Schenkl, Karl

Schenkl Karl, klassischer Philologe. * Brünn (Brno), 11. 12. 1827; † Graz, 20. 9. 1900.

Sohn eines klass. Philologen und Gymnasialprof., Vater des Vorigen, Onkel des Ophthalmologen Adolf S. (s. d.); stud. 1845–49 an der Univ. Wien Jus (mit Absolutorium) und u. a. klass. Philol., 1849 Dr. phil. Nach der Berufung von Bonitz (s. d.) inskribierte er 1850 nochmals klass. Philol. 1851 Lehramtsprüfung aus Latein und Griech., ab 1850 suppl. Lehrer am Gymn. in Wien-Josephstadt, ab 1851 w. Lehrer am Gymn. in Prag-Kleinseite. Ab 1858 (ohne Habil.) o. Prof. für klass. Philol. an der Univ. Innsbruck (an der er 1860 das philolog. Inst. einrichtete); 1859/60 Dekan. 1863 o. Prof. an der Univ. Graz, wo er bereits 1864 die Errichtung eines philolog. Seminars durchsetzte; 1865/66 und 1871/72 Dekan, 1869/70 Rektor. 1870 Mitgl. der Gymnasialreformkomm. Unter S.s wiss. Arbeiten jener Jahre sind seine Ausg. latein. Dichtung der frühen und späten Kaiserzeit sowie des griech. Klassikers Xenophon hervorzuheben. 1875 o. Prof. an der Univ. Wien als Nachfolger von J. Vahlen, wo er bis 1899 u. a. auch als Hrsg. von Fachz. – tw. gem. mit Hartel (s. d.) – und der „Bibliotheca scriptorum Graecorum et Romanorum“, einer Reihe krit. Textausg., wirkte. Den Großtl. seiner unerschöpflichen Arbeitskraft widmete S. in Wien aber der Edition von Schriften latein. Kirchenväter im Rahmen des von der Akad. der Wiss. in Wien betreuten „Corpus scriptorum ecclesiasticorum Latinorum“. Von epochaler Bedeutung war die Edition des spätantiken galloroman. Dichters Ausonius. Daneben galt S.s Tätigkeit weiterhin der Gräzistik und der Zusammenarbeit mit verwandten Disziplinen, vor allem mit derArchäol. unter Benndorf (s. d.), wofür er 1899 zum Mitgl. des Österr. Archäolog. Inst. ernannt wurde. Ausdruck seiner umfassenden Konzeption der Altertumswiss. war auch seine Aktivität in dem von ihm 1885 mitbegründeten Ver. Eranos Vindobonensis, dessen Präs. er zuletzt war. 1891–96 gehörte er dem niederösterr. Landesschulrat an, ab 1896 war er (wie schon vorher in Graz) Dir. der Lehramtsprüfungskomm. Die Lehrveranstaltungen S.s umfaßten die gesamte griech. und latein. Literatur und Sprache der Antike und Spätantike unter bes. Betonung der jeweiligen klass. Epochen, vergleichende Sprachwiss., Sanskrit sowie antike Realienkde. Sie sind wie seine Werke, die mitunter auch auf das Mittellatein und die Märchenforschung ausgreifen, Ausdruck der Weite seiner wiss. Tätigkeit, die er stets in Beziehung zur schul. Unterrichtspraxis zu setzen verstand. Sein griech. Elementarbuch war mehr als 70 Jahre in Gebrauch und wurde in mehrere Sprachen übers., sein griech.-dt. Schulwörterbuch war hinsichtlich der Einbeziehung von Textkritik und vergleichende Sprachwiss. weltweit das erste seiner Art. S. wurde 1863 korr., 1868 w. Mitgl. der Akad. der Wiss. in Wien, 1873 Reg.-Rat, 1882 HR.


Werke: Griech. Elementarbuch für die 3. und 4. Cl. der Gymn. des österr. K.Staates, 1852, 27. Aufl.: K. S.s Griech. Übungsbuch . . ., bearb. von H. Schenkl und F. Weigel, 1926; Chrestomathie aus Xenophon. 1855, 17. Aufl. 1920; Griech.dt. Schulwörterbuch, 1858, 11. Aufl. 1900, italien., 1865, 22. Aufl. o. J.; Dt.griech. Schul-Wörterbuch, 1859, 6. Aufl., bearb. von H. Schenkl, 1909; Zur Kritik späterer latein. Dichter, in: Sbb. Wien, phil.-hist. Kl. 43, 1863; Das Märchen von Sneewittchen und Shakespeare’s Cymbeline, in: Germania 9, 1864; Xenophont. Stud., in: Sbb. Wien, phil.-hist. Kl. 60, 1868, 80, 1875, 83, 1876; Stud. zu den Argonautica des Valerius Flaccus, ebenda, 68, 1871; Die Gymn. Serbiens, in: Z. für die österr. Gymn. 38, 1887, 40, 1889, 45, 1894; zahlreiche Abhh. in Fachz., u. a. in Jahresber. über die Fortschritte der class. Alterthumswiss., Archaeolog.-epigraph. Mitth. aus Oesterr., Philologus, Z. für die österr. Gymn., Germania; etc. Hrsg.: Xenophontis opera, 2 Bde., 1869–76; C. Valeri Flacci . . . Argonauticon libri octo, 1871; D. Magni Ausonii opuscula ( = Monumenta Germaniae historica, Auctores antiquissimi 5/2), 1883; Claudii Marii Victoris Alethia et Probae cento ( = Corpus scriptorum ecclesiasticorum Latinorum 16), 1888; Philostrati Maioris Imagines, gem. mit O. Benndorf et al., 1893; Sancti Ambrosii opera, 2 Tle. und Tl. 4, fertiggestellt von H. Schenkl ( = Corpus scriptorum ecclesiasticorum Latinorum 32), 1897–1902; Philostrati minoris Imagines et Callistrati Descriptiones, gem. mit E. Reisch, 1902. Mithrsg.: Z. für die österr. Gymn. 26–50, 1875–99. Mitred.: Wr. Stud. 1–21, 1879–1900.
Literatur: N. Fr. Pr. vom 20. (Abendausg.), Tagespost (Graz) vom 20. (Abendausg.) und 21., Wr. Ztg. vom 20. 9. (Abendausg.) und 5. 10. 1900; Z. für die österr. Gymn. 51, 1900, S. 1057ff.; Jahreshe. des österr. archäolog. Inst. in Wien 3, 1900, Beibl., Sp. 223; Inauguration Univ. Wien 1900/01, 1900, S. 13f., 45ff.; K. Ziwsa, in: Österr. Mittelschule 15, 1901, S. 1ff.; Almanach Wien 51, 1901, S. 322f.; Biograph. Jb. 5, 1903, S. 352ff.; K. Jax, in: Veröff. des Mus. Ferdinandeum 31, 1951, S. 397; R. Muth, in: Acta philologica Aenipontana 1, 1962, S. 16ff.; Wurzbach; R. Meister, Geschichte der Akad. der Wiss. in Wien 1847–1947 ( = Denkschriften Wien 1), 1947, s. Reg.; Beitrr. und Materialien zur Geschichte der Wiss. in Österr., hrsg. von W. Höflechner ( = Publ. aus dem Archiv der Univ. Graz 11), 1981, s. Reg. (mit Werksverzeichnis); Dokumente zur Geschichte der indogerman. und allg. Sprachwiss. . . . an der Univ. Innsbruck, hrsg. von G. Oberkofler ( = Veröff. der Univ. Innsbruck 143). 1984, S. 9f., 109f. (Vorlesungsprogramm); UA Wien.
Autor: (K. Smolak)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 46, 1990), S. 83f.

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