Schaffer, Josef

Schaffer Josef, Histologe. * Trient, 31. 3. 1861; † lnnsbruck, 27. 4. 1939.

Sohn eines Postbeamten; stud. 1881–86 Med. an der Univ. Graz (1886 Dr. med.), war 1886–88 Ass. für Histol. und Embryol. an der Univ. Graz bei V. v. Ebner-Rofenstein (s. d.), 1888–1911 Ass. für Histol. an der Univ. Wien wieder bei Ebner-Rofenstein, dem er nach Wien gefolgt war. 1889 habil. er sich an der Univ. Wien für Histol., wurde 1894 ao. Prof. für Histol. und Embryol., 1899 mit der Leitung des Embryolog. Inst. betraut, 1908 Tit. o. Prof., 1911 o. Prof. an der Univ. Graz, 1913 o. Prof. für Histol. an der Univ. Wien, 1933 emer. Angeregt durch seinen Turnlehrer Purtscheller (s. d.) dem Gedanken des Turnwesens zeitlebens verbunden, war er 1908–12 auch Vorsitzender der Turnlehrer-Prüfungskomm., 1913–1917 Leiter des Turnlehrer-Bildungskurses. S. war ein ungemein vielseitiger und exakter Forscher, dessen Lehrweise und techn. Methoden auch von den Veterinärmedizinern übernommen wurden. Grundlegende Arbeiten widmete er der histolog. Technik, der mikroskop. Anatomie, vor allem aber der Gewebelehre, später den Hautdrüsenorganen. Er erkannte das blasige Stützgewebe als neue Gewebsart, den Sperrmechanismus in den Zehen der Vögel sowie mancher Säuger, befaßte sich auch mit der Histol. fossiler Knochen und Zähne, fand zahlreiche histolog. Strukturen, suchte die histolog. Nomenklatur zu verbessern und beschrieb eine neue Drüsenart (hepatoide Drüsen). Bes. Verdienste erwarb er sich auch um den 1922 eröffneten, allen modernen Erfordernissen entsprechenden Neubau des Histolog. Inst. Der international anerkannte Gelehrte und (mit Ender) Begründer der angesehenen Wr. Histologenschule wurde vielfach geehrt, u. a. 1906 korr., 1923 w. Mitgl. der Akad. der Wiss. in Wien, 1921 HR und 1912/13 Senator der medizin. Fak. in Graz.


Werke: Die Verknöcherung des Unterkiefers und die Metaplasiefrage, in: Archiv für Mikroskop. Anatomie 32, 1888; Über den feineren Bau fossiler Knochen, in: Sbb. Wien, math.-nat. Kl. 98, Abt. 3, 1890, auch selbständig; Verhalten fossiler Zähne im polarisierten Licht, ebenda. 99, Abt. 3, 1891, auch selbständig; Beitrr. zur Histol. menschlicher Organe, ebenda, 100, Abt. 3, 1891, 106, Abt. 3, 1897, 126, Abt. 3, 1917, auch selbständig; Über die Sperrvorrichtung an den Zehen der Vögel, in: Z. für wiss. Zool. 73, 1903; Die Plasmazellen ( = Smlg. anatom, und physiolog. Vorträge und Aufsätze 8), 1910; Vorlesungen über Histol. und Histogenese, 1920, 3. Aufl.: Lehrbuch der Histol. und Histogenese, 1933; Vorschläge zur Verbesserung der histolog. Nomenklatur, in: Z. für die gesamte Anatomie, Abt. 3, 7, 1921; Die Stützgewebe, in: Hdb. der mikroskop. Anatomie des Menschen 2/2, hrsg. von W. v. Möllersdorf, 1930; Die Hautdrüsenorgane der Säugetiere . . ., 1940; zahlreiche Abhh. in wiss. Z., u. a. in Zentralbl. für Physiol., Wr. klin. Ws.; Beitrr. in Enz. der mikroskop. Technik, hrsg. von P. Ehrlich et al., 1903, 3. Aufl., 3 Bde., hrsg. von R. Krause, 1926–27; etc.
Literatur: N. Fr. Pr. vom 25. 8. 1913; S. Schumacher, in: Forschungen und Fortschritte 7, 1931, S. 380; J. Lehner, in: Z. für mikroskop.-anatom. Forschung 26/1, 1931; O. Krölling, in: Wr. Tierärztliche M s. 26, 1939, S. 318 f.; V. Patzelt, in: Wr. klin. Ws. 52, 1939, S. 583 ff.; Almanach Wien 89, 1940. S. 194 ff.; Eisenberg, 1893, Bd. 2; Fischer; Jb. der Wr. Ges., 1929; Kürschner, Gel. Kal, 1925–35; Lesky, S. 519, 521; Pagel; L. Schönbauer, Das medizin. Wien, 2. Aufl. 1947, S. 319 f.; G. Berka. 100 Jahre Dt. Burschenschaft in Österr. 1859–1959, 1959, S. 92 f.; W. Heindel. Personalbibliographien von Prof. und Doz. des Histolog.-Embryolog. Inst. der Univ. Wien . . . 1848–1968, (1971), S. 39 ff.; K. Körrer, Die zwischen 1938 und 1945 verstorbenen Mitgl. des Lehrkörpers an der Univ. Wien, phil. Diss. Wien, 1981, S. 211; H. Zapfe, Index Palaeontologicorum Austriae – Suppl. ( = Cat. Fossilium Austriae 15a), 1987; UA Wien.
Autor: (M. Jantsch)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 46, 1990), S. 27f.

Links

Download

Lifeline

Orte

  • geboren in > Trient
  • gestorben in > Innsbruck