalreferenten beim Hofgericht des Oberrheinkr. bestellt, wurde er 1807 Medizinalrat, 1828 großherzoglich bad. HR; mehrere gel. Ges. ernannten ihn zum Mitgl. bzw. Ehrenmitgl. S. begründete im heute bad. Raum die Tierheilkde., die er für ein wesentl. Instrument zur Förderung der Tierzucht hielt, und starb als letzter nochvon Österr. ernannter Prof. der Univ. Freiburg.


Werke: Continuatio praelectionum Haenianorum in Boerhavii pathologiam de effectibus vulnerum, 1781 (Diss.); Thierärztl. Gutachten über die im Lande allg. ausbrechende Rindviehseuche . . . nebst Anzeige der ärztl. und polit. Anordnungen dagegen, 1796; Abhh. in Magazin für prakt. Thierheilkde.
Literatur: Hirsch; Wurzbach; J. J. Gradmann, Das gelehrte Schwaben . . ., 1802; C. J. Beck, Rede bei der academ. Feier des 50jährigen Amtsjubiläums . . . J. I. S., 1829; Neuer Nekrolog der Dt. 8, 1830, Bd. 2, S. 900ff; G. W. Schrader, Biograph.-literar. Lex. der Thierärzte . . ., hrsg. von E. Hering, 1863; Universal-Lex. vom Großherzogtum Baden, 2. Aufl. 1867; H. Schreiber, Geschichte der Albert-Ludwigs-Univ. zu Freiburg i. Br. 1 ( = Geschichte der Stadt und Univ. Freiburg i. Br. 2), Neuausg. 1868, S. 214f., 224ff.; W. Neuland, Geschichte des Anatom. Inst . . . . an der Univ. Freiburg i. Br. ( = Geschichte der Med. in Freiburg i. Br., hrsg. von L. Aschoff, 1), 1941, S. 236, 260f.; E. Th. Nauck, L. Oken und die medizin. Fak. Freiburg i. Br. ( = Berr. der Naturforschenden Ges. zu Freiburg i. Br. 41), 1951, S. 9; ders., Zur Geschichte des medizin. Lehrplans und Unterrichts der Univ. Freiburg i. Br. ( = Beitrr. zur Freiburger Wiss.- und Univ.Geschichte 2), 1952, S. 50f., 116f.; R. Froehner, Geschichte des dt. Veterinärwesens ( = Kulturgeschichte der Tierheilkde. 2), (1954), S. 288, 292; E. Th. Nauck, Studenten und Ass. der Freiburger medizin. Fak. ( = Beitrr. zur Freiburger Wiss.- und Univ.Geschichte 5), 1955, S. 24, 62; P. Diepgen – E. Th. Nauck, Die Freiburger medizin. Fak. in der österr. Zeit ( = ebenda, 16), 1957, S. 42 f.
Autor: (F. Hillbrand-Grill)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 49, 1993), S. 317f.

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