Sartory, Josefa

Sartory (Sartori) Josefa, geb. Schmid(t), Schauspielerin. * Wien, 19. 3. 1771 (Taufdatum); † Wien, 26. 6. 1844.

Tochter eines Bedienten und späteren Logenmeisters, Schwägerin des Vorigen; war ab 1788 im Soubrettenfach am Wr. Leopoldstädtertheater engagiert, wo sie bald zu einem beliebten Ensemblemitgl. wurde. Vorerst bes. in Singspielen Perinets (s. d.) als Partnerin J. Laroches und A. Baumanns (s. d.), ab Mitte der 90er Jahre als Geliebte des von Hasenhut (s. d.) kreierten Thaddädl erfolgreich, gelang ihr in den Lokalstücken Kringsteiners – gleichzeitig mit der Entdekkung ihres kom. Naturtalents – der Übergang in ein neues Rollenfach: Obwohl sie noch bis gegen 1810 ihre Soubrettenrollen beibehielt, traten an die Stelle der munteren und naiven jungen Dienstboten immer mehr die tw. für sie geschriebenen Rollen älterer Frauen aus dem Volk, wie Haushälterinnen, Wäscherinnen, Marktweiber sowie verliebte alte Jungfern. Eine schnelle, sich überstürzende Sprechweise sowie die Verwendung stehender Redensarten und ein häufig karikaturist. Darstellungsstil sind die hervorstechendsten Elemente ihrer Komik, die allerdings auch mitunter als grell und übertrieben empfunden wurde. Erst im Zusammenspiel mit I. Schuster, dem sie eine kongeniale Partnerin wurde, verfeinerte und vertiefte sich ihre Charakterdarstellung, sodaß sie in den Jahren 1813–17 ihren Schauspieler. Höhepunkt erreichte. In den 20er Jahren immer seltener eingesetzt, schied sie 1828 aus dem Ensemble des Theaters. S. gehörte neben J. Huber, L. Gleich-Raimund, Th. Krones (s. d.) und K. Ennöckl (s. Bäuerle K.) zu den bedeutendsten Schauspielerinnen des Alt-Wr. Volkstheaters im ersten Drittel des 19. Jh. Ihre Entwicklung von der Lokalsängerin und munteren Soubrette zur Charakterkomikerin und kom. Alten spiegelt zugleich die theatergeschichtliche Entwicklung des Alt-Wr. Volkstheaters von der burlesken Typenkomik zur Charakterkomik. S. war ab 1795 mit dem Schauspieler Anton J. S. ( * Linz, 10. 6. 1767; † Wien, 8. 8. 1821) verheiratet, der im Fach der 2. Liebhaber und untergeordneten Charaktere gleichfalls am Leopoldstädtertheater (erstes Auftreten 1783) engagiert war und auch einige unbedeutende Theaterstücke verfaßte.


Werke: Hauptrollen: Lisette (J. Perinet, Das Neu-Sonntagskind); Lorchen (ders., Die Schwestern von Prag); Rosa (L. Huber, Der eiserne Mann); Frau Resel (F. Kringsteiner, Othello, der Mohr in Wien); Frau v. Drescherl (ders., Ehestands-Szenen); Fräulein Julchen v. Eisenfeil (ders., Hanns in Wien, und ders., Hanns in der Heimath); Ursula Quintel (A. Bäuerle, Staberls Hochzeit oder der Kourier, und ders., Staberls Wiedergenesung); Pimpernelle Hauswurzen (ders., Der Fiaker als Marquis); Madame Würfel (ders., Der Leopoldstag oder Kein Menschenhaß und keine Reue); Margarethe (J. A. Gleich, Die Musikanten am Hohenmarkt); Trudel (K. Meisl, Der Kirchtag in Petersdorf); etc.
Literatur: Taschenbuch für die dt. Schaubühne auf das Jahr 1817, (1817). S. 161 f.; A. Mansfeld, Das Ensemble des Leopoldstädter-Theaters . . . 1794, in: Adler 16, 1950–52, S. 216 ( auch für Anton J. S. ): Enc. dello spettacolo; Kosch, Theaterlex.; G. Gugitz, Der Weiland Kasperl (J. La Roche), 1920, s. Reg.; F. Hadamowsky, Das Theater in der Wr. Leopoldstadt 1781–1860 ( = Kat. der Theatersmlg. der Nationalbibl. in Wien 3), 1934, s. Reg. (auch für Anton J. S.); L. Bittner, Ensemble um Raimund am Leopoldstädtertheater (1817–30), phil. Diss. Wien, 1948, S. 75, 88, 90, 92. 105, LXX; O. Rommel, Die Alt-Wr. Volkskomödie, (1952), s. Reg. (auch für Anton J. S.); E. Futter, Die bedeutendsten Schauspielerinnen des Leopoldstädter Theaters in der Zeit von 1800–30 (Th. Krones, K. Ennöckl, J. Huber, L. Gleich-Raimund und J. S. . . .), 2 Tle. ( = Diss. der Univ. Wien 48), 1970; Th. Krones zum 150. Todestag, (1980), S. 30 (Ausst. Kat.); Wr. Stadt- und Landesarchiv und Archiv der Pfarre St. Stephan, beide Wien. – Anton J. S.:Giebisch-Gugitz; Goedeke, s. Reg.; F. Raimund als Schauspieler, hrsg. von F. Hadamowsky, 1–2, (1925), s. Reg.
Autor: (E. Lebensaft)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 9 (Lfg. 45, 1988), S. 430f.

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