Schauer, Antonín

Schauer Antonín, Jurist und Politiker. * Klattau (Klatovy, Böhmen), 8. 1. 1864; † Prag, 19. 11. 1940.

Stammte aus kleinbürgerlichen Verhältnissen; stud. 1881/82 an der Karl-Ferdinands-Univ., 1882–85 an der Tschech. Univ. Prag Jus, 1887 Dr. jur. 1886–88 im Gerichtsdienst, arbeitete er ab 1888 in der Prager Advokaturskanzlei von G. Neumann, der die Živnostenská banka (Gewerbebank), die größte tschech. Bank des Landes, vertrat; ab 1893 führte S. eine eigene Kanzlei. Die Stelle eines HR beim Verwaltungsgerichtshof in Wien lehnte er 1905 ab. Als Advokat vertrat S. auch öff. Institutionen, wie den Prager Stadtrat in der polit. bedeutsamen sog. Röhrenaffäre (1909) und die Handels- und Gewerbekammern von Prag und Budweis (Ceské Budejovice) in einem Sprachenrechts-Prozeß vor dem Reichsgericht (1917). 1929/30 fungierte er mit V. Pospíšil (s. d.) als Schiedsrichter im Streit zwischen dem Minister Beneš und dem ehemaligen Ministerpräs. Kramár (s. d.). 1906–13 war S. Abg. zum böhm. Landtag (Jungtschechen), in dem er den Vorsitz der Komm. für Gemeinde- und Bez. Angelegenheiten führte und 1908 einen Entwurf über den Gebrauch der Landessprachen bei Gerichten und Behörden vorlegte. S. war einer der Unterzeichner der sog. Dreikönigsdeklaration (1918) und der Deklaration der tschech. Nation vom 13. 4. 1918; 1918 Mitgl. der Präsidialkomm, des Tschechoslowak. Nationalrates. Er bekleidete auch führende Positionen in der Wirtschaft, so war er u. a. 1908–30 Mitgl. des Verwaltungsrates der Pražská uverová banka (Prager Kreditanstalt) und Vorsitzender des Verwaltungsrates der Anglo-Ceskoslovenská banka (Anglo-Tschechoslowak. Bank), ab 1914 Mitgl. der Dion. (später stellvertretender Generaldir.) der Zemská banka (Länderbank). S. war Ehrenbürger der Stadt Klattau.


Werke: Vliv zákonu válecných a poválecných na soukromé vlastnictví (Der Einfluß der Kriegs- und Nachkriegsgesetze auf das Privateigentum), 1925; kleinere Beitrr. in Fachz., u. a. Právník, Právnické rozhledy und Ceská advokacie; Beitrr. in Ottuv slovník naucný; etc.
Literatur: Národní politika vom 21. und 23. 11. 1940; Právník 63, 1924, S. 46 f.; V. Hora, ebenda, 79, 1940, S. 478 f.; Masaryk; Otto, Erg.Bd. V/2; E. Benedikt, Zwölf Gerichtsreden aus den Jahren 1880 bis 1911, 1912, S. 59; M. Navrátil, Almanach ceskoslovenských právníku, 1930; H. Slapnicka, in: Die Chance der Verständigung, hrsg. von F. Seibt, 1987, S. 162; Mitt. R. Luft, Mainz, BRD.
Autor: (F. Spurný)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 46, 1990), S. 48
geboren in Klattau
gestorben in Prag

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