Ranftl, Matthias Johann

Ranftl Matthias Johann, Maler. * Wien, 20. 1. 1804; † Wien, 1. 11. 1854.

Sohn eines Gastwirtes; wurde 1817 Schüler J. P. Kraffts (s. d.) an der Akad. der bildenden Künste in Wien und bildete sich bei Fendi (s. d.) weiter. Reisen in die Schweiz und nach Mannheim, die er 1819 noch während seiner Ausbildung unternahm, erweckten in ihm die Liebe zur Landschaftsmalerei, obwohl er mit Porträts und Historienbildern seine ersten Erfolge hatte. Bei Aufenthalten in Moskau und St. Petersburg (Leningrad) erhielt er zahlreiche Aufträge, hatte Zugang bei Hof und lernte auch Puškin kennen, zu dessen „Eugen Onegin“ er sechs Zeichnungen ausführte. Nach Wien zurückgekehrt, errang er mit dem Altarbild „Hl. Augustin mit dem Engel“ für die Kirche in Totis (Tata) so großen Erfolg, daß er nach Warasdin (Varaždin) berufen wurde, wo er u. a. 15 lebensgroße Kg.Bilder für den Kom.Saal malte. Ab 1831 lebte R. endgültig in Wien, widmete sich vor allem dem Genrebild und machte dafür viele Aquarellstud. Mit seinen Hundebildern hatte er so großen Erfolg, daß er den Spitznamen „Hunde-Raffael“ erhielt. Zahlreiche seiner Bilder wurden durch Lithographien und Stiche vervielfältigt. R. war anfangs Romantiker, Maler von Historienbildern und religiösen Gemälden. Sein gesunder Sinn für das Natürliche und Lebendige bewahrte ihn aber vor einer nazaren. Manier, obgleich seine Kunst dem Gefühlsbetonten – freilich eher im weltlichen Bereich – zuneigte. Der Kontakt mit bedeutenden Zeitgenossen in London und Paris brachte ihn keineswegs von seinem eigenen „vaterländischen“ Weg ab, sondern gab ihm neue Maßstäbe für Komposition und Technik, die er in seinen Bildern zu vervollkommnen strebte. R.s Gemälde sind auch wichtige Quellen zur Volkskde. sowie zur Kultur- und Theatergeschichte seiner Zeit (Rollenbildnisse Nestroys, s. d.).


Werke: W. (tw. Ausst. Daten): Kunz von der Rosen sucht K. Max I. aus der Gefangenschaft in Gent zu befreien, 1826; Moskovit. Blumenverkäufer beim Kreml, 1832; Schlimme Kinder, 1832, Hausierende Kinder auf dem Glacis, 1840, Rast der Schnitter, 1845, Die Verwandten vom Lande, 1847, Die bettelnden Kinder, 1853 (alle Hist. Mus. der Stadt Wien); Hl. Oswald, 1834 (Hochaltar, Pfarrkirche Altmannsdorf, Wien XII.); Nikolausabend in Wien, 1836; Szene aus der Pester Überschwemmung, 1838 (Mus. der Schönen Künste, Budapest); Sommer- und Winterspiel, 1846 (Niederösterr. Landesmus., Wien); Nach der Jagd, 1851, Rast der Wallfahrer, 1852 (beide Österr. Galerie, Wien); etc.
Literatur: N. Fr. Pr. vom 21. 7. 1869; ADB; Bénézit; Graeffer–Czikann; Kosch, Das kath. Deutschland; Nagler; Seubert; Thieme–Becker; Wurzbach; Kat. der R.-Ausst., Künstlerhaus Wien, Wien 1869; F. v. Boetticher, Malerwerke des 19. Jh. 2/1, 1898; H. Fuchs, Die österr. Maler des 19. Jh. 3, 1973; H. Schöny, Wr. Künstler-Ahnen 2, 1975, S. 63.
Autor: (R. Feuchtmüller)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 8 (Lfg. 40, 1983), S. 413f.

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  • war Student > Akademie der bildenden Künste Wien