Rapp, Josef

Rapp Josef, Jurist und Historiker. * Matrei a. Brenner (Tirol), 28. 2. 1780; † Innsbruck, 30. 7. 1865.

Sohn eines Bäckers, Vater des Vorigen sowie des Politikers und Juristen Franz Frh. R. v. Heidenburg (s. d.); stud. an der Univ. Innsbruck Jus, 1803 Dr. jur., 1806 Advokatursprüfung. R. wurde bei der Innsbrucker Kammerprokuratur angestellt und bayr. Finanzrat. 1809 war er zunächst Finanzberater Hormayrs (s. d.), dann Finanzreferent in der Ende August 1809 von Hofer eingerichteten Gen.-Landesadministration. Nach Niederwerfung des Aufstandes lebte er bis zur Wiedervereinigung Tirols als Advokat und Notar in Wien. 1815–29 und ab 1848 war R. als Gubernialrat und Kammerprokurator in Innsbruck mit der Vertretung des Ärars in zivilgerichtlichen Angelegenheiten betraut. 1829–48 diente er in gleicher Eigenschaft in Linz. 1849 wurde er in die Grundentlastungskomm. berufen; 1851 i. R. R., der schon 1804 und 1805 an der Univ. Innsbruck die Lehrkanzeln für Kirchenrecht und für vaterländ. Justizgesetzgebung und Gerichtspraxis suppl. hatte, wurde 1817 Dir. des jurid.-polit. Stud. und fungierte 1850–59 als Präses der theoret. Staatsprüfungskomm., allg. (staatswiss.) Abt. Die Bedeutung R. s liegt in seinem sehr geschickten Wirken im Tiroler Freiheitskampf, in seiner jurist. Tätigkeit in Lehre und Praxis und in seinen hist. und rechtshist. Arbeiten. Seine Darstellung der Ereignisse von 1809 hat Quellenwert und diente als Grundlage für die Werke J. Eggers (s. d.) sowie F. und J. Hirns (beide s. d.). Seine Abh. über das Statutarrecht ist die erste Besprechung und Ausg. tirol. Rechtsquellen.


Werke: Ueber das vaterländ. Statutenwesen, in: Beitrr. zur Geschichte, Statistik, Naturkde. und Kunst von Tirol und Vorarlberg 3, 1827, 5, 1829, 8, 1834; Tirol im Jahre 1809 . . ., in: Z. des Ferdinandeums für Tirol und Vorarlberg, F. 3, 1–3, 1853; Ueber Tirols Wiederkehr an Oesterr. in den Jahren 1813 und 1814, ebenda, F. 3, 5, 1856; etc. Das tirol. Lehensrecht, Manuskript, Tiroler Landesarchiv, Innsbruck.
Literatur: S. Moriggl, Dr. J. R., k. k. Gubernialrath und Kammerprokurator, in: Tiroler Stimmen vom 28. 8.–2. 9. 1865, selbständig 1865; K. Klaar, Das Geburtshaus . . . Dr. J. R. in Matrei, in: Forschungen und Mitt. zur Geschichte Tirols und Vorarlbergs 9, 1912, S. 142f.; H. Hochenegg, Mädchenbriefe am Rande des Krieges von 1809 (A. v. Stolz an J. R.), in: Tiroler Heimatbll. 48, 1973, S. 87ff.; G. Oberkofler, Die Vertretung des österr. Zivilrechtes an der Innsbrucker Rechtsfak., in: Tiroler Heimat 40, 1977, S. 113f.; ADB; Kosch, Das kath. Deutschland; Kosch, Staatshdb.; Wurzbach; J. Egger, Geschichte Tirols von den ältesten Zeiten bis in die Neuzeit 3, 1880, s. Reg.; J. Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, 1909, s. Reg.; F. Hirn, Geschichte Tirols von 1809–14, 1913, s. Reg.; R. Granichstaedten-Czerva, A. Hofers alte Garde, 1932, s. Reg.; N. Grass, Die Kirchenrechtslehrer der Innsbrucker Univ. von 1672 bis zur Gegenwart, in: Veröff. des Mus. Ferdinandeum 31, 1951, S. 170f.; R. Granichstaedten-Czerva, Beitrr. zur Familiengeschichte Tirols (= Schlern-Schriften 131), 1954, s. Reg.; O. Stolz, Geschichte des Landes Tirol 1, 1955, s. Reg.
Autor: (M. Laich)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 8 (Lfg. 40, 1983), S. 423

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  • geboren in > Matrei am Brenner
  • gestorben in > Innsbruck