Retzer, Josef Friedrich Frh. von

Retzer Josef Friedrich Frh. von, Schriftsteller und Beamter. * Krems (NÖ), 25. 6. 1754; † Wien, 15. 10. 1824.

Sohn des Salz-Oberamtskontrollors Wenzel A. Frh. v. R.; besuchte 1762–74 die Theresian. Ritterakad. in Wien und war dort u. a. Schüler von Denis sowie des späteren Wr. Fürsterzbischofs S. A. Gf. v. Hohenwart (s. d.), dem er bis ins späte Leben verbunden blieb. Trat 1774 in den Staatsdienst, zuerst als unbezahlter Praktikant bei der Ministerialbanko-Hofdeputation, wurde 1782 Hofkonzipist, 1783 Zensor, ab 1787 Hofsekretär. Ab 1801 durfte er keine hist.-polit. Bücher mehr zensieren, 1819 wurde er von der Zensur suspendiert. 1782 in die Freimaurerloge „Zur wahren Eintracht“ aufgenommen und bald darauf zum Meister erhoben, gehörte R. zum engsten Kreis I. v. Borns, in dessen Haus er mit Sonnenfels, Blumauer, Ratschky, Alxinger, Poschinger u. a. ständiger Gast war. Er verkehrte auch in den Wr. literar. Salons. R. beherrschte zahlreiche Fremdsprachen und machte sich bes. als Übers. aus dem Engl. einen Namen. Obwohl er selbst als Schriftsteller und Wissenschafter keine allzu große Bedeutung erlangte, stand er mit vielen Gelehrten und Dichtern in aller Welt in Verbindung, die ihm tw. ihre Werke widmeten. Er war bis zuletzt den Idealen der Aufklärung treu und bemühte sich auch stets, als Zensor in diesem Sinne zu wirken. Er war Mitarbeiter am „Wienerischen Musenalmanach“, am „Journal für Freymaurer“ und am „Oesterreichischen Taschenkalender“.


Werke: Ged. aus dem k. k. Theresiano, 1774; Auf die verstorbene Kaiserinn Beschützerin der Wiss., 1780; Metastasio. Eine Skizze für seinen künftigen Biographen, 1782, auch französ. und italien.; Schreiben an Herrn D. Ch. H. Schmid . . ., über die Anweisung der vornehmsten Bücher in allen Theilen der Dichtkunst, 1782; Choice of the best poetical pieces of the most eminent english poets, 6 Bde., 1783–86; Tabakpachtung in den österr. Ländern von 1670 bis 1783, 1784; Nachrichten von dem Leben und den Schriften des ehemaligen Bischofs von Gurk, H. Balbi . . ., 1790; Uiber die Beschuldigungen der Hrsg. der neuesten Religions-Begebenheiten, 1795; Sieben Ged., 1806; Übers. und Übertragungen aus dem Latein. und Französ.; etc. Hrsg.: H. Balbi, Opera poetica, oratoria ac politico-moralia, 2 Bde., 1791–92; J. Herzogin v. Giovane, Ges. Schriften, 1793; Michaels Denis literar. Nachlass, 2 Abt., 1801–02; Des Herrn C. v. Ayrenhoff . . . sämmtliche Werke, 6 Bde., 3. Aufl. 1814.
Literatur: Dt. Tagbl. vom 25. 6. 1904; J. Marx, Metternich als Zensor, in: Jb. des Ver. für Geschichte der Stadt Wien 11, 1955, S. 112 ff.; ADB: Brümmer, 18. Jh.; Gieblsch–Gugitz; Goedeke, s. Reg.; Graeffer–Czikann; Kosch; Nagl– Zeidler–Castle 2, s. Reg.; Wurzbach; L. Abafi, Geschichte der Freimaurerei in Oesterr.-Ungarn 4, 1893, S. 287, 296, 301, 310; H. Gnau, Die Zensur unter Joseph II., 1911; F. Münter. Et Mindeskrift, hrsg. von Ø. Andreasen, 2, 1937, S. 56 ff., 6, 1944, S. 123 f.; E. Zellweker, Das Urbild des Sarastro. I. v. Born, 1953, s. Reg.; O. Sashegyi, Zensur und Geistesfreiheit unter Joseph II. ( = Studia historica Acad. scientiarum Hungaricae 16), 1958, S. 43, 50 ff.; L. Bodi, Tauwetter in Wien. Zur Prosa der österr. Aufklärung 1781–95, 1977, s. Reg.; Die österr. Literatur, Ihr Profil an der Wende vom 18. zum 19. Jh. (1750–1830), hrsg. von H. Zeman, 1–2, 1979, s. Reg.; H. Wagner, Freimaurerei um Joseph II., Österr. Freimaurermus., Schloß Rosenau b. Zwettl, 1980, S. 55 f. (Kat.); Mitt. J. Marx (†), Wien.
Autor: (E. Rosenstrauch)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 9 (Lfg. 41, 1984), S. 95f.
geboren in Krems an der Donau
gestorben in Wien

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