Rapoport, Salomon Juda Löb

Rapoport Salomon Juda Löb (ŠIR), Rabbiner. * Lemberg (L’viv), 1. 6. 1790; † Prag, 18. 10. 1867.

Cousin des Vorigen, Großvater des Juristen und Politikers Arnold R. v. Porada (s. d.), Schwiegersohn des Talmudisten A. L. Heller; empfing die traditionelle jüd.-religiöse Ausbildung, wobei sich seine außerordentliche Begabung bemerkbar machte. Unter dem Einfluß seines Landsmannes Krochmal (s. d.) fand er Zugang zur jüd. Aufklärung (Haskala) und eignete sich auch profanes Wissen, bes. Sprachen, an. Eine Anstellung als Kassier bei den Pächtern des Koscherfleischaufschlags, einer bes. Steuer für die Juden in Galizien, sicherte ihm den Lebensunterhalt, wenngleich sie ihm für schöpfer. Tätigkeit nur wenig Zeit ließ. R. veröff. zunächst im Wr. hebr. Jb. „Bikkurê ha-→ittim“ Gedichte und Nachdichtungen (Fragmente aus Schillers „Glocke“, „Esther“ von Racine), erkannte aber bald seine Berufung zur hist.-krit. Forschung, die er als erster auf die Überlieferung des Judentums anwandte. Seine größte und beispielhafte Leistung auf diesem Gebiet sind die Biographien mittelalterlicher Gelehrter. Eingehendes Quellenstud., ausgewiesen durch einen enormen Notenapparat, zeigte den wiss. Ernst seiner Arbeit, die ihn mit einem Schlag zu einem gleichberechtigten Vertreter der Wiss. des Judentums in Galizien machte, die bisher nur in Deutschland (Zunz) und Italien (S. D. Luzzatto, s. d.) bestanden hatte. 1832 geriet R. in ärgste wirtschaftliche Not, da die Steuer neu verpachtet wurde und er seine Anstellung verlor. Obgleich Zunz und Luzzatto sich sehr für ihn verwendeten, schlug der Versuch fehl, ihm ein Rabbinat in Berlin bzw. in Italien zu verschaffen. Er brachte sich in Brody als Kaufmann durch, bis er 1837 als Rabb. nach Tarnopol (Ternop’il) berufen wurde. Die Opposition der Chassidim und die Pflichten des Amts im allg. hinderten ihn an weiterer wiss. Entfaltung, die ihm auch nach 1840, als er Oberrabb. in Prag wurde, nicht mehr gegönnt war. Er verfaßte zahlreiche hebr. Artikel und z. Tl. polem. Einzelschriften zu religiösen oder fachlichen Fragen (Rabb. Synode in Deutschland, Reformsynagoge, Bibelkritik) sowie einige dt.sprachige Beitrr. für jüd. Z. R. sprach sich gegen die in einigen dt. Gemeinden vollzogenen religiösen Reformen aus, weigerte sich jedoch, die Anhänger dieser Bewegung aus dem Judentum auszuschließen, solang sie sich selbst noch als Juden betrachteten. Seine Büchersmlg. diente als Grundstock für die Bibl. der Prager israelit. Gemeinde.


Werke: Saadja Gaon, in: Bikkurê ha-‘ittim 9, 1828; Nathan von Rom, ebenda, 10, 1829; ‘Erekh millin (Die Bedeutung der Worte, Realenz.) 1, 1852; etc.
Literatur: Das Centenarium S. J. L. R. s . . ., red. von D. Kaufmann, in: Oesterr. Ws. 7, 1890, S. 387 ff.; ADB; Enc. Jud.; Jew. Enc.; Jüd. Lex; Wininger; Wurzbach; J. Fürst, Bibl. Judaica 3, 1860, Neudruck 1960; A. Kurländer, Biographie S. J. R. s, 1878; S. Bernfeld, Toldot ŠIR, 1899; M. Waxman, A History of Jewish Literature 3, 1960; I. E. Barzilay, Sh. Y. R. and his Contemporaries, 1969.
Autor: (N. Vielmetti)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 8 (Lfg. 40, 1983), S. 421f.

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  • gestorben in > Prag